Corona-Maßnahmen – Für und Wider: Das sagen unsere Leser

Plötzlich ein vertrauter Alltagsanblick: Ein verlorener Mund-Nasen-Schutz liegt auf dem Straßenpflaster.
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Plötzlich ein vertrauter Alltagsanblick: Ein verlorener Mund-Nasen-Schutz liegt auf dem Straßenpflaster.

Die Leserschaft ist sich uneins, was die Berichterstattung der OVB Heimatzeitungen über das Coronavirus angeht. Lesen Sie selbst!

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„Obrigkeitshörige Ja-Sager“

Der sich selbst stolz als Politikwissenschaftler bezeichnende Leserbriefschreiber Boneberg kennt völlig unwissenschaftlich nur Schwarz oder Weiß: Die Gruppe der Teilnehmer an der Corona-Demonstration in Berlin informiert sich laut ihm unabhängig (meint er damit die Unabhängigkeit von wissenschaftlichen Erkenntnissen?), sie sind also „die Guten“. Die anderen bezeichnet er generell als unreflektierte, unkritische, obrigkeitshörige Jasager und unterstellt ihnen ganz ungeniert, genau deswegen Systeme wie das Dritte Reich zu ermöglichen. Haben nicht gerade die Organisatoren und viele Teilnehmer der Anti-Corona-Demonstrationen sich zurecht scharf dagegen verwehrt, mit rechtsradikalen Teilnehmern dieser Demonstrationen in einen Topf geworfen zu werden und die Heterogenität der Teilnehmer dieser Veranstaltungen betont? Für Andersdenkende gilt aber offensichtlich zumindest für Herrn Boneberg nur pauschalisierende, primitive Abwertung. Nur zur Erinnerung: Bei diesen Demonstrationen laufen viele Rechtsradikale mit, deren Ideologie für das Dritte Reich steht. Dass die „Qualitätsmedien“ nicht über den Auftritt von Robert Kennedy Jr. berichtet hätten, ist übrigens eine glatte Lüge, so titelte die TAZ: „Vom Umweltanwalt zum Wirrkopf“. Nicht zu Unrecht, da Kennedy in Berlin beispielsweise behauptete, Bill Gates und Anthony Fauci hätten die Corona-Pandemie seit Jahrzehnten(!) geplant. Klar, und die Juden haben durch Brunnenvergiftungen die Pest ausgelöst und (aufgepasst liebe Impfgegner) die Bayern wollten den Tirolern Anfang des 19. Jahrhunderts mit der Pockenimpfung „bayerisches (aufgeklärtes) Denken“ einimpfen.

Bernward Schmidt, Prutting

Herzlicher Dank

Am Mittwochfrüh, 9. September, ersuchte ich über die Online-Seite der Stadt Rosenheim – übrigens sehr übersichtlich und verständlich formuliert – um einen Corona-Test-Terminvorschlag. Ich habe diesen nach Eingabe meiner persönlichen Daten unverzüglich erhalten für den gleichen Tag um 12.30 Uhr. Ich fuhr also zur Loretowiese und wurde dort von sehr freundlichen Polizisten nach Vorzeigen meiner Meldebestätigung in eine der beiden Einfahrten eingewiesen. Die ebenfalls sehr freundlichen, den Test ausführenden Personen erledigten ihren Job schnell und sehr professionell. Ich bedankte mich und fuhr meines Weges. Der positive Gipfel war jedoch, dass ich bereits am Tag darauf um 10 Uhr das Ergebnis per E-Mail bekam – und es war negativ. Ich möchte mich nun herzlich bei der Stadt Rosenheim, bei der Polizei, bei der Testmannschaft und bei dem ausführenden Labor bedanken. Das musste auch einmal gesagt sein.

