Willkommenskultur ist Herzenssache

9. November 1989 in Berlin:Menschen klettern am späten Abend auf die Berliner Mauer am Brandenburger Tor. dpa
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9. November 1989 in Berlin:Menschen klettern am späten Abend auf die Berliner Mauer am Brandenburger Tor. dpa

Zur Berichterstattung über„30 Jahre Mauerfall“:

Mauern müssen fallen, damit wir zueinanderkommen und zueinanderfinden. Wo Mauern stehen, da verlieren wir uns aus den Augen. Wir sehen nicht mehr die Tränen der Sehnsucht derer, die dahinter stehen, spüren nicht mehr das brennende Verlangen, einander näherzukommen. Vorurteile sind solche Mauern, die uns da ran hindern, dem anderen unsere Bereitschaft des Entgegenkommens zu zeigen. Deshalb tun wir gut daran, 30 Jahre nach dem Fall der Mauer aus Stein, nun auch all die Steine wegzuräumen, die wir – im doppelten Sinne des Wortes – „aufgehoben“ haben, um sie auf alle Eindringlinge zu werfen.

Lassen wir sie fallen, die Steine, und reißen wir sie ein, die Mauern der Vorurteile! Räumen wir sie weg, die „Steine“, die andere verletzen und uns selbst zu Fall bringen können. Die Steine, die wir denen hinter der Mauer noch in den Weg legen, können so Bausteine für ein „Haus der Begegnung“ werden. Den Bauplan tragen wir im Herzen und die Architekten dieses Hauses sind wir selbst. Die „alten Steine“ im neuen Haus der Begegnung können uns demütig stimmen in dem Wissen, dass sie einmal das Trennende waren und nun bergende Wände bilden, in denen sich alle wohlfühlen können. Öffnen wir unser Herz für alle, die hinter den Mauern unserer Vorurteile auf unser Entgegenkommen warten. Fürchten wir uns nicht vor dem Fremden, das uns in den Fremden begegnet. Erst in der herzlichen, wohlwollenden Begegnung können aus Fremden Freunde werden. Haben wir keine Angst und wagen wir den Blick über die „Mauer“, die uns von denen trennt, die auf ein Zeichen der Freundschaft warten. Willkommenskultur ist Herzenssache! Mit der Liebe im Herzen springen wir über Mauern! Vertrauen wir der Kraft des Herzens, die auch diese unsichtbaren Mauern in den Köpfen zu Fall bringen kann. Und das wünsche ich uns allen am Gedenktag des Mauerfalls.

Hans-Josef Schmitz

Reit im Winkl

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