Die vielen Folgen der Pandemie

Masken als Schutzgegen eine Ansteckung mit dem Coronavirus zu tragen, ist in Deutschland nicht verpflichtend. Aber immer mehr Menschen in der Region tun es. Und auch Leserbriefschreiber denken über diese Frage nach. DPA
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Masken als Schutzgegen eine Ansteckung mit dem Coronavirus zu tragen, ist in Deutschland nicht verpflichtend. Aber immer mehr Menschen in der Region tun es. Und auch Leserbriefschreiber denken über diese Frage nach. DPA

Zur Berichterstattung über den Coronavirus (Titelseite, Politik- und Bayernteil):

Uneingeschränkte Zustimmung zu den Solidaritätsforderungen! Aber was sollen Formulierungen wie „die Politik… schickt eine ganze Volkswirtschaft in einen staatlich verordneten Crash, macht Millionen Menschen arbeitslos, vernichtet hunderttausend Existenzen“ und „es geht wohl nicht anders, weil es zehntausende Leben zu retten gilt“? Vordergründig schreibt der Verfasser über Solidarität. Gleichzeitig transportiert er die Meinung, „die da oben“ haben uns das aus Jux und Tollerei auferlegt oder gar mit der bösen Absicht, die Wirtschaft zu ruinieren (Letzteres erinnert fatal an Verschwörungstheorien). Hat Herr Anastasiadis noch nicht kapiert, dass die nicht nur in Deutschland ergriffenen Maßnahmen wirklich erforderlich sind, um die Verbreitung des Virus einzudämmen und ja: um Menschenleben zu retten? Dafür ist er sicher zu intelligent!

Bietet er andere Lösungen an? Nein. Dann bleibt nur das Abwägen der Wirtschaft gegen das Leben von Menschen. Soll hier etwa dieser Gedanke den Leuten nahegebracht werden? Bei allem Verständnis für die Situa tion der Wirtschaft mit den Folgen für unseren Lebensstandard: Es helfen uns weder Populisten noch das Wunschdenken von Interessengruppen weiter.

Das Virus hat uns die Natur beschert. Deshalb sollten wir auf die hören, die etwas davon verstehen und deren Empfehlungen strikt befolgen: Ärzte und Naturwissenschaftler weltweit.

Kommentare wie der von Herrn Anastasiadis leisten aber jenen Vorschub, die meinen, für sie gelten die Regeln nicht (siehe „Ausflügler in den Bergen: Als gäbe es keine Corona-Krise“). Und noch eins: Kein großes Unternehmen wird den Maßnahmen der Regierung zugestimmt haben, wäre es nicht von deren Notwendigkeit überzeugt – denn das wäre gegen alles Gewinnstreben!

Rainer Ostermann

Prutting

Zum Thema Corona möchte ich gerne anmerken: Bisher war es in unserem Lande üblich, dass die Wirtschaft mit, wenn nicht ganz an vorderster Stelle stand. Hing doch das materielle Wohlbefinden aller Bürger davon ab. Nun finde ich es doch erstaunlich, wie leicht es vonstattengeht, die Wirtschaft total abzuwürgen. Dass wir somit in einer Rezession enden ist inzwischen ebenso bekannt, wie die Tatsache, dass sehr viele Bürger dabei auf der Strecke bleiben und sich davon nicht mehr erholen werden.

Wieviel Krankheit und Leid das wohl noch verursachen wird? Sachlage ist, dass das Durchschnittsalter der an Corona Verstorbenen bei Männern 81 Jahre und bei Frauen 84 Jahre beträgt, Die meisten davon waren mit gravierenden Vorerkrankungen belastet. 80 Prozent der Infizierten haben leichte oder gar keine Symptome.

Ich glaube der Politik schlicht nicht, dass sie wegen dieser gefährdeten Bevölkerungsgruppe die gesamte Wirtschaft an die Wand fährt, was sie ja aber gerade tut. Ich frage mich hierbei aber nun, ob wir nicht ohnehin kurz davor waren „an die Wand zu fahren“ und nun dieses Szenario genutzt wird, um von ihrem wirtschaftlichen Versagen abzulenken? Manche nun in die Welt gesetzten Verbote sind reichlich hysterisch und übertrieben. Ich bin selbst in einem gewissen Alter und würde gerne mein Immunsystem stabil halten, was mit diesem Rundumschlag absolut erschwert wird – kein Sport, keine sozialen Kontakte, etc. Dafür nun Panik von früh bis spät! Wer sich doch so gefährdet fühlt, kann doch für sich selbst entscheiden sich absolut abzuschotten!

