Warum kein gemeinsamer Religionsunterricht?

Leserbrief zum Bericht „Halle gedenkt der Terror-Opfer“ (Politik):

Wenn angesichts des Anschlags in Halle unser Bundespräsident wie auch andere tonangebende Politiker von Scham und Schande für unser ganzes Land sprechen, werden damit nicht all diejenigen beleidigt, die sich seit Jahren für Integration und Völkerverbindung einsetzen? Diesbezüglich könnte allerdings noch mehr geschehen, wenn sich unsere Großkirchen mit Vertretern des Islams wie des Judentums endlich auch für einen gemeinsamen religionskundlichen Unterricht an allen Schulen einsetzen würden. Hier könnte man schnell merken, dass Religionen weitgehend gleiche Ziel verfolgen und Vorurteile wie Halbwissen noch immer viel Schaden anrichten. Das würde mehr bringen als vor jeder Synagoge Polizisten zum Schutz aufzustellen.

Wenn gerade der Anschlag am jüdischen Festtag der Versöhnung stattfand, so könnte dies doch auch Anlass sein, mehr die Annäherung zu allen Religionen zu suchen. Könnte hier nicht der Jude Jesus, der primär seine versteinerte Religion reformieren wollte und dabei zu einem Initiator einer neuen Religion und schließlich auch im Islam zu einem großen Propheten wurde, zum weiterführenden Verbindungs- und Versöhnungselement entdeckt werden? Diesbezüglich könnten unsere vom Volk unterstützten öffentlichen Medien mehr leisten, indem sie statt negativer oder mickriger Beiträge wie dem „Wort zum Sonntag“ Räume schaffen für interreligiöse Treffen und Diskussionen. Zumindest könnten so nicht wenige Missverständnisse aus dem Weg geräumt werden.

Noch scheinen Vorverurteilungen und der Geist der Besitzstandswahrung immer noch stärker zu sein. Kein Wunder, wenn so Absicherungen und Feindbilder kaum abnehmen.

Simon Kirschner

Bad Endorf

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