Wettbewerb der Argumente

Zum Kommentar „Twitter sperrt Trump: Kein Anlass für Häme“ von Christian Deutschländer (Politikteil):

„Firmenzentralen entscheiden ohne demokratische Kontrolle, was noch zu lesen ist, was gelöscht wird“, schreibt Christian Deutschländer zum Verhalten der großen Social-Media-Plattformen. Dem kann man nur zustimmen. Weiter argumentiert er: „Soziale Netzwerke (…) wurden nur zu lange als rechtsfreie Räume für Hass, Hetze und Desinformation missverstanden, besonders anfällig für jene, die digitale Nachrichtenkompetenz nie gelernt haben.“ Es stimmt, auf Twitter oder YouTube findet man Behauptungen, die einem die Haare zu Berge stehen lassen. Und der Umgangston im Netz ist teilweise katastrophal. Aber was folgt daraus? Die übermächtigen Monopolisten müssen reguliert werden. Nur wie? Sollen wir an die Stelle der von Twitter, Facebook & Co. praktizierten privaten Zensur ein staatliches „Wahrheitsministerium“ setzen, das bestimmt, was zu löschen ist? Dann wäre es mit der Meinungs- und Informationsfreiheit endgültig vorbei.

In der Schule hat man uns beigebracht, dass Demokratie vom Diskurs lebt, vom freien Wettbewerb der Argumente, von denen sich das beste durchsetzt. Ein Ideal, das sicher nicht eins zu eins zu verwirklichen ist. Aber heute wird man schnell zur Unperson erklärt, sobald man vom „Meinungskorridor“, den unser politisches Establishment abgesteckt hat, auch nur einen Zentimeter nach links oder rechts abweicht.

Wenn unsere Demokratie weiter funktionieren soll, müssen wir heraus aus unseren Filterblasen und wieder miteinander reden. Das gilt auch und gerade für den „Mainstream“. Wir müssen sogar Meinungen aushalten, die die politische und wirtschaftliche Welt infrage stellen, in der sich manche so bequem eingerichtet haben.

Bernhard Edlmann

Raubling

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