Irene Rieder

Grasbrunn

Wir schreiben Sonntag, den 15. März 2020. Die letzte Gondel der Hintertuxer Gletscherbahn schwebt ins Tal. Nun ist Schluss! Noch gestern skandierten meine Reiseteilnehmer beim Après-Ski, im Hexenkessel das Lied „ Tux-Tux-Hintertux“.

Nach dem dringenden Rat von Gesundheitsminister Jens Spahn soll sich ab sofort jeder, der aus den frisch ernannten Corona-Krisengebieten Italien, Südtirol und Tirol nach Deutschland einreist, sofort in 14-tägige, häusliche Quarantäne begeben. Der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz lässt die Skigebiete Ischgl und St. Anton am Arlberg abriegeln und unter Quarantäne stellen.

Da Geld die Welt regiert und so mancher Hotelier und die Betreiber der Bergbahnen wegen Gier oder angespannter Wirtschaftslage Geschäft vor Gesundheit stellten, kam es so weit. Schuld ist erst mal niemand.

Ich persönlich gelte nun, nachdem ich als Skiguide in Krisengebieten einschließlich Schweden Zeit verbracht habe, als biologische Waffe. Natürlich will ich mich gleich testen lassen. Wer keine Symptome zeigt oder nicht als Direktkontakt mit einem Infizierten gemeldet ist, hat dazu keine Chance. „Social Distancing“ heißt die neue Devise. Körperliche Nähe wird nun durch geistige Nähe ersetzt. Ein Zusammenhalt der EU-Staaten ist auch trotz drastischer Zahlen von Toten und Infizierten in Italien und Spanien marginal. Vor drei Wochen schien die Welt noch relativ sorglos. Der französische Präsident Macron sprach es aus: Wir befinden uns im Krieg und unser Gegner ist unsichtbar. Aber bitte keine Panik! Ich bin als Reiseleiter nun erst mal arbeitslos. Da aber jede Krise auch Chancen birgt, warte ich im Homeoffice entspannt ab! Der Wachoffizier der Titanic entdeckte den Eisberg leider zu spät. Ihr Bremsweg war leider zu lang. Ich hoffe, dass für uns der Bremsweg gerade noch reichen wird!

Bernd Schuster

Brannenburg

Es ist leider bezeichnend für die Doppelmoral der Bayerischen Landesregierung, auf der einen Seite sich als berechtigter Vorreiter in Sachen Maßnahmen zum Eindämmen der Verbreitung des Virus zu brüsten, gleichzeitig aber die „Wichtigkeit“ der landeseigenen Kommunalwahl höher zu hängen, als den Schutz der betroffenen Bürger. In diesem Fall der Wahlhelferinnen und Wahlhelfer. Eine Zumutung und Farce zugleich und das macht mich nur noch wütend. Während sich Bürger im öffentlichen Raum in einem üppigen Sicherheitsabstand nicht begegnen sollen, was im Übrigen bereits zu merkwürdig ausuferndem Benehmen Einzelner führt, müssen Wahlhelfer ja bekanntlich mindest zu zweit, eigentlich zu dritt auf engstem Raum die Wahlzettel gemeinsam auswerten. Das geschieht wohl nach Aussagen Einzelner mit Masken, die an derer Stelle mit Sicherheit dringender benötigt werden, als „Streithanseln auf kommunaler Ebene“ zu einem persönlichen Sieg zu verhelfen.

Horst Schmidmayer

Bernau

Es gibt herausragende Profiteure der Corona-Krise: Die kleinen und mittleren Unternehmen werden ruiniert, die „Großen“ immer reicher, zum Beispiel Amazon.

Sämtliche Buchhändler mussten ihren Laden schließen. Wo bestellt „man“? Bei Amazon! Bisher „sammelte“ Jeff Bezos persönlich 129 Milliarden US-Dollar, zurzeit sehr viele Euros zusätzlich auf Kosten der „Kleinen“. Man sollte den Herrn eindringlich darauf aufmerksam machen und zu einer Ausgleichszahlung auffordern, dann müsste für einen, nicht mal annähernden, finanziellen „Ausgleich“ unser Staat, also der bundesdeutsche Steuerzahler, nicht aufkommen!

