VHS: Inhaltliche Auseinandersetzung nötig

Die Volkshochschule in Kolbermoor: Der Vortrag von Michael Meyen von der LMU München sowie der geplante Abend mit Professor Franz Ruppert von der Katholischen Stiftungshochschule sorgen für Diskussionen unter unseren Lesern.
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Die Volkshochschule in Kolbermoor: Der Vortrag von Michael Meyen von der LMU München sowie der geplante Abend mit Professor Franz Ruppert von der Katholischen Stiftungshochschule sorgen für Diskussionen unter unseren Lesern.

Zum Thema „Streit um Kolbermoorer VHS: Corona-Leugner als Gastredner?“ (Regionalteil):

Über die Vortragsreihe „Nachdenken über Corona“ soll sich jeder seine eigene Meinung bilden. Allerdings ist eine Forderung des Rücktritts der Chefin der VHS, Ulrike Sinzinger, aus demokratischer Sicht nicht nachvollziehbar, denn: Im Artikel „Streit um Kolbermoorer VHS: Corona-Leugner als Gastredner?“ steht im letzten Abschnitt, dass der Stadtrat mit 13 Stimmen gegen die Absage des Vortrags des umstrittenen Professors Ruppert gestimmt hat. Dies war zwar eine knappe Entscheidung (elf Gegenstimmen), nichtsdestotrotz leben wir in Deutschland in einer Demokratie, deren Wahlentscheide über die Mehrheit laufen.

Die Schuld daher Frau Sinzinger in die Schuhe schieben zu wollen, erweckt den Anschein, dass hinter dieser Angelegenheit persönliche Gründe eine Rolle spielen könnten. Die Rücktrittsforderung gegen Frau Sinzinger ist objektiv aus demokratischer Sicht nicht haltbar, wobei es ohne Belang ist, was man persönlich über diese Vortragsreihe und deren Referenten halten mag.

Silvia Thalhammer

Amerang

Es ist ja fast schon gruselig, wenn eine sozialdemokratische Stadträtin versucht, das Programm der VHS zu zensieren. So ein Bestreben vermutet man eher vom politischen Gegenüber. Als mündiger Bürger möchte ich selber entscheiden, ob ich mir die Vorträge von Professor Ruppert anhöre und mir so mein eigenes Bild über die Corona-Pandemie und die daraus entstehenden Einflüsse auf die Gesellschaft mache. Alles, was ich bisher über Herrn Ruppert weiß, ist Halbwissen aus dem Internet und das ist gefährlich! Auch unsere Stadträte nutzen diese Quelle. Darum bin ich froh, dass unsere VHS in Kolbermoor und im Wesentlichen Frau Sinzinger immer wieder Themen im Grenzbereich aufnimmt, die losgelöst von politischem Einfluss die Möglichkeit bieten, sich ungefiltert seine eigene Meinung zu bilden.

Da ist es nicht notwendig und wirklich eine Anmaßung, wenn elf Stadträte meinen, sie müssten da „rumgschaftln“. Deshalb muss ich leider auch den Vorwurf „untragbar“ an den Absender, also Frau Levin, zurückgeben. Denken Sie darüber nach, was alles passieren kann, wenn schon die kleine Politik versucht, andere Meinungen zu zensieren.

Gerhard Schlarb

Kolbermoor

Als ehemalige Mitarbeiterin einer Volkshochschule war ich über die Referentenauswahl zur Vortragsreihe „Nachdenken über Corona“ doch sehr erstaunt. „Volkshochschulen stehen in einer öffentlichen Verantwortung und haben auf parteipolitische und weltanschauliche Neutralität zu achten“: So zumindest wird die Aufgabe von VHS vom Deutschen und auch Bayerischen Volkshochschulverband definiert. Dies scheint mir von den Verantwortlichen der VHS Kolbermoor bei der geplanten Vortragsreihe „Nachdenken über Corona“ mit aller Macht gerade nicht beabsichtigt zu sein.

Selbstverständlich sollen Volkshochschulen nicht nur Yoga- und Origamikurse anbieten, Herr Kloo. Der politischen Bildung muss selbstverständlich Raum gegeben werden. Ich frage mich allerdings, warum man in sensiblen Zeiten wie diesen, in einer VHS Verschwörungs theoretikern ein Podium gibt und diese Absicht von unserem Bürgermeister lediglich als Grenzbereich bezeichnet wird. Nein, das ist kein Grenzbereich, das ist eine eindeutige Grenzüberschreitung!

