Was vor der Wahl gesagt wurde, muss auch nach der Wahl gelten

Zum Leserbrief von Klaus Bleyl „Respekt muss auch im Landtag von Thüringen Einzug halten“:

Herr Bleyl fordert Respekt vor dem Wahlergebnis in Thüringen ein, weil das Volk als Souverän nun einmal so entschieden habe. Die Parteien hätten das Ergebnis der Wahlen zu respektieren und damit sportlich umzugehen, da es nicht der „Dummheit“ des Souveräns angelastet werden könne. Wenn es auch legitim sei, vor Wahlen Koalitionen mit bestimmten Parteien auszuschließen, müsse man doch danach den Wählerwillen respektieren und deshalb mit allen zusammenarbeiten und meint damit die AfD. Nein Herr Bleyl: Was vor der Wahl gesagt wurde, muss auch nach der Wahl gelten, wenn man glaubwürdig sein will. Zudem muss man genau unterscheiden: Ja, die AfD ist in Thüringen demokratisch gewählt. Das heißt aber nicht, dass es sich bei ihr um eine Partei mit demokratischen Werten handelt, gerade beim thüringischen Spitzenkandidaten Höcke und seinem völkisch-nationalen Flügel sind da mehr als berechtigte Zweifel angebracht. Nach Ihrer Logik hätte man früher auch mit der NPD zusammenarbeiten müssen, als sie in den 60er-Jahren in sieben Länderparlamenten saß oder in den 2000ern in Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern erfolgreich war. Und was sagen Sie dazu, dass die NSDAP im Juli 1932 37,3 Prozent bei den Reichstagswahlen erhielt? Demokratisch gewählt und damit eine demokratische Partei?

Zur Intelligenz des Wählers im Allgemeinen noch dies: Der amerikanische Präsident Trump, der alle negativen Erwartungen übererfüllt hat, hat laut Washington Post bis zum 9. Oktober 2019 13 435 falsche oder irreführende Behauptungen, also Lügen, aufgestellt. Für viele Wähler offensichtlich kein Problem, die Wiederwahl droht. Mit rationalem Denken hat es wenig zu tun.

Bernward Schmidt

Prutting

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