Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Unwürdiger Empfang für die Soldaten

Die letzten Soldatendes deutschen Afghanistan-Einsatzes sind auf einem niedersächsischen Fliegerhorst angekommen. Der Einsatz ist nach fast 20 Jahren beendet worden.
+
Die letzten Soldatendes deutschen Afghanistan-Einsatzes sind auf einem niedersächsischen Fliegerhorst angekommen. Der Einsatz ist nach fast 20 Jahren beendet worden.

Zur Berichterstattung über das Ende des Afghanistan-Einsatzes der Bundeswehr (Politikteil):

Der Bericht über Tino Käßner aus Murnau ist leider einer der seltenen Berichte über die Soldaten beziehungsweise Opfer aus Afghanistan. Warum berichten die Medien so selten über den Einsatz unserer Soldaten.

Als altgedienter Zeitsoldat empfinde ich es als Unverschämtheit, wie mit unseren Soldaten umgegangen wird. Da hat doch die zuständige Ministerin tatsächlich keine Zeit, um die letzten Heimkehrer aus Afghanistan zu begrüßen. Das soll im August im Bendlerblock in Berlin als „interne Feier“ nachgeholt werden.

Wenn unsere Bundeswehr schon eine Parlamentsarmee ist, dann sollte die Ehrung doch auch öffentlich vor dem Parlament stattfinden. Es bleibt zu hoffen, dass sich die engagierten Abgeordneten mit ihrer entsprechenden Forderung durchsetzen. Hier kehrt doch keine hoch bezahlte Söldnertruppe vom Einsatz zurück. Als man 2002 die ersten Bundeswehrsoldaten zum Auslandseinsatz nach Afghanistan geschickt hat, glaubte wohl mancher Verantwortliche, dass es sich nur um ein verschärftes Manöver handelt. Deshalb bestand die Erst-Ausrüstung auch nur aus Blechkisten mit Rädern statt gepanzerten Fahrzeugen. Die Versorgung der ersten körperlich und seelisch Verletzten war grenzwertig. Erst als die Bundeskanzlerin 2010 diesen Einsatz als Krieg bezeichnete, wurde es besser.

Es ist schon bedauerlich wie unsere Bundeswehr über die Zeit mit begnadeten Ministern gesegnet wurde. Der letzte Verteidigungsminister, der diesen Posten ohne Starallüren sehr gut ausgefüllt hat und für seine Soldaten wirklich da war, war Georg Leber von der SPD.

Die Republik fragt sich seit Jahren, wer eigentlich für den desolaten Zustand und die mangelnde Einsatzbereitschaft der Bundeswehr verantwortlich ist. Das Geld wird anscheinend nur für externe Berater ausgegeben.

Franz Merkle

Rechtmehring

Auch wenn militärnahe Personen den langjährigen und verlustreichen Einsatz in Afghanistan zu rechtfertigen versuchen, so sind doch die gesetzten Ziele bei Weitem nicht erreicht worden. Wer weiter für mehr Frieden in der Welt auf massive militärische Investitionen setzt, muss doch zugeben, dass damit in der Regel wie jetzt in Afghanistan neue Probleme entstehen. Auch mit noch mehr Soldaten und sündteuren Kriegsgeräten lassen sich keine Terrorprobleme lösen.

Terror ist in der Regel der kriegerische Kampf der Ohnmächtigen. Mit mehr Entwicklungshilfe und mehr Dialogversuchen mit fremden Kulturen und Religionen könnte Frieden aufgebaut werden. Leider ist auch bei uns noch immer das Schießen und Waffentragen der normale Friedensdienst. Zivile Friedensdienste bekommen in den etablierten Parteien wie in tonangebenden Medien kaum eine Unterstützung.

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer bleibt weiter in einem alten Denken hängen, wenn sie noch mehr in Bundeswehr und in eine überbewaffnete Nato investieren will, obwohl damit die derzeit größten Probleme in der Welt wie Corona sowie Flüchtlingsprobleme und Klimakrisen kaum zu lösen sind. Dennoch hat sie erst ohne Widerspruch der etablierten Parteien vor der Führungsakademie der Bundeswehr für noch mehr Geld für die Truppe, für noch mehr Führungsverantwortung in Europa und in der Welt und notfalls bis hin zu Militäreinsätzen und nukleare Teilhabe geworben.

Militär verschlingt in unserem Land mit fast 50 Milliarden Euro pro Jahr sehr viel an Ressourcen, die heute wie in der Zukunft für eine gesündere Welt notwendig sind. Bedenklich, wenn immer wieder relativ lautlos und ohne große Widerstände im Bundestag Auslandseinsätze abgesegnet und verlängert werden.

Simon Kirschner

Bad Endorf

Nach über 20 Jahren Kampfeinsatz in Afghanistan mit 59 Toten, davon sind 35 Kameraden im Kampfeinsatz gefallen, landete das letzte Bundeswehr-Kontingent still und ohne großartige Begrüßungszeremonie seitens der Politiker, die sie in diesen Kampfeinsatz schickten, auf dem niedersächsischen Militärflugplatz Wunsdorf. Was zuerst als friedenssichernder Einsatz begann, mündete sehr schnell in einen Guerilla-Kampfeinsatz gegen die Taliban. Aus der sowjetischen Intervention in Afghanistan zwischen 1979 und 1989 hätte der Westen seine Lehren ziehen müssen, zumal die Sowjets damals mit ihrer Kriegsführung nicht zimperlich waren.

Ich habe auch noch nie einen Soldaten der Nato kennengelernt, der sich freiwillig in ein mit Sprengstoff beladenes Fahrzeug setzen würde, um sich damit beim Kriegsgegner in die Luft zu sprengen.

Unkonventionelle Kriegsführung zehrt an der Psyche des Soldaten, sobald er seinen geschützten Lagerbereich verlässt, denn der Gegner ist meistens nicht sichtbar und kann die Zeit, den Ort und die Durchführung seines Angriffs bestimmen. Der Guerillakämpfer trägt keine Uniform und benutzt sogar Kinder, die mit einem Handy eine Sprengfalle auslösen können.

Umso schäbiger finde ich das Verhalten unserer Politiker, welche sich nun in Ausflüchte ihrer Nichtteilnahme an einer Begrüßungszeremonie für die heimkehrenden Soldaten aus ihrer parlamentarischen Verantwortung stehlen. Für was gibt es im Bundestag einen Verteidigungsausschuss, der sonst alles wissen will? Den Charakter eines Politikers erkennt man daran, wie er mit seinen Soldaten umgeht. Auch die unbürokratische Aufnahme der mit den Deutschen zusammenarbeitenden Afghanen und deren Familien sind ein Gebot der Menschlichkeit und Verantwortung. Denn die Rache der Taliban wird fürchterlich und ohne Kompromisse sein.

Adelbert Schömer

Rosenheim

Kommentare