Waschen ohne Maschine

Zu „Echte Heldinnen in den 50er-Jahren“ (Leserbrief von Irene Ullrich):

Bei der Lektüre des Leserbriefes kam mir als Mutter von 1952 geborenen Zwillingen Folgendes in den Sinn: Täglich mussten die – je nach Fütterung mit Spinat oder Karottenbrei – sehr bunten Stoffwindeln (es gab ja noch keine „Pampers“) in einem riesigen Einwecktopf oder auf dem Kohleherd ausgekocht werden. Nach dem eiskalten Spülen wurden sie entweder auf einer Leine über dem Herd oder auf dem im Winter eisigen Balkon aufgehängt.

Drei Jahre später, nach erneutem Familienzuwachs, in ein Mehrfamilienhaus umgezogen, erinnere ich mich an den alle vier Wochen zugeteilten Waschtag für die „große Wäsche“! Das bedeutete um 5 Uhr aufstehen und in der Gemeinschaftswaschküche den Kessel anheizen, damit um 7 Uhr die Wäsche kochte. Die weißen Bettüberzüge und Leinenbetttücher wurden auf dem Waschtisch mit der Bürste geschrubbt oder mit dem Waschbrett bearbeitet.

Nach dem kalten Spülen musste der schwere Wäschekorb vom Keller vier Stockwerke hoch in den Speicher geschleppt und dort aufgehängt werden. Im Sommer auch mal hinter dem Haus auf einer aufgespannten Leine. Danach folgte das Bügeln der noch nicht „bügelfreien“ Bettwäsche. Eine „Zugehfrau“ gab’s nicht.

Damals gab es noch keinen Fernseher. Am Abend freute man sich über Neuerscheinungen von Siegfried Lenz, Bert Brecht oder Günther Grass. An den Wochenenden lud man sich mit Freunden gegenseitig ein, um gemeinsam Bach-Schallplatten bei einem Glas Wein anzuhören. Ja, die guten alten Zeiten!

Martha Pfeiffer

Bachmehring

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