Aus Unkenntnis über das Ziel hinausgeschossen

Zum Bericht „Viel Geld für drei Schnellladesäulen“ (Lokales):

Schade, dass das Thema von der Stadt bisher so verzagt behandelt wurde. Selbst VW hat inzwischen verstanden, dass sich Wasserstoff bei Personenkraftwagen mit seinem Gesamtwirkungsgrad von 25 bis 35 Prozent nie gegen batteriegetriebene Autos mit 70 bis 90 Prozent wird durchsetzen können. Die Waldkraiburger Stadträte haben vermutlich das Problem: Keiner hat Erfahrung mit dem Betrieb eines E-Autos und weiß, worauf es ankommt. Ganz sicher gehört die Errichtung von Schnellladesäulen, die ein sehr großes E-Auto in weniger als einer Stunde aufladen können, nicht zu den Aufgaben einer Kommune. Sie passen eher auf Parkplätze großer Industriebetriebe, wo Geschäftspartner meist über große Entfernungen anreisen.

In Zeiten knapper Kasse ist die Verschwendung von Steuergeldern in diesem Umfang mit für die Stadt sinnlosen Investitionen ein großes Ärgernis. Um die Attraktivität einer Kommune zu erhöhen, reichen Ladestationen mit 22 Kilowatt auch auf lange Sicht völlig aus, da das in einer Stunde einer Reichweite von 130 Kilometern entspricht. Wirklich attraktiv wird es dann, wenn man die Ladung ganz einfach per SMS starten kann, über den Handyvertrag abgerechnet wird und man ein gestaffeltes Bezahlmodell wählt: In der ersten Stunde 0 Cent/kWh, in der zweiten Stunde 30 Cent/kWh (wie zu Hause) und ab der dritten Stunde 75 Cent/kWH. Mit diesem Wucherpreis, der derzeit an den mit Bundesmitteln geförderten Ionity-Chargern zu zahlen ist, bleibt die Ladesäule garantiert nicht von Dauerladern zugeparkt. Die billige Zeit davor reicht prima zum Shoppen. Selbst eine kleine Gemeinde wie Albaching macht es mit so einer Ladesäule vor, das Laden ist dort übrigens kostenlos.

Heinrich Hiemesch

Waldkraiburg

Die Entscheidung, die Ladesäulen an den derzeit gemeldeten E-Autoanteil im Landkreis zu knüpfen, ist wie die Frage, ob erst das Ei oder das Huhn da gewesen ist. Ich sehe durchaus die Frage nach der Herstellung und Entsorgung von Batterien in Sachen Umwelt kritisch. Aber wenn ich politisch den E-Antrieb will, muss ich investieren. Keiner kauft sich so ein Auto, wenn er es nicht aufladen kann. Damit stellt sich die Frage, was ich in Zukunft haben möchte. Wasserstoff ist in der Entwicklung noch nicht so weit, dass wir darüber diskutieren können, womit ich entweder den Verbrennungsmotor oder das E-Auto zur Auswahl habe. Benzintankstellen gibt es genug und die Abgase schaden unserer Umwelt. Wie schädlich ist im Verhältnis die Erzeugung und Entsorgung der Batterien? Und haben wir noch die Zeit, lange da rüber nachzudenken?

Hartmuth Lang

Waldkraiburg

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