Für viele Geschäfte wäre ein Schalterdienst, oder Zustelldienst sinnvoll. Eine Differenzierung der Einschränkungen ist auf nunmehr längere Sicht angesagt, um ein finanzielles Desaster zu minimieren. Soweit ich aus der Presse informiert bin, spendete unser Fußball-Idol, Thomas Müller, Verdienst pro Jahr über 20 Millionen Euro, 1000 Schweinsbraten à 7 bis 8 Euro, = 7000 bis 8000 Euro. „Geiz ist geil“? Die Spieler Lewandowski spendierte eine Million Euro, Kimmich und Goretzka zusammen mit weiteren Personen sammelten zusammen 3,6 Millionen Euro! Laut Presse verzichten Spieler und Trainer von Juventus Turin, zugunsten der Corona-Krise auf vier Monatsgehälter, dies entspricht 90 Millionen Euro! Meine Hochachtung!

Dr. med. Bernd Reinhart

Bad Aibling

Der Bundestag hat Milliarden Euro bewilligt, um die Folgen der Corona-Krise abzumildern. Wieviele Betriebe trotzdem Insolvenz anmelden werden, wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Bisher habe ich nirgends gelesen, wie alles finanziert werden soll.

Gibt es Bundesanleihen mit negativer Rendite, die allen voran von unseren Abgeordneten gekauft werden? Gibt es einen neuen Solidaritätszuschlag, wo erst die Abschaffung beschlossen wurde? Gibt es Steuererhöhungen oder eine Vermögensabgabe? Gibt es Kürzungen und auf welchen Bereichen? Eine seriöse Politik verteilt nicht nur Wohltaten, sondern zeigt auch auf, dass es einigermaßen gerecht zugeht. Appelle an die Solidarität der Bürger können das nicht ersetzen.

Alfons Schwarzenböck,

Aschau am Inn

Unser Dank sollte auch an alle die gehen, die sich in dieser Zeit um die Versorgung unserer Bevölkerung mit Lebensmitteln kümmern. Ich selbst arbeite in einem bayerischen Unternehmen der Lebensmittelindustrie. Alle Kollegen und Kolleginnen haben sich in den letzten Tagen aufgrund der gestiegenen Abverkäufe nicht gescheut, an sieben Tagen pro Woche die Produktion so weit zu erhöhen, dass leere Regale wieder aufgefüllt werden konnten. Die Lebensmittelversorgung aus Italien ist teilweise zusammengebrochen, die bayerischen Hersteller sind eingesprungen. Die Bauern, die Verarbeiter der Rohstoffe, arbeiten bis an ihre persönlichen Grenzen, die Spediteure liefern die weit über das Doppelte gestiegenen Mengen bis an die Regale der Einzelhändler. So wurde ohne große Diskussionen aus einer 38-Stunden-Woche eine Beschäftigung im Drei-Schicht-Betrieb, sieben Tage in der Woche, in der jeder Einzelne seine volle Leistung zur Verfügung stellt. Wir sollten auch denen danken, die in diesen schwierigen Zeiten für unsere Versorgung Mehrarbeit in Kauf nehmen, auch dann, wenn die Kinder und die Frau oder der Mann zu Hause sitzt und auf den Ehepartner wartet.

Klaus-Peter Kürschner

Edling

Das Coronavirus hat auch schon unsere schöne deutsche Sprache infiziert. Wenn man über dieses Biest etwas liest, wird man mit seltsamen Begriffen angegangen: „Lockdown, crash, shutdown, hotspot, task force, distancing, e-tracking“ und so weiter. Kann man uns wirklich nur noch mit diesem – Verzeihung – Deppenjargon informieren? Der aktuell zurecht hoch gefeierte deutsche Dichter Hölderlin könnte diese Texte nicht entschlüsseln. Bitte, liebe Medienleute, redet und schreibt deutsch.

Hans Daxer

Marquartstein

Wenn‘s nichts kostet, ist die Kirche immer schnell dabei. Eben mal einen Segen spenden oder schlau predigen. Ansonsten sammelt man Spenden und benutzt den Staat und seine Steuergelder. Die Kirche, besonders die katholische, sollte besser wenigstens einen Teil ihrer über Jahrtausende eingeramschten Vermögenswerte spenden, um sie den Menschen zurückzuerstatten und ihnen zu helfen. Ganz zu schweigen von den Skandalen, die in den letzten Jahren öffentlich wurden. Wenn Gott Corona nicht geschickt hätte, bräuchten wir jetzt auch keinen Segen. Oder war es gar der Teufel?

Bernd König

Kolbermoor

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