Weishamer Kapelle als Ort gelebten Glaubens

Zum Leserbrief "Schandfleck" von Erich Huber:

Nachdem ein Bernauer Bürger die Kapelle als "Schandfleck" bezeichnet hat, würde ich gerne klar stellen, dass sie traditionellerweise zum 1. Mai gesäubert wird. Die Bewohner des Dorfes betrachten ihre Kapelle nicht so sehr als Denkmal und Touristenattraktion, sondern als einen Ort gelebten Glaubens: Die im Vorraum stehenden Stühle warten keineswegs auf eine "Entrümpelungsaktion", sondern auf die - teils schon etwas älteren und auf Sitzplätze angewiesenen - Weishamer, die im Marienmonat Mai jeweils am Montag- und Donnerstagabend zusammenkommen, um in der mit Kerzen und Blumen geschmückten Kapelle den Rosenkranz zu beten. Den Rest des Jahres spielen die Kinder im Vorraum gerne "Messe" oder "Maiandacht". Auch das ist Tradition: Da die meisten alteingesessenen Weishamer als Kinder selbst dort gespielt haben, verspürt niemand die Notwendigkeit, den heutigen Nachwuchs daran zu hindern. Dass die Kapelle von der Dorfjugend nicht immer ganz ordentlich hinterlassen wird, stört in Weisham niemanden - ebenso wenig wie die Tatsache, dass Wind und Wetter durch den offenen Vorraum tagtäglich für Nachschub an Laub oder Blütenstaub sorgen. Auch Wilhelm Georg Maxon, der selbst eine Weile Weishamer war und das Dorfleben schätzte, dürfte sich daran nicht gestört haben. Jedem Bürger, egal, ob aus Weisham stammend oder nicht, steht es frei, im Mai mit zu beten und rund ums Jahr aktiv zur Pflege der Kapelle beizutragen.

Birgit Moosmüller

Bernau

Wer sich unter der Maxonkapelle einen Barockbau vorstellt, irrt. Man muss diese Kapelle mit den richtigen Augen sehen. Über gepflegte Treppen kommt man vorbei an der mit viel Liebe gestalteten Außenanlage zum sauberen Vorraum - Gott sei Dank ohne geschleckten Marmorboden. Das angerostete Gitter, das zeigt, dass nichts für die Ewigkeit geschaffen ist, wird in nächster Zeit neu gestrichen, damit kein "Schandfleck" mehr vorhanden ist. Der früher unbestuhlte, äußerst gepflegte Innenraum hat seinen besonderen Reiz durch die bunt durcheinandergewürfelten Stühle aus Sperrmüllbeständen, die anregen zum Nachdenken über unsere Wegwerfgesellschaft. Die Kapelle zeigt einen wunderschönen lebendigen Volksglauben. Wenn sie endlich unter Denkmalschutz gestellt ist, wird sicher auch der Freskenzyklus aufgefrischt, was zu einer erheblichen Belebung des Gesamtkunstwerks beiträgt.

Hans-Joachim Feiner

Stephanskirchen

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