Verständnis und Kritik für Siebzehnrübl

Ursprünglich wollte er ein Zeichen gegen den fortgesetzten Corona-Lockdown setzen. Aber Udo Siebzehnrübl wird am Montag, 11. Januar, seine Intersport-Filialen – in Rosenheim, Altötting, Passau, Riem und Pasing – nun doch nicht öffnen.
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Ursprünglich wollte er ein Zeichen gegen den fortgesetzten Corona-Lockdown setzen. Aber Udo Siebzehnrübl wird am Montag, 11. Januar, seine Intersport-Filialen – in Rosenheim, Altötting, Passau, Riem und Pasing – nun doch nicht öffnen.

Zum Bericht „Sporthändler Siebzehnrübl probt den Aufstand“ (Regionalteil):

Als Angestellte im Sport-und Modefachhandel bin ich selbst von Lockdown und Kurzarbeit betroffen und kann auch die Befürchtungen hinsichtlich der Gefährdung von Arbeitsplätzen und damit verbundenen existenziellen Nöten sehr gut nachvollziehen.

Die Äußerungen von Herrn Siebzehnrübl sind dennoch – entgegen seiner eigenen Behauptungen – die Argumente der Querdenker. Von einer Diktatur zu sprechen, ist angesichts der vielen echten Diktaturen weltweit – Weißrussland ist nicht weit – schäbig und zum Fremdschämen. Glücklicherweise leben wir nicht in einer Diktatur, sondern halten als Demokratie viele Einstellungen und Meinungen aus.

Niemand hat den Einzelhandel bisher als „Sündenbock der Corona-Pandemie“ bezeichnet. „Solidarität ist aufgebraucht“? Das ging schnell, war anscheinend nie viel da. Die Politik hat nicht aus Lust und Laune heraus einen Lockdown beschlossen, sondern weil in der jetzigen Situation keine andere Möglichkeit besteht, die Infektionszahlen einzudämmen. Dass dies für niemanden ein Spaß ist, dürfte offensichtlich sein. Und in der Politik sitzen auch nicht nur „Minderbemittelte“, die nicht wissen, was sie tun.

Als Angestellte erhalte ich Kurzarbeitergeld. Eine Leistung unseres solidarischem Sozialsystems. Dies entlastet die Unternehmen von den Personalkosten, also erhält auch Herr Siebzehnrübl sehr wohl Unterstützung als Unternehmer. Dies mag nicht genug sein, aber berechtigt noch lange nicht zu individueller Rechtsauslegung.

Herr Siebzehnrübl hat keine Angst vor Konsequenzen? Das ist schön. Ein Aufspielen zum Pseudo-Andreas-Hofer ist überflüssig. Ich kann nur hoffen, dass individuelle Ideen der Rechtsauslegung durchaus dementsprechend geahndet werden. Ansonsten fahre ich jetzt immer mindestens 200 km/h, weil mich das Tempolimit auf Autobahnen und sonst wo schon lange ankäst. Und wenn es genügend andere auch machen, werden „bestimmt nicht alle bestraft“. Ob man mit so einem Verhalten Kunden gewinnt beziehungsweise behält? Viele Einzelhändler haben kreativere Ideen zur Kundenbindung entwickelt.

Silke Jungmeier-Wadas

Raubling

Bravo Herr Siebzehnrübl! Endlich mal jemand, der über den Tellerrand schaut und sich was traut. Denn dieser unsägliche Lockdown hat bisher nicht viel gebracht. Nur ruiniert er den Einzelhandel und die Gastronomie. Ich hoffe, es schließen sich viele Händler und auch Gastronomen dieser Aktion an. Nur gemeinsam kann man was erreichen. Normal müsste der Aufruf auch vom City-Management unterstützt werden, aber hier ist wohl die Angst vor der Bürokratie zu hoch.

