Unsägliche Opferrhetorik bei den Corona-Demonstrationen

Zur Berichterstattung über die bundesweiten Querdenker-Demonstrationen (Politik):

Das Verbreiten kruder Verschwörungstheorien ist harmlos im Vergleich zu dem, was in der letzten Woche Mode geworden ist. Rednerinnen auf Demonstrationen verglichen sich mit Opfern des Nationalsozialismus, präziser mit Anne Frank (14.11. auf einer Querdenker-Demo in Berlin) und mit Sophie Scholl (Jana aus Kassel am 21.11. auf einer Demo in Hannover). Wer sich mit den Opfern der Willkür und Gewalt der Nationalsozialisten und mit Widerstandskämpferinnen und Widerstandskämpfern gegen ein totalitäres Regime vergleicht, der schmälert dadurch nicht nur den Mut und die Courage einer Sophie Scholl, sondern verharmlost den Nationalsozialismus und die daraus resultierenden Unterdrückungen, Verfolgungen und Ermordungen.

Es ist mehr als pietätlos, Verordnungen oder Regierungen mit dem Nationalsozialismus auch nur im Ansatz zu vergleichen oder eine Gesetzesänderung im nationalsozialistischen Jargon als „Ermächtigungsgesetz“ zu bezeichnen. Eine Jana aus Kassel hätte vor mehr als 75 Jahren wohl erst gar keine Rede halten dürfen. Und wenn, wäre sie vermutlich nur wenig später in einem Konzentrationslager gelandet oder ein nationalsozialistischer Richter hätte sie zum Tod durch die Guillotine verurteilt.

Die Situation mag aktuell für manche nicht zufriedenstellend sein. Vergleiche mit dem NS-Regime bagatellisieren jedoch die Schrecken, die von diesem ausgingen. Ich verstehe, dass Teilen der Bevölkerung die Verordnungen, die die Regierung erlässt, nicht behagen.

All jenen sei es zugestanden, dagegen zu demons trieren. Allerdings mit der nötigen Dankbarkeit, überhaupt für seine Überzeugungen, ohne Angst und Furcht vor dem Tode haben zu müssen, eintreten zu können!

Jonathan Kietzke

Mühldorf

Die Zahlen steigen und werden weiter steigen, wenn es weiterhin bei einem Teil-Lockdown bleibt. Es muss unter anderem ein striktes Reiseverbot geben. Jedes Wochenende sind in der Region Hunderte Ausflügler aus allen Bundesländern unterwegs. So kann das Virus weiter von Ort zu Ort und von Landkreis zu Landkreis getragen werden. Es war vorauszusehen, dass es besonders wieder die Pflege- und Seniorenheime trifft. Hier steigen wieder die Todeszahlen.

Die Ministerpräsidenten sehen nur zu und nehmen die Zahlen zur Kenntnis. Hat man Angst vor den sogenannten Querdenkern? Die angeblich für Grundrechte stehen? Das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit und Gesundheit wiegt wohl mehr, als der Besuch einer Veranstaltung. Haben diese Leute etwa das Recht, andere zu infizieren? Jeder, der sich so gibt, wie in Leipzig gesehen, muss wegen fahrlässiger Körperverletzung, Volksverhetzung und bei Gewalt wegen Landfriedensbruchs angezeigt werden.

Wer hilft den Infizierten, mit schwerem Verlauf, die nicht mehr oder nur noch bedingt arbeitsfähig sind? Nimmt man das alles in Kauf?

Heinz-L. Fuchs

Marquartstein

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