Unberechtigte Kritik

Zum Leserbrief von Karl-Georg Fritz „Historische Fakten“:

Der Leserbriefschreiber bezichtigt „heutige Medien“, dass sie historische Fakten aus dem Zusammenhang reiße und „polemisch“ übertreibe. Er kritisiert, dass die OVB-Heimatzeitungen den Mörder des bayerischen Ministerpräsidenten Kurt Eisner, Graf Arco auf Valley, als „hinterhältig“ und die „Justiz als willfährig“ bezeichnet haben. Wie anders als „hinterhältig“, bitteschön, soll man denn einen Mörder bezeichnen, der mit Vorsatz aus einer Nische der heutigen Kardinal-Faulhaber-Straße auf einen Menschen schießt? Wie anders als „willfährig“, bitteschön, soll man denn eine Justiz charakterisieren, die einen zweifelsfrei identifizierten Mörder schon nach einem Tag von einem zunächst ausgesprochenen Todesurteil zu lebenslanger Festungshaft begnadigt und nach vier Jahren ohne Auflagen in die Freiheit entlässt? Richter Georg Neidhardt, der auch Vorsitzender im Prozess gegen Adolf Hitler wegen seines Putschversuchs 1923 war, begründete sein Urteil mit den Worten, dass die Tat „nicht niedriger Gesinnung, sondern der glühenden Liebe zu seinem Volke und Vaterlande“ entsprang. Wie die Geschichte belegt, gab es in der Folgezeit zahlreiche Urteile, die Milde gegenüber Straftätern mit nationalistischer Gesinnung walten ließ. Dass Graf Arco ein glühender Monarchist war und aufgrund seiner Abstammung seiner Großeltern und seiner Mutter jüdische Wurzeln hatte, ist richtig. Bedeutsam ist in diesem Zusammenhang der Umstand, dass Graf Arcos Antrag zur