Milovan Kaeufl

Kolbermoor

Meine Frau und ich sind Stammkunden des Sporthauses in Rosenheim und gehören zur sogenannten vulnerablen Gruppe über 70. Mit großem Respekt und Wohlgefallen habe ich aus dem OVB den Widerstand von Herrn Siebzehnrübl gegen einen erneuten Lockdown entnommen und möchte ihn bestärken.

Ich bin nicht in einer rechten oder Verschwörungsecke, aber ich habe keine Angst vor Covid-19, nehme das Virus aber so ernst, dass ich seit Beginn der Krise nicht einen wirkungslosen Stofflappen trage, sondern FFP2-Masken – auch aus Respekt vor denen, die Angst haben und vor dem Klinikpersonal.

Ich schütze mich selber und will nicht wegen meines Alters ein Argument für den Lockdown sein, mit allen Kollateralschäden, die in keinem Verhältnis mehr stehen zum sogenannten Schutz vulnerabler Gruppen. Ich will nicht Amazon und Konsorten mit allen Negativfolgen für Umwelt, Bezahlung von Mitarbeitern und noch mehr Geschäftsschließungen in unsren Dörfern und Städten! Ich will nicht chinesische Internetdominanz, nicht das weitere Auseinanderklaffen der Bildungsschere und die Bildung von Angst- und Zwangsneurosen bei unseren Kindern! Ich will nicht, dass Heimbewohner das Sprechen verlernen, weil Besuche fast nicht mehr möglich sind!

Danke dafür, dass Sie sich wehren, Herr Siebzehnrübl. Viel Erfolg und halten Sie durch!

Eduard Rowedder

Eggstätt

Kaum war das Weihnachtsfest vorbei, oft mit weniger Geschenken und im kleinen Kreis, wurden an Silvester die Raketen in die Luft gejagt! Wer fragte da nach Geld, Umweltverschmutzung, der Unfallgefahr (die Krankenhäuser haben ja nichts zu tun!) oder Verboten? Können wir stolz sein auf diese Einstellung oder ist es nicht tieftraurig? Jeder ist nur auf seine Vorteile bedacht!

Was interessiert es, dass man wohnortnah seinem Freiheitsdrang folgen soll statt dafür 50 Kilometer und mehr durch die Gegend zu fahren? Wenn es dann zu Unfällen kommt, wie bei Glatteis in Bad Feilnbach geschehen, soll sich bitteschön die Bergwacht in Gefahr bringen und die Gedankenlosen retten. Es ist doch ein Volkssport geworden die Lücken in den Ge- und Verboten zu suchen und auszunutzen!

Die Krönung ist der Geschäftsmann aus Rosenheim mit seiner Einstellung! Er hat offensichtlich nicht begriffen, dass nicht die Politik, sondern Corona unser Leben bestimmt. Wenn er nicht ausgelastet ist, haben die Intensivstationen jede Menge Bedarf an Hilfskräften. Dort kann er sich dann anschauen, wohin so ein Leichtsinn führt. Sich hinter dem Argument der Arbeitsplätze und Leerstände zu verstecken, ist mehr als oberflächlich. Wir Kunden sollten diese Einstellung mit einem lang anhaltenden Boykott quittieren.

Ich bin ein Nachkriegsjahrgang und habe miterlebt, wie meine Elterngeneration ihre Zukunft tatkräftig und mit Sparsamkeit wieder aufgebaut hat. Ich betrachte es als Missachtung dieser Taten, wenn jetzt ständig gejammert wird, weil wir mal etwas zurückstecken müssen. Diese alte Generation war froh, wenn sie überlebte. Vielleicht sollten wir mal intensiv darüber nachdenken und unser Leben danach ausrichten!

Sibylle Reincke

Bad Feilnbach

Hinweis der Redaktion:Am Dienstag, 5. Januar, hat Herr Siebzehnrübl bekannt gegeben, dass er die Geschäfte entgegen der Ankündigung in seinem offenen Brief nun doch geschlossen halten wird. Die Leserbriefe zu diesem Thema erreichten uns im Vorfeld dieser Entwicklung.

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