Verständnis für die Demonstranten, Kritik an den Veranstaltern

Zur Berichterstattung über die Corona-Demonstrationen in München und Leipzig (Politik):

Die Demo in Leipzig hat natürlich nicht den Bestimmungen entsprochen. Lautsprecheransagen, sich auf das Gelände zu verteilen und Masken aufzusetzen, wurden ignoriert. Deshalb aber die ganze Veranstaltung und die zigtausend Teilnehmer als verantwortungslos abzustempeln, und dazu personelle Konsequenzen bei der sächsischen Polizei zu fordern, schießt über das Ziel hinaus. Ja, gesetzliche Bestimmungen müssen respektiert werden, sonst kollabiert die staatliche Ordnung. Doch unser Staat ist auch kein monolithischer Block, es gibt eine historisch errungene Gewaltenteilung. Die Medien haben ihre Rolle als Vierte Macht im Staate auszuüben, was eben nicht bedeutet, uns zu Musterbürgern zu erziehen, sondern uns freiheitlich zu informieren. Die Situation ist vielschichtig, Datenlagen unterschiedlicher Qualität gilt es abzugleichen, ein Professor Drosten hat im Januar anders gesprochen als jetzt im November, das Datenwerk des RKI deutet indessen schon wieder auf eine Abflachung der zweiten Welle hin. Und aus Stanford kommt die größte Metastudie zum Thema und warnt vor allem vor den Lockdown-Schäden. So etwas sollte auch in den Leitmedien prominent auftauchen. Und noch so manches andere, das nun mal zur Wahrheit gehört.

Die Teilnehmer bei den Corona-Demos fahren nicht aus Jux und Tollerei dort hin, sondern tatsächlich aus Verantwortung für unsere Demokratie. Obwohl einige Parolen allzu wild daher kommen, stimmt eben leider: Wenn jetzt die aktuelle Novellierung des Infektionsschutzgesetzes (Bundestags-Drucksache 19/23944) durchgeht, könnte es schon bald ein Erwachen geben: Haben wir tatsächlich wegen Corona diese neuen politischen Machtmittel zugelassen?

Hans Stahuber

Bad Aibling

Unglaublich dreist ist die Vorgehensweise der Veranstalter der der „Querdenker“-Demo auf der Theresienwiese in München, die erlaubten Teilnehmerzahlen und vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen vor einer Ansteckung an Corona und Hygienemaßnahmen zu umgehen. Kurzerhand wurde die Demo in einen Gottesdienst umfunktioniert, da für Gottesdienste im Freien damals eine unbegrenzte Teilnehmerzahl erlaubt war und die Maskenpflicht bei genügend Abstand zwischen den Teilnehmern aufgehoben ist.

Aber ist das ein Gottesdienst, wenn kein einziges Gebet gesprochen wurde und nach objektivem Verständnis kein religiöses Element erkennbar war? Darf sich die katholische/evangelische Kirche so einen Missbrauch gefallen lassen? Letztendlich werden die wahren Gottesdienstbesucher darunter leiden, wenn zwecks steigender Infektionszahlen Gottesdienste nur noch sehr eingeschränkt oder gar nicht stattfinden dürfen. Durch eine solche Aktion wurde das Recht auf Religionsfreiheit massiv missbraucht.

Natürlich haben wir in unserer Demokratie unsere Grundrechte, darunter fällt auch das Demonstrationsrecht, und das ist auch gut so. Aber welches Grundrecht wiegt jetzt mehr – in Zeiten einer Pandemie? Muss nicht an erster Stelle das Recht auf Unversehrtheit von Leib und Leben stehen? Da meine ich, ist das Recht auf freie Meinungsäußerung untergeordnet! Die Veranstalter „Querdenker“ setzen sich rücksichtslos über die Infektionsschutzgesetze hinweg. Ihr Verhalten ist rücksichtslos gegenüber den Polizeibeamten vor Ort und gegenüber dem Teil der Bevölkerung, der sich klaglos einschränkt.

Künftig sollten Demos, welche unter vorgetäuschten Gründen genehmigt wurden, sofort aufgelöst werden und die entstandenen Kosten dem Veranstalter abverlangt werden!

Michaela Stephan

Rottau

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