Vom richtigen Umgang mit Corona

An deutschen Flughäfen wurden Testzentren für Urlaubsrückkehrer aus Risikogebieten eingerichtet.
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An deutschen Flughäfen wurden Testzentren für Urlaubsrückkehrer aus Risikogebieten eingerichtet.

Zur Berichterstattung über die Corona-Pandemie (Politikteil):

Wann ist es endlich soweit, dass mutig mit dem Thema Corona umgegangen wird? Viele empfinden schon diese Fragestellung als zynisch, dumm und verantwortungslos. Aber wenn Szenarien der größtmöglichen Sicherheit um sich greifen, verändert sich die Gesellschaft. Und nicht zum Guten. Natürlich werden wir nicht offensiv auf Durchseuchung setzen, aber die Zahlen – ob vom RKI oder von worldometers.info – sollten wir schon in Beziehung setzen. Ständig die blanken Ansteckungszahlen vor Augen zu haben, führt in die Irrationalität. Der Tod gehört zum Leben, aber Bob Dylan sollte nicht Recht bekommen mit dem Satz: „Anstatt leben zu lernen, lernt ihr zu sterben.“

Johann Stahuber

Bad Aibling

Bei unserem kürzlichen Drei-Tages-Aufenthalt in Salo am Gardasee war ich von der Einhaltung der Schutzmaßnahmen sehr beeindruckt: Fiebermessen, Maske, ständiges Desinfizieren der Geländer, des Mobiliars und der Gartenmöbel im Hotel. Im Ort selber haben alle Maske getragen (außer die wenigen Touristen, aber auch nur die ersten fünf Minuten). In den Geschäften wurde überall Desinfek tionsmittel bereit gestellt, zum Teil auch Einmalhandschuhe, und es wurde penibel auf deren Benutzung geachtet. Zurück in Bayern: In den Einzelhandelsgeschäften klappt das wunderbar, in den Discountern weniger. Was ich nicht verstehe: Wieso reagieren viele Menschen so aggressiv, wenn man freundlich beispielsweise um mehr Abstand bittet? Es geht doch um unser aller Gesundheit. Kürzlich habe ich eine Kassiererin freundlich gebeten, doch bei den Kunden darauf zu achten, dass diese auch – wie auf einem Plakat vorgeschrieben – einen Einkaufswagen benutzen. Sie hat sehr ungehalten reagiert, sie habe schließlich noch anderes zu tun. Eine weibliche Person, ebenfalls ohne Einkaufswagen, schob mich beiseite: „Jetzt langt’s mir mit Ihnen, ich hab’s eilig!“ Mir ist es gelungen, nur mit „Corona ist noch nicht vorbei“, zu antworten. Die Fallzahlen steigen, in der Presse wird gewarnt und auf die Einhaltung der Schutzmaßnahmen hingewiesen, aber ich befürchte, es braucht einen erneuten Lockdown.

Cornelia Soffel

Großkarolinenfeld

„Mehr Tests, mehr Infizierte?“ So lautet die Überschrift in den OVB-Heimatzeitungen, und Kritiker der Tests bejahen die Frage. Aber wie hat es angefangen? Hat der Gesundheitsstaat zuerst die Anzahl der Tests erhöht, etwa auch symptomfreie Menschen einbezogen und damit höhere Fallzahlen erzeugt, oder sind zuerst mehr Erkrankte/Infizierte in den Praxen vorstellig geworden? Am Anfang standen meines Erachtens die vermehrten Tests, denn nicht jeder Infizierte wird bei ersten Anzeichen gleich an Corona denken und den Arzt aufsuchen. Nachdem es zudem bei leichteren Fällen keine richtige Therapie gegen Corona gibt und der Schutz der Mitbürger für vorrangig erklärt wird, wählt ein verantwortungsbewusster Mensch freiwillig die Kontaktbeschränkung, bis hin zur häuslichen Quarantäne. Wer außerdem konsequent die Maske trägt, kann darauf vertrauen, dass von ihm nur geringe Gefahr für andere ausgeht. So erklären uns das die Experten. Die politisch Verantwortlichen können also mit den Tests die Zahl der Infizierten beeinflussen. Das ist nicht vorrangiges Ziel, wird aber möglicherweise gerne mitgenommen, um unter Hinweis auf steigende Zahlen weiter den Druck aufrechterhalten zu können. Hoffentlich wird dabei bedacht, dass jede Verunsicherung die Wirtschaft beeinträchtigt. Betrachtet man einmal die RKI-Fallzahlen der letzten sieben Tage, liegt Bayern mit Nordrhein-Westfalen deutlich über dem Bundes-Durchschnitt, und das trotz deutlich zögerlicher Lockerungen und ohne besonderen Ischgl-Effekt. Sind die Maßnahmen vielleicht doch nicht so effektiv?

Norbert Vogel

Schechen

Der mediale Umgang mit Corona scheint einzig da rauf angelegt zu sein, das Angstszenario aufrecht zu erhalten und Hysterie zu schüren. Wo finden sich kritische Stellungnahmen zur geplanten Pflichttestung, zum Datenschutz, zu den Einschnitten in persönliche Rechte, zu der Fokussierung auf einen Impfstoff, obwohl belegt ist, dass die Antikörper wieder verschwinden? Es geht nicht darum, die Krankheit bei schwerem Verlauf zu verharmlosen. Umgekehrt ist aber nicht jeder Infizierte ein „Todgeweihter“. Wir als Gesellschaft haben größtenteils schon gelernt, dem anderen im täglichen Umgang mit mehr Respekt zu begegnen, Abstand zu halten und sich zu verständigen, ob ein Händeschütteln oder Umarmung in Ordnung ist. Wir sind soziale Menschen und sollten dies auch weiterhin bleiben und bleiben dürfen! Wir dürfen nicht das Leben opfern, nur um den Tod, der uns alle in irgendeiner Form irgendwann ereilen wird, zu verzögern. Dann wird das Leben nicht mehr lebenswert. Die absolutistische Aussage der Politik, dass die Gesundheit für die Bevölkerung über allem stehe, kann nur in eine absolutistische Politik führen. Dem ist entgegenzuwirken! Jeder muss für sich entscheiden, was für ihn vertretbar ist und zeitgleich darauf achten, was die eigene Entscheidung für sein Umfeld bedeutet und ob dies für das Umfeld zumutbar ist. Dann können wir alle entspannter und mit weniger Einschränkungen mit der Krankheit umgehen. Lernen wir wieder mehr Selbstverantwortung und Respekt voreinander. Respekt ist aber keine Einbahnstraße und kein Synonym für die Richtigkeit der eigenen Meinung. Respektieren wir Menschen, die ängstlich sind, aber auch Menschen, die diese Ängstlichkeit nicht teilen. Jeder trägt sein eigenes Lebensrisiko das ihm niemand, schon gar nicht die Politik, abnehmen kann.

Raimund Mann

Bad Aibling

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