Versetzung: Einer Demokratie nicht würdig

Friedrich Pürner wurde nach der Kritik an den Coronamaßnahmen der Bayerischen Staatsregierung als Leiter des Gesundheitsamtes Aichach-Friedberg abberufen.
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Friedrich Pürner wurde nach der Kritik an den Coronamaßnahmen der Bayerischen Staatsregierung als Leiter des Gesundheitsamtes Aichach-Friedberg abberufen.

Zum Bericht „Gesundheitsamtschef strafversetzt“ (Titelseite/Bayern):

Wer den Gott der Gesundheitsstochastik zu bezweifeln wagt, ist nicht beliebt im Lande Bayern, ja er wird sogar strafversetzt. Der Behördenleiter des Gesundheitsamts Aichach-Friedberg, Dr. Friedrich Pürner, wird von seinem Gesundheitsamt nach Oberschleißheim versetzt. Er ist bisher durch kritische Bemerkungen zum Inzidenzwert 35 aufgefallen. Er erachtet diesen und andere Inzidenzwerte als willkürlich, wissenschaftlich nicht belastbar, ebenso den Nutzen der Maskierung.

Viele Bürger haben ihm zugestimmt, zumal die verschiedenen Inzidenzwerte in Relation zu ernsthaften Covid-19-Werten in Bezug gesetzt werden müssten. Dies ist nicht geschehen. Beim Lockdown in Berchtesgaden gab es keinen einzigen Kranken auf den Intensivstationen im dortigen Landkreis. Eigentlich ist es ein Skandal, dass man in dem angeblich so liberalen Bayern kein eigenes Denken äußern darf, ja wahrscheinlich ist eigenes Denken prinzipiell unerwünscht.

Der Gott der Gesundheitsstochastik ist das goldene Kalb, um welches nicht nur die Ministerpräsidenten, sondern auch die Kanzlerin, der Gesundheitsminister und viele andere herumtanzen. Indes ist diese Verehrung nichts Neues. Schon Johann Gottlieb Fichte musste 1799 seinen philosophischen Lehrstuhl wegen des Verdachts des Atheismus räumen. Gerade er hatte immer wieder die Denkfreiheit gefordert. Ihm wurde von den Studenten der Universität Jena applaudiert. Doch dies nützte ihm nichts. Heute sind die Universitäten weitgehend auf Online-Lehre umgestellt. Auf diese Weise kann sich eine kritische Studentenschaft nicht formieren. Wie schön für die Gesundheitsstochastiker!

Dr. Ralph P. Crimmann

Prien

Die Strafversetzung des Gesundheitsamtschefs Pürner hat gezeigt, wie gefährlich freie Meinungsäußerung sein kann. Derzeit verschwinden Grundlagen eines Rechtsstaates, der unser Leben jahrelang lebenswert gemacht hat. Daher ist es aus demokratischer Sicht zwingend notwendig, die aktuelle Corona-Strategie zu überdenken. Fakt ist, dass wir mit diesem Virus leben müssen. Es wird nicht mehr verschwinden und daran kann kein Lockdown dieser Erde etwas ändern.

Aber wie lange wollen wir eine Strategie durchhalten, die alles, was unser Leben lebenswert macht, auf dem Altar sinnbefreiter Inzidenzzahlen opfert? Meinungs- und Bewegungsfreiheit, soziale Kontakte, ganz einfach gemeinsames Leben. Von den Grundlagen unserer wirtschaftlichen Existenz und unserer Sozialsysteme ganz zu schweigen. Wie hoch muss also ein Risiko sein, das diesen Preis rechtfertigt? In meinen Augen höher als eine Sterblichkeit, die sogar im derzeit weltweit am schlimmsten betroffenen Land Belgien nach acht Monaten Covid nicht höher als 0,1 Prozent ist. Das heißt 99,9 Prozent haben dieses Virus überstanden, obwohl nach Schätzung etlicher Studien die Dunkelziffer der Infizierten bei über 30 Prozent liegt.

Bei einem Altersdurchschnitt der Verstorbenen, der weltweit höher als die Lebenserwartung ist, findet also beileibe keine gesellschaftsauslöschende Katastrophe statt, die obigen Preis auch nur ansatzweise rechtfertigen würde.

Und dies ist nicht zynischer als das soziale Isolieren von vier Millionen alten Menschen oder das Einsperren von 20 Millionen Kindern und Jugendlichen alleine in Deutschland. Deshalb sollten wir uns auf eine Strategie besinnen, die sich auf die Kranken und Gefährdeten konzentriert, ohne die Basis unserer freien Gesellschaftsordnung nachhaltig zu zerstören.

Georg Kustermann

Kolbermoor

Vielen Dank, dass Sie nicht nur die Stimme von Dr. Friedrich Pürner zu Wort kommen ließen, sondern auch dass sie sein Schicksal weitverfolgen. Ich bin sehr erstaunt, dass man die Meinung eines Fachmannes nicht nur nicht als Diskussionsbeitrag betrachtet, sondern ihn versetzt. Ein Verhalten wie im Kindergarten, aber nicht einer Demokratie würdig, die sich stets auf Meinungsfreiheit beruft.

Sissi Lenhart

Bruckmühl

Beamte haben einen Eid geleistet. Dennoch sind auch Beamte mündige Bürger. Kadavergehorsam gehört seit 1945 und seit 1989 auch für die Bürger der ehemaligen DDR der Vergangenheit an. Sollte man meinen. Amtschef Dr. Pürner hat sich fachkompetent und kritisch zu den gegenwärtigen Lösungsansätzen zur Bewältigung der Pandemie geäußert. Damit lag er keineswegs falsch. Was hat die „Politik“ seit März erfolgreich gegen die Ausbreitung der Pandemie auf die Beine gestellt? Nicht allzu viel. Da wurde Maskenzwang angeordnet, das war notwendig. Gleichzeitig vermeldeten die Medien, dass die sogenannte Alltagsmaske, als sie dann nach und nach verfügbar war, praktisch wirkungslos sei. FFP-Masken waren kaum zu beschaffen. Als auch diese dann verfügbar waren, wurden viele wirkungslose Fälschungen festgestellt.

Das öffentliche Leben, Schulbetrieb, Kitas, und, und und wurden eingeschränkt oder lahmgelegt. Abstandsregelungen wurden zur Pflicht gemacht. Das alles war richtig. Falsch war, dass die „Politik“ die Konformität zur Verfassung in ihrer Begründung von eigentlich Notmaßnahmen nicht ausreichend geprüft hat.

Täglich wird über Fallzahlen, Trends und nicht vorhandene Wirkstoffe berichtet. Fakultativ bewegen sich wirklich kompetente Fachleute mit ihren Einschätzungen auf unterschiedlichen Pfaden, bei gleichen Zielen. Wirklich aussagekräftig für alle aber ist die Anzahl frei verfügbarer Intensivplätze einschließlich dem medizinischen Fachpersonal in den regionalen Kliniken.

Mein Appell: Halten wir Abstand, bleiben wir weitgehend in unseren vier Wänden, setzen wir mit dem Anlegen der Maske ein Zeichen der Solidarität und des Dankes an diejenigen, die sich nicht einigeln können, weil sie an unterschiedlichsten Stellen Wichtiges und Notwendiges für uns leisten.

Klaus Bleyl

Bad Feilnbach

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