Wenn man schon Referenten aus „Grenzbereichen“ einlädt, dann sollte man wenigstens auch vernünftigen Menschen, zum Beispiel Ärzten, die in der Rosenheimer Klinik täglich mit Corona konfrontiert sind und um das Leben von infizierten Menschen kämpfen, ein Podium geben und diese Vortragsreihe als Diskussion veranstalten. Ein Professor Franz Ruppert, der Corona als Konstruktion einer Krankheit und die Pandemie als Inszenierung von Bill Gates und der WHO bezeichnet, hat in einem seriösen VHS-Programm nichts zu suchen!

Ute Zeidner

Kolbermoor

Gerade in „Corona-Zeiten“, wo täglich Doktor Lauterbach seine Schreckensvisionen verbreiten kann, ist es wichtig, auch „Andersdenkende“ zu Wort kommen zu lassen! Was ist denn daran so schlimm? Ein Professor Franz Ruppert von der Katholischen Stiftungshochschule in München sollte in der VHS Kolbermoor zum Thema „Nachdenken über Corona“ sprechen. Große Teile im Kolbermoorer Stadtrat sind empört. Stadträtin Dagmar Levin fordert sogar eine Ablösung der VHS-Leiterin Ulrike Sinzinger.

Was ist denn so Schlimmes passiert, dass im Stadtrat plötzlich so ein Aufruhr herrscht? Eine souveräne und engagierte VHS-Leiterin hat Referenten eingeladen, welche nicht oder teilweise die momentanen Verlaut barungen der Bundesregierung oder Bayerischer Staatsregierung hinterfragen! Darf das nicht sein? Es steht jedem Menschen frei, über derzeitig sinnvolle oder unsinnige Pandemie-Maßnahmen zu denken und diese auch infrage zu stellen. Was jedoch niemals infrage gestellt werden darf, sind die Grundrechte unserer Verfassung, wie Meinungs- und Versammlungsfreiheit!

VHS-Leiterin Ulrike Sinzinger hatte sich in der Vergangenheit gerade durch ihren Mut auch kontrovers zu diskutierende Vortragende und Referenten nach Kolbermoor zu holen, ausgezeichnet. Zum Beispiel, als Gabriele Krone-Schmalz zu „Russland“ referierte oder als die Ausstellung der VHS „Die Morde der NSU“ zu sehen war. Dazu zählen auch die regelmäßigen Diskussionsabende zu Europa von „Pulse of Europe“. Immer konnte und wurde kontrovers diskutiert!

Die Kernaufgabe von Erwachsenenbildung, gerade der Volkshochschulen, ist und bleibt es, unterschiedliche Standpunkte zu präsentieren und zur Diskussion zu stellen. Wo kämen wir denn hin, wenn in unserem Lande nur mehr die Meinungen der Regierenden gelten.

Agathe Lehle

Kolbermoor

Vergangene Woche habe ich mich verdächtig gemacht: Ich bin zu einem Vortrag der VHS Kolbermoor gegangen! Jetzt gehöre ich zu den „umstrittenen Gästen“ (Bildunterschrift OVB). So schnell kann es gehen in diesen Zeiten!

Was ist passiert? Professor Michael Meyen (LMU München) hat in der VHS Kolbermoor einen wissenschaftlichen Vortrag über „Medienrealität“ gehalten. Kolbermoorer Stadträte, namentlich Dagmar Levin und Berthold Suldinger, haben versucht, unter anderem diesen Vortrag per Stadtratsbeschluss verbieten zu lassen. Ihre Begründung: Die üblichen Standard-Etiketten wie „Verschwörungstheorie“ und „Corona-Leugner“. Wer jetzt denkt, sie hätten sich der VHS-Diskussion gestellt: Weit gefehlt! Weder Levin noch Suldinger waren am VHS-Abend mit Professor Meyen sichtbar anwesend. Sie hätten dort jede Menge Gelegenheit zur inhaltlichen Auseinandersetzung gehabt, zum Beispiel mit der Tatsache, dass an keiner Stelle des VHS-Abends „Corona geleugnet“ oder „Verschwörungstheorien verbreitet“ wurden.

Das Alarmierende: Unliebsame Meinungen sollen ganz offensichtlich mit diffamierenden Etiketten und Verbotskultur ausgegrenzt werden, statt sich inhaltlich mit Andersdenkenden auseinanderzusetzen. Mir bereitet das – gerade in diesen Zeiten – die allergrößten Sorgen. Denn so eine diffamierende Abstempelung und versuchte Unterdrückung unliebsamer Meinungen vertieft die ohnehin schon erschreckende Kluft in unserer Gesellschaft und zerstört den sozialen Zusammenhalt. Vom OVB würde ich mir wünschen, dass es der Methode „Abstempeln, Diffamieren, Ausgrenzen“ offensiv entgegentritt und mutig eine inhaltliche Diskussionskultur des „Pro und Kontra“ befördert. Genau das würde ich von Qualitätsjournalismus erwarten!

Wolfgang Lederhuber

Kolbermoor

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