Was Zahlen und Grafiken aussagen – und was nicht

Zu den Corona-Zahlen in Stadt und Landkreis Rosenheim (Regionalteil/Bayern):

Keine Frage, die Corona- Pandemie ist eine große Herausforderung für uns alle. Sie zwingt zu Verhaltensänderungen und schränkt das Leben eines jeden Einzelnen ein. Die Politik hat – wohl auf Anraten der Wissenschaft – als wesentliche Maßgröße für die Bedrohung der Gesundheit die Sieben-Tage-Inzidenz festgelegt. Nun wird in den OVB-Beiträgen vom 21. und 28. Oktober der Eindruck erweckt, der Bezug der Infektionszahl einer Woche auf 100 000 Einwohner würde die Stadt Rosenheim mit ihren rund 63 000 Einwohnern benachteiligen gegenüber dem Landkreis mit seinen 261 000 Einwohnern.

Hier liegt ein Missverständnis zugrunde. Der Inzidenzwert ist ein Prozentwert! Der Bezug auf 100 000 Einwohner soll lediglich die sperrigen Kommawerte griffiger gestalten; er hat aber keinen Einfluss auf den Zahlenwert. Die Zahlen, die Herr Weiser zitiert, weisen aus, dass 0,144 Prozent der Menschen im Landkreis in den vergangenen sieben Tagen positiv getestet wurden. Für Rosenheim sind dies 0,217 Prozent. In Bayern sind ab 0,1 Prozent (dunkelrot) weitere Maßnahmen der verantwortlichen Politiker zu treffen.

Hier erscheint die lokale Politik wiederholt zögerlich zu sein. Wie schon beim verspäteten Stopp des Starkbierfestes im Frühjahr (München hatte da längst abgesagt), der späten Absage des Herbstfestes (auch da war München viel schneller) und der sehr kurzfristigen Absage des Mantelsonntags (zwei Tage vor dem Termin) dauert es wieder mit einer Entscheidung zum Christkindl-markt (andere Städte mit geringeren Inzidenzen haben schon entschieden). Sicher ist die Abwägung wirtschaftlicher Interessen gegen die öffentliche Sicherheit und Gesundheit nicht einfach, aber wie unser Ministerpräsident sagt: „Verzögern wird nicht helfen. Verschleppen verschlimmert“.

Manfred Schönhofer

Rosenheim

Im überregionalen Teil der OVB-Ausgabe werden unter der Rubrik „Aktuelle Zahlen zum Coronavirus“ grau unterlegt die Zahlen zu den „Intensivbetten in Deutschland“ abgebildet. Hier führen Sie für Freitag, 6. November, wie folgt auf: „auf Intensivstation“ (2653), „davon beatmet“ (1422), „freie Intensivbetten“ (6894).

Klingt dramatisch? Nein. Denn diese Zahlen des DIVI Intensivregisters kann jeder im Internet selbst nachprüfen. Dabei fällt mir auf: eine interessante Komponente lassen Sie leider weg. Nämlich die „belegten Intensivbetten – kein Covid-19“: das sind ganze 19 065 (!). Nimmt man diese Zahl mit hinzu, bekommt die Grafik eine völlig andere Anmutung. Es liegen in Deutschland also aktuell siebenmal so viele Patienten auf Intensiv aufgrund anderer Ursachen als Covid-19.

Die jetzige Abbildung verzerrt die Realität – weil der mit Abstand größte Teil des „Ganzen“ weggelassen wird. Von einer Statistik sollten schließlich 100 Prozent (alle Intensivbetten) präsentiert werden und nicht nur ein Ausschnitt von 33 Prozent (mit Covid-19 belegte und freie Betten). Die Komponente der „belegten Intensivbetten – kein Covid-19“ sollte künftig mit aufgeführt werden. Optimalerweise in Form einer Tortengrafik, denn das bietet dem Leser eine bessere Möglichkeit der Einordnung als reine Zahlen.

Und es würde in dieser verrückten Zeit dazu beitragen, uns Bürgern etwas die Angst zu nehmen. Wünschenswert wäre außerdem die tägliche Lage der „Intensivbettenbelegung Landkreis Rosenheim“. Diese lautet für jenen Freitag: „frei“ (21), „belegt – kein Covid-19“ (47), „belegt – Covid-19“ (0). Trotz Warnstufe „Rot“ liegt im Landkreis Rosenheim am 6. November also kein einziger Patient mit Covid-19 auf Intensiv.

Inwiefern man in Anbetracht dieser Zahlen von einem „Katastrophenfall“ reden kann, darf jeder für sich selbst entscheiden.

Sarah Klima

Griesstätt

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