Oskar Weishäupl, Stephanskirchen

Mehr über Genesene berichten

Unter all den Verschwörungstheoretikern auf Ihrer Leserbriefseite, ohne Demokratie-Verständnis und ohne jegliche Empathie für Betroffene, war der Erlebnisbericht von Hans Fill wirklich von Belang. Herr Fill gehört selbst zu den sogenannten Genesenen. „Genesen“ ist ja nicht mit „gesund“ zu verwechseln. Ich bin erschüttert, mit welcher Gleichgültigkeit hier Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen von einigen Schreibern ins Jenseits geschickt werden sollen, sogar von Ärzten! Ich wäre dankbar, wenn in Ihrer Zeitung, wie auch in anderen Medien, mehr über an Covid-19-Erkrankte oder „Genesene“ berichtet würde. Auch Leserbriefe über eigene Erfahrungen würde ich sehr schätzen.

Gisela Munker, Rimsting

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„Es geht um meine Gesundheit“

Neulich im Supermarkt: Einem Mann ist seine Maske wohl unbemerkt unter die Nase gerutscht. Ich deute es ihm mit einer Geste an. Er gestikuliert entschuldigend und freundlich zurück. Die Sache ist erledigt. Neulich auf einem Spaziergang über Land: Ich stoße zu einem Gespräch zwischen zwei Bauern. Der eine: Gestern war ich in der Stadt und komme an einem Freiluftkonzert vorbei. Viele Zuhörer, Abstand null, Masken fast null. Am Rand zwei oder drei Polizisten. Auch neulich: Ich stehe an der Ampel. Ein Mann kommt näher bis auf rund 50 Zentimeter. Ich bitte freundlich um etwas mehr Abstand. Antwort: Schleich Di, Du Depp. Eine Stunde später das Gleiche: Hau ab, sonst batz i Dir oane. Was tun? Es geht um meine Gesundheit, es geht um meine Familie, meine Enkel, meine Stadt, mein Land und um meine Erde. Soll ich beim nächsten Mal einen Knüppel zur Verteidigung mitnehmen? Ich bin 78 und kein Preisboxer. Also, was tun?

Herbert Oberhofer, Rosenheim

„Die Politik hat Corona nicht erfunden“

Ich gehöre nicht zu den Kritikern der generellen Vorgehensweise, wie man seitens der Regierung mit den Corona-Problemen umgeht. Damit meine ich nicht nur die angeordneten Maßnahmen, die den direkten Umgang mit dem Virus betreffen, sondern auch die begleitenden Maßnahmen, wie beispielsweise die Ausweitung und Unterstützung der Möglichkeiten im Wirtschafts- und Arbeitsleben. Insofern habe ich mit Interesse das Interview mit Ihrem Leser Christof Wombacher im Bayernteil gelesen, dessen Positionen ich in vielen Dingen verstehe und denen ich auch teilweise zustimmen möchte. Für mich ist das ein Beispiel guter und sachlich fundierter Kritik. Das Gegenteil sehe ich in einem Leserbrief der letzten Wochen, in dem es unter anderem heißt „…. wo rum es in Wahrheit geht: Machtmissbrauch und Geltungssucht einzelner selbstverliebter Politiker. Dazu Propaganda mit dem Ziel: Überwachung und Bevormundung in so gut wie allen Lebensbereichen, inklusive Existenzvernichtung ganzer Branchen“.

Die Politik hat Corona nicht erfunden und man kann immer über die richtige Vorgehensweise trefflich streiten – am Ende ist aber wie immer im Leben – und das gilt auch für den privaten Bereich: Man muss sich für das „kleinere Übel“ entscheiden und wenn man sich im Vorfeld über alle möglichen Szenarien sorgfältig informiert und abwägt, dann kommt es zu Entscheidungen, die natürlich nicht jeden Beifall klatschen lassen – auch mich nicht. Egal, wie die Politik entscheidet, es kann nie „vollkommen“ richtig sein, aber man sollte seinem Unmut etwas sachgerechter Luft machen. Die unterstellten Ziele Überwachung und Bevormundung in allen Lebensbereichen spielen nur den Verschwörungstheoretikern in die Hände!

Jürgen Weck, Kiefersfelden

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