Wohl der Tiere nicht an erster Stelle

Kälber auf einem Lkw: Die Lebendtiertransporte nach Kasachstan sorgen bei unseren Lesern für Kritik.
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Kälber auf einem Lkw: Die Lebendtiertransporte nach Kasachstan sorgen bei unseren Lesern für Kritik.

Zum Bericht „Unterschrift wider Willen, Tiertransport nach Kasachstan schlägt hohe Wellen“ (Regionalteil):

Verdammt, wann hören die Lebendtiertransporte endlich auf? Im Winter werden 32 trächtige Kalbinnen auf den Weg nach Kasachstan geschickt. Und ausgerechnet in Ungarn mit einem Stop für 30 Tage Quarantäne. Quarantäne wo? Wie sehen die Stallungen aus, können sich die Tiere angemessen bewegen, wer mistet aus, wer füttert, wer stellt sauberes Wasser hin? Wer kümmert sich?

Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) will sich auf Bundesebene dafür einsetzen, dass Schlupflöcher für Tiertransporte in bestimmte Drittländer geschlossen werden. Na toll, Herr Glauber, dann schaun wir mal, wie viele Jahre das dauern wird und ich bin wirklich neugierig, wie sich Österreich in den Entscheidungsprozessen verhalten wird. Ich habe da heute schon mal eine Ahnung.

Dem VGH mache ich zum Vorwurf, dass es mutiger und entschlossener zugunsten dieser 32 Kalbinnen hätte Recht sprechen müssen. Aber abducken und juristische Auslegungsfeinheiten zu bemühen, anstatt sich ausschließlich für das Tierwohl auszusprechen, finde ich persönlich sehr beschämend.

Und zum Abschluss: Wie steht es um die Ethik des Miesbacher Zuchtverbandes? Man kann sich alles schön reden. Ein Tipp zum Schluss: Gehen Sie mal auf die Website des Miesbacher Zuchtverbandes, oberbayerische Idylle pur.

Cornelia Dahms

Rosenheim

Wann hört der Wahnsinn mit Tiertransporten über Tausende von Kilometern auf? Von Miesbach bis Budapest in Ungarn sind es circa. 650 Kilometer oder circa 6,5 Stunden Fahrzeit. Angenommen der Transport geht nach der Quarantäne in Ungarn weiter an die Westgrenze von Kasachstan, dann sind es noch einmal circa. 2785 Kilometer oder zwei bis drei Tage, die die trächtigen Kalbinnen in den Lkws ausharren müssen.

Bereits 2017 gab es Medienberichte über „eklatante Missstände bei Tiertransporten in Länder außerhalb der EU“. Wie aus ihrer Presseinformation Nr. 20/2017 vom 23. November 2017 zu entnehmen ist, hatte die Bundestierärztekammer (BTK) bereits damals „die EU, die Bundesregierung und die Länder aufgefordert, unverzüglich die Abfertigung von Tiertransporten in Drittländer bis auf Weiteres zu untersagen.“

„Mit dem Argument, dass die Vorgänge in Drittländern außerhalb unseres Einflussbereichs liegen, darf sich niemand herausreden“, appellierte Dr. Uwe Tiedemann, Präsident der BTK. „Wir fordern alle Beteiligten auf, ihren Teil der Verantwortung für den Tierschutz zu übernehmen und alles in ihrer Macht stehende zu tun, um das Leiden der Tiere zu verhindern. Wir dürfen unsere Augen nicht verschließen!“

2021 ist in Sachen Tiertransport in Drittländer noch immer nichts passiert. Die Richter des Verwaltungsgerichtshofes haben die Augen verschlossen, mit ihrem Urteil die Bedenken der Amtstierärzte weggewischt und deren Arbeit in Frage gestellt. Letztendlich haben die Richter ihren Teil der Verantwortung für das Wohlergehen der Tiere nicht übernommen. Stattdessen haben sie einen Präzedenzfall geschaffen, der künftig weidlich ausgenützt werden könnte. Das Schicksal der Tiere interessiert weiterhin niemanden.

Christine Zeuß

Bruckmühl

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