Weiter Aufregung um Draghi-Auszeichnung

Verdient? Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (links) verleiht das Bundesverdienstkreuz an den ehemaligen Präsidenten der Europäischen Zentralbank Mario Draghi. dpa
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Verdient? Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (links) verleiht das Bundesverdienstkreuz an den ehemaligen Präsidenten der Europäischen Zentralbank Mario Draghi. dpa

Zum Artikel „Verdienstorden für Mario Draghi“ (Politikteil):

Sollte sich von den Politikern in Berlin, die für die Verleihung des deutschen Bundesverdienstkreuzes an Herrn Draghi verantwortlich zeichnen, demnächst jemand darüber wundern, dass die Politikverdrossenheit der Bundesbürger weiter zunimmt, dann sollte er sich in Behandlung eines Arztes begeben, der etwas von Schizophrenie versteht.

Dr. Klaus Carsten

Bernau

Unser Bundespräsident ist schon lange neben der Spur. Anders ist es nicht zu erklären, dass er sich von einer Figur wie Herrn Maas vorschreiben lässt, wer das Bundesverdienstkreuz bekommt.

Ludwig Reindl

Mühldorf

Da hat der mehr als farblose Außenminister Heiko Maas nichts Besseres zu tun, als den früheren EZB-Chef Mario Draghi zum Bundesverdienstkreuz vorzuschlagen. Geht’s noch! Draghi hat die ihm übertragene Aufgabe erledigt, für ein stattliches Salär, mit zweifelhaftem Erfolg. Wenn das den Kriterien für ein Bundesverdienstkreuz genügt, kämen tausende Arbeitnehmer in Frage, die ihren Job hervorragend erledigen. Bei Draghi fühlt man zudem Grimm aufsteigen, wo er doch mitverantwortlich ist für Null- und Minuszinsen. Deutschen Sparern sind dafür Milliarden an Guthabenzinsen entgangen. Auch viele Systeme zur Alterssicherung und private Vorsorgen sind entwertet. Und dann die Anleihen-Käufe. Die Deutschen wollten nie für die Schulden anderer EU-Mitglieder aufkommen müssen und glaubten, sich davor durch Klauseln in den europäischen Verträgen sicher. Das hat Draghi mit dem gigantischen Kauf von Anleihen unterlaufen. Das wäre noch hinzunehmen, wenn Draghi Erfolg gehabt hätte. Leider sind alle diese Maßnahmen verpufft. Weder wurde das Inflationsziel erreicht, noch ist die Konjunktur in Europa besonders kräftig angesprungen. Statt dessen haben sich Preisblasen gebildet. Kapital aus aller Welt drängt nun mangels Verzinsungsalternativen in den deutschen Mietmarkt, wo es sich die Renditen von den Mietern holt. Was kann man als Draghis Verdienst festmachen? Ist es der niedrige Außenwert des Euro, der Exporte begünstigte, aber einen weltweiten Niedrig-Wettlauf der Währungen auslöste und manche Staatenlenker zu Schutzzöllen animierte? Oder hat er etwa den Euro gerettet? Wohl nicht. Wahrscheinlich hat er nur kurz Zeit gewonnen. Zudem soll es Staaten geben, denen es auch ohne Euro prächtig geht. Es bleibt ihm das Lob aus Südeuropa, wo er einigen Staaten mit den niedrigen Zinsen das Überleben sicherte. Dort kann er sich Verdienstorden abholen.

Norbert Vogel

Schechen

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