Leserbriefe zum Thema Coronavirus: "Mehr Solidarität, Bescheidenheit, weniger Egozentrismus"

Gilt die Ausgangsbeschränkung auch für Osterhasen?Dieser Frage hat sich die 19-jährige Hannah Brader aus Rosenheim, die derzeit die Fachoberschule für Gestaltung besucht, in einer Karikatur gewidmet.
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Gilt die Ausgangsbeschränkung auch für Osterhasen? Dieser Frage hat sich die 19-jährige Hannah Brader aus Rosenheim, die derzeit die Fachoberschule für Gestaltung besucht, in einer Karikatur gewidmet.

Zur Berichterstattung über das Coronavirus (Politik- und Regionalteil) haben uns zahlreiche Leserbriefe erreicht. 

Dieter Bauer, Brannenburg

Liebes Coronavirus, Du hast einen Besuch bei mir angekündigt! Jetzt muss ich sagen, dass ich überhaupt keine Angst vor Dir habe, auch deshalb, weil ich ein großes Vertrauen in mein Abwehrsystem habe. Ich akzeptiere als alter Mensch nicht, dass man mich zwangsläufig zum Risikopatienten macht. Und wenn Du auf einen Besuch bestehst, dann wirst Du keine guten Karten haben. Ich werde mich einige Tage ins Bett legen und mit Fieber und Schwitzen und anderen abwehrstärkenden Maßnahmen Dir den Garaus machen. Dass Du mit der Pandemie, die Du da angezettelt hast, uns eine Botschaft überbringen willst, dafür sollten wir Dir allerdings sehr dankbar sein.

Wenn ich richtig verstehe, dann geht es darum, erst mal innezuhalten, offen zu werden für eine gerechtere und nachhaltigere Welt, mit mehr Solidarität, Bescheidenheit, weniger Egozentrismus, mehr Regionalisierung statt Globalisierung, eine gerechtere Wohlstands- und Besitzverteilung, um Umweltschutz und ein Wirtschaftssystem mit fairen Chancen für alle. Werden wir dieses Signal verstehen und wenn dem so ist, werden unsere Politiker bereit sein, diese Erkenntnisse auch umzusetzen? Wird eine neue Zeit anbrechen, wie es unser Bundespräsident verspricht?

Aber für eine neue Politik brauchen wir Politiker, denen wieder das Gemeinwohl und das Wohlergehen aller glaubhaft am Herzen liegt und nicht der Wachstumswahn und die ihr Handeln nicht von einer Lobbykratie bestimmen lassen. Angst machen mir vielmehr diese Politiker, die diese einschränkenden und zensierenden Maßnahmen dieses Ausmaßes mit all diesen sozioökonomischen Folgen veranlasst haben. Also, liebes Virus, überleg‘ Dir noch mal, ob Du mich wirklich besuchen willst!

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Hier geht es zu unserem Liveblog zur Corona-Lage in der Region, Bayern und Deutschland. Weitere Informationen finden Sie auf unserer Themenseite Coronavirus.

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Jürgen Böhm, Kolbermoor

Nachdem es Ende Januar schon über 100 Corona-Tote in China gab, hat die Bundesregierung leider noch wochenlang rumgeeiert. Ein unvorstellbarer Vorgang: 2013 hatte man in Berlin eine Risiko-Analyse erhalten: Zu einem Coronavirus aus Asien, das sich in Deutschland massiv verbreitet und das Gesundheitssystem lahmlegt.

Was an Notfallsystem hat die Bundesregierung dazu aufgebaut? Die beschämende Antwort ist: Nichts, absolut nichts! Deshalb konnte man froh sein, dass Herr Söder das Zepter in die Hand genommen hat.

Inzwischen wissen wir jedoch: Das Virus geht nicht durch die Haut. Riskant ist, einen infizierten Finger in Nase oder Mund zu stecken. Die aktuellen Todesraten zeigen für europäische Länder, dass sie niedriger sind als bei den letzten Grippe-Epidemien – das gilt selbst für Italien. Worauf wir achten müssen, sind die fünf Prozent gefährdeten Menschen: Diese wollen wir natürlich nicht ins Messer laufen lassen.

Und wir wollen einen Zusammenbruch der Krankenhäuser vermeiden, der zustande käme, wenn zu viele Gefährdete zum selben Zeitpunkt erkranken. Der jetzige Stillstand kostet Billionen für Staat und Wirtschaft – und bedeutet für viele Menschen Insolvenz beziehungsweise Arbeitslosigkeit und zu Hause psychischen Stress. Von daher sollte man einen pragmatischen, jedoch vorsichtigen Weg weitergehen. Dieser wäre beispielsweise Maskenpflicht in der Öffentlichkeit und auch zu Hause bei Gästen.

Die Grenzen bleiben geschlossen. Kontakt- beziehungsweise Ausgangssperren werden kurzfristig aufgehoben. Das öffentliche Leben, die Wirtschaft laufen wieder weiter – natürlich etwas eingeschränkt (Maskenzwang, geschlossene Grenzen).

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Josef Hierlwimmer, Niedertaufkirchen

In wissenschaftlichen Studien waren sich namhafte Virologen seit geraumer Zeit einig, dass ein neues Virus eine weltweite Pandemie auslösen und für sehr viele den Tod bringen wird. Während im neuen Jahrtausend bisher von unseren Politikern für unsere Verteidigung, die potenzielle Gegner kaum fürchten würden, fast eine Billion Euro verschleudert wurden, ist im Gesundheitswesen für Ärzte und Pflegepersonal nicht mal Desinfektionsmittel und Schutzausrüstung in ausreichenden Mengen vorgehalten worden. Dass diese so wichtigen Leute in Kliniken und Pflegeeinrichtungen bei der Hilfe für die Patienten sich der Gefahr der eigenen Erkrankung aussetzen, ist höchst bewundernswert.

Sie hätten sich nicht nur schöne Worte verdient, sondern auch verantwortungsvolle Politiker, die die in ihre jeweiligen Zuständigkeitsbereiche fallenden Punkte der öffentlichen Daseinsvorsorge auch gewissenhaft abarbeiten und nicht nur Pressekonferenzen veranstalten, in denen sie sich selbst loben.

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Ingried Wieland, Prien

Mit Bedauern muss man feststellen, dass die Führungseigenschaften und Einsichtigkeit der Bundeskanzlerin moderat gesagt, sehr stark verblassen. Gerade am Anfang der sich entwickelnden Wirtschafts- und Gesundheitskrise mit den erschwerenden Bedingungen für die Bevölkerung, hätte Frau Merkel deutlich früher sichtbar sein müssen. Ihre erste, lang überfällige Ansprache die „Nächstenliebe“ zu praktizieren und „Herz zu zeigen“, anstatt Anweisungen wie Abstand, Händewaschen und zu Hause bleiben zu propagieren, war total verfehlt. Erst später, scheinbar auf Anweisung, wurde hier korrigiert.

Das natürliche, vielerorts erfolgreich praktizierte Tragen einer Gesichtsmaske, um die Ansteckung anderer zu minimieren, lehnt sie ab, anstatt es mit einer täglichen Desinfizierung zu fördern. Es wäre sehr zu empfehlen, dass sich Frau Merkel die dynamische, zielführende Vorgehensweise von Ministerpräsident Söder zu eigen machen würde, um ihrem eigenen Ansehen und dem der Partei nicht noch weiter zu schaden.

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Peter Müller, Waldkraiburg

Zunächst danke ich Ihnen für die Berichterstattung zum Thema Corona-Krise, einschließlich des kulturell-religiösen Hintergrunds („heilige Corona hilf“ von Bruno Münch). Hier geht es mir jedoch um die amtlichen Mitteilungen der Bayerischen Staatsregierung und den sich darauf beziehenden Bericht.

Ihre im Kasten verkürzte Darstellung der Gründe „Wann man das Haus noch verlassen darf“ ist unter Punkt 4 nicht eindeutig. Dort wird als erlaubt genannt: „der Besuch bei Lebenspartnern, Alten, Kranken, oder Menschen mit Einschränkungen (außerhalb von Einrichtungen) und die Wahrnehmung des Sorgerechts“. Wer das mehrdeutige Wort „Besuch“ im subjektiv gewünschten Sinn versteht, kann nach Lust und Laune die genannten Personen aufsuchen, unter welchem Motiv auch immer. Ihr Bericht übersieht die Nummer 1 der Allgemeinverfügung der Bayerischen Staatsregierung, wo es heißt „physische und soziale Kontakte auf ein absolut nötiges Minimum zu reduzieren“. Dies hätte man voranstellen müssen.

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Max Hudlberger, Rechtmehring

„Angst essen Seele auf“ – so kommt es einem vor, wenn man den Hype und die Berichterstattung über Corona in Deutschland verfolgt! Jeder ist inzwischen ein kleiner Virologe, die Talkshows sind gespickt mit Leuten, die sich wichtig machen, aber im Grunde nichts wissen. Je schlimmer die Vorhersagen umso mehr Aufmerksamkeit bekommt man.

Es gilt jetzt, sich die Faktenlage anzuschauen: 1. Ein normal gesunder Mensch ist nicht gefährdet, er hält die Erkrankung wie eine Grippe aus! Es gibt wenige Ausnahmen. 2. Die älteren Mitbürger und Risikogruppen können auf sich selbst aufpassen – falls sie dazu aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage sind, muss auf sie aufgepasst werden. 3. Die Zahlen aus Italien und Spanien sagen nichts aus – sie listen die Toten als coronainfiziert auf, sie sind aber zum großen Teil an etwas anderem gestorben – nicht an Corona! 4. Die Zahlen in Deutschland sind realistischer aber eigentlich sehr niedrig.

Um wieder eine baldige Normalisierung zu erreichen, schlage ich wie folgt vor: Es braucht wie in Schweden einen „Bad boy“ (Anders Tegnell), der vorgibt, wie es gemacht werden soll. Die Politiker trauen sich nicht. Sie haben aus verständlichen Gründen zu viel Respekt vor der Situation. Wenn wir weiters nach den Virologen gehen, werden wir zwei Jahre lang eingesperrt – Deutschland ist wirtschaftlich und auch gesellschaftlich schon schwer geschädigt. Wir könnten nach meiner festen Überzeugung ab nächster Woche ganz normal weitermachen. Wir brauchen jetzt politische Anführer mit Mut!

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