Völkermord an den Armeniern wiederholt sich aufs Neue

Zur Berichterstattung über den Krieg zwischen Armenien und Aserbaidschan (Politik):

Es war in den Jahren 1915 bis 1918, als die Großtante meiner Frau im türkischen Völkermord an den Armeniern starb. Das Deutsche Reich, dessen Rechtsnachfolger die Bundesrepublik ist, schaute tatenlos zu. Zudem gewährte Deutschland später einigen Hauptverantwortlichen an dem Genozid Asyl und Schutz vor der Strafverfolgung.

Jetzt, im Jahr 2020, wiederholen sich die Ereignisse. Die Täter sind fast die gleichen wie damals. Die Türkei, Aserbaidschan und sogenannte Gotteskrieger. Verzweifelte Armenier zünden gerade ihre eigenen Häuser an, welche sie aufgrund des Abkommens von Russland, Aserbaidschan und Armenien verlassen und den Siegern übergeben müssen. Mitten in der Corona-Pandemie, zu Beginn des Winters.

„Ethnische Säuberung“ ist hier das Stichwort. Und der ganze Westen schaut weg. Als hätte das seit Ende der Sowjetunion völlig verarmte Armenien keine anderen Probleme. Als ich 2014 in Jerewan war, gab es dort in den Hochhäusern bereits seit 20 Jahren kein warmes Wasser mehr. Der Strom fiel auch in der Hauptstadt täglich aus. Viele Menschen wissen zudem noch immer nicht, ob ihre Ehemänner, Väter, Söhne oder Brüder noch leben oder ob sie zu den Tausenden Gefallenen gehören.

Christian Schröder

Rosenheim

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