Wirecard ein Spiegelbild der Finanzkrise

Am Ende müssen die Steuerzahler und die Beschäftigten die Rechnung für den Wirecard-Skandal bezahlen – sagen unsere Leser.
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Am Ende müssen die Steuerzahler und die Beschäftigten die Rechnung für den Wirecard-Skandal bezahlen – sagen unsere Leser.

Zur Berichterstattung über den Wirecard-Skandal (Wirtschaft):

Man fühlt sich veranlasst, wieder die alte Leier anzustimmen: „Wenn das Kind erst einmal in den Brunnen gefallen ist...“. Ich vergönne den Wirecard-Beschäftigten, die unverschuldet mit den Auswirkungen dieses Skandals zu kämpfen haben, jede Unterstützung und Hilfestellung. Die Gewerkschaft verdi wird sich auch für die Interessen der Beschäftigten einsetzen. Beklagenswert ist allerdings, dass gerade bei jungen Unternehmen der Finanztechnologie und bei den sogenannten „Start-up-Firmen“ die Beschäftigten oft die Auffassung vertreten, Betriebsrat und Gewerkschaften seien für die Wahrnehmung ihrer Interessen entbehrlich und überflüssig. Was für eine fatale Einstellung, wie neben Wirecard noch viele Beispiele aus der Gegenwart und Vergangenheit aufzeigen.

Empirische Untersuchungen belegen eindeutig, dass Unternehmen mit funktionierenden Betriebsräten produktiver und innovativer sind als Firmen ohne betriebliche Mitbestimmung. Von einer vertrauensvollen Kooperation zwischen Unternehmensleitung und Betriebsräten profitieren beide Seiten. Angesichts der angesprochenen Probleme zolle ich den zahlreichen Gewerkschaftsmitgliedern Dank und Anerkennung, die auch noch im Ruhestand mit ihren Beiträgen mithelfen, dass die aktiven Beschäftigten mit Hilfe der Gewerkschaften ihre Interessen wahrnehmen können. Jahrzehntelange Treue auch über die aktive Zeit hinaus sind keine Seltenheit!

Gert Hilger

Waldkraiburg

Die Financial Times berichtete seit 2015 über Unregelmäßigkeiten bei Wirecard. Die Wirtschaftsprüfer von E&Y bescheinigten jedoch seit 2009 eine korrekte Bilanz. Nun ist ein Scherbenhaufen in Milliarden-Höhe vorhanden. Genau das gab es schon bei der Finanzkrise: Firmen mit guten Bilanzen taumelten schnell, obwohl sie auf dem Papier sehr stabil aussahen.

Die vier Wirtschaftsprüfungs-Konzerne E&Y, Deloitte, KPMG und PwC beherrschen den Markt. Fast jedes multinationale Unternehmen wird von ihnen geprüft. Sie verdienen auch viel Geld mit dem Beraten von Firmen, die sie prüfen. Wie soll eine konsequente Prüfung stattfinden, wenn ein Kunde mit einem lukrativen Beratungsvertrag locken kann?

2008 begann deshalb EU-Kommissar Barnier mit Regulierungs-Maßnahmen. Daraufhin gab es einen massiven Lobby-Einsatz. Die Bundesregierung verwässerte das Gesetz. So ist beispielsweise die Haftung bei fahrlässiger Pflichtverletzung in der Wirtschaftsprüfung auf 4 Millionen Euro begrenzt. Hebammen dagegen haften unbegrenzt.

Ex-Minister zu Guttenberg hatte 2019 ein Gespräch mit der Kanzlerin, damit sie Wirecard in China unterstützte. Bestimmte Lobbyisten haben also bei der Bundesregierung Zugang zu den höchsten Ebenen. Im Beirat bei Deloitte sitzen ehemalige Politiker: Neben Otto Schily und Rezzo Schlauch nun auch Sigmar Gabriel, geleitet von Edmund Stoiber. Diese Politiker sind wirtschaftlich schon bestens versorgt. Warum müssen sie sich für die Bevorzugung bestimmter Firmen einsetzen, wofür wir B��rger am Ende die Rechnung bezahlen müssen?

Jürgen Böhm

Kolbermoor

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