Wo lagert der Atommüll am sichersten?

Diese gelben Fässer für Atommüll stehen im Endlager für schwach und mittelradioaktiven Atommüll in Morsleben. Die Debatte um die Suche nach einem Endlager für die endgültige Entsorgung von Deutschlands Atommüll hat mit dem Zwischenbericht der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) neue Fahrt aufgenommen.
+
Diese gelben Fässer für Atommüll stehen im Endlager für schwach und mittelradioaktiven Atommüll in Morsleben. Die Debatte um die Suche nach einem Endlager für die endgültige Entsorgung von Deutschlands Atommüll hat mit dem Zwischenbericht der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) neue Fahrt aufgenommen.

Zur Berichterstattung über die Suche nach einem Endlager für Atommüll (Politik/Regionalteil/Lokales):

Interessant, dass sich ein Bürgermeister der CSU gegen ein Endlager in seiner Gemeinde ausspricht und mit welch kurzsichtiger Perspektive argumentiert wird. Offensichtlich hat die große Mehrheit der Menschen noch immer nicht verstanden, was wir in den letzten 60 Jahren hier verbrochen haben.

Ein Endlager soll gemäß jetzigen Vorgaben eine Million Jahre bestehen. Glaubt wirklich jemand, dass es die künftigen Generationen interessieren wird, ob es da, wo jetzt Dorfen oder welcher mögliche Standort auch immer steht, derzeit viel Landwirtschaft gibt? Man sollte tatsächlich jedem, der in der Vergangenheit für Atomkraft gestimmt beziehungsweise entsprechende Parteien gewählt hat, eins der gelben Fässer in den Keller stellen. Dann können die Enkel und Urenkel in die tausendste Generation in schönster Familientradition weitererzählen, was sich die Vorfahren einst dabei gedacht haben, diesen höchst gefährlichen Unsinn zu produzieren. Mehr als „Wir waren vollkommen verrückt“ wird es leider kaum sein.

Zusätzlich bin ich gespannt, welchen Standort die AfD als die einzige Partei, die derzeit noch Atomkraft propagiert, vorschlägt. Vermutlich eine Alternative für Deutschland im minderwertigen Ausland.

Martin Obermeyer

Rosenheim

Es ist schon bemerkenswert, wie ohne mit der Wimper zu zucken, die Politiker von der Sicherheit für eine Million Jahre schwadronieren. Vielleicht sollten alle einmal darüber nachdenken, was sich in der vergangenen Jahrmillion auf dem Planeten alles ereignet hat. Die Mär von der neutralen Standortsuche soll verschleiern, was offenbar längst beschlossen ist. Dass man den Atommüll am liebsten bei den bayerischen „Seppeln“ abladen möchte.

Sollte das stattfinden, würde der Empörungssturm die heute in Bayern regierenden Politiker restlos hinwegfegen. Warum macht man keine Volksabstimmung? Dann wüssten die sogenannten Volksvertreter, was die Vertretenen vom Endlager im Chiemgau oder in Altötting halten.

Richard J. Herler

Rosenheim/Bad Homburg

Man kann nur hoffen, dass der radioaktive Müll am Ende dort eingelagert wird, wo er nach bestem geologischem Wissen für Millionen von Jahren am sichersten bleibt. Und nicht etwa dort, wo das „Not in my backyard“-Geschrei am wenigsten laut ist. Gerade der Freistaat Bayern, der in den letzten Jahrzehnten zu den größten Atommüllproduzenten unter den deutschen Bundesländern gehörte, sollte sich hüten, hier nach dem St.-Florians-Prinzip vorzugehen und die Forschungsergebnisse der Geologen vorwegzunehmen. Wenn eine Region in Bayern am sichersten sein sollte, dann wäre es eben so.

Ferdinand Hinke

Bernau

Wer als Bürger nicht alternativlos und damit nicht wissenschafts- und fortschrittsfeindlich denkt, fragt sich schon, ob der abrupte Atomausstieg mit der Folge einer teuren totalen grünen Ideologie richtig war statt die Entwicklung neuester Reaktoren einzuplanen. Sind andere Länder denn so unwissend oder leichtsinnig?

Natürlich sind die thermischen (langsamen) Atomreaktoren mit festen Brennstäben eine gefährliche Altlast, aber der neu entwickelte schnelle Dual-Fluid-Reaktor hat das Problem der Brennstäbe unter anderem nicht; er kann sogar den wenig abgebrannten Brennstoff anderer Reaktoren verwenden. Ich möchte nicht „schlaubergern“, aber ein ehrliches Streiten über Energieversorgung als Grundlage der Industrie erscheint mir dringend.

Hans-Jürgen Ehlers

Rosenheim

Zweifel kommen bezüglich der Kompetenz der „Bundesgesellschaft für Endlagerung“ der Bundesregierung auf, wenn ich mich an das für uns alle sehr deutlich spürbare Erdbeben im Friaul von 1976 erinnere. Alle meine Mitschüler am Finsterwalder-Gymnasium waren tief betroffen und tief beeindruckt von der starken, subjektiv und unabhängig von allen (somit objektiv) wahrgenommenen Stärke der Erdbewegungen überall im Landkreis Rosenheim. Wir bauten daraufhin sogar einen einfachen Seismografen in unserem Klassenzimmer. Professor Sebastian Finsterwalder, unser Namenspatron, war ja ein höchstkompetenter Geometer und Geologe.

Angesichts der objektiven Erdbebengefährdung des Raumes Rosenheim erachte ich ein Atom-Endlager in der Rosenheimer Region für völlig unwissenschaftlich. Ja, wir sollten uns die Frage stellen, wie angesichts solcher Unwissenschaftlichkeit der „Bundesgesellschaft für Endlagerung“ im „Zwischenbericht Teilgebiete“ eine solche Einschätzung zustande kommt? Liegen hier manipulative Absichten vor? Möchte man Distraktoren einschalten, um Bürgerinteressen zu manipulieren? Hier gibt es noch viel zu erörtern. Man erinnere sich daran, dass unser Hausberg „Hochries“ geologisch als der nördlichste Ausläufer der Afrikanischen Platte (Adriatischer Sporn) betrachtet werden kann.

Man beachte auch, dass das Erdbeben von 1976 einen dokumentierten, strukturähnlichen Vorläufer im Jahre 1348 hatte, und erinnere sich an die Erbeben in Oberitalien ab 2012, die auch in Rosenheim nachgewiesen werden konnten.

Dr. Stefan Geier

Stephanskirchen

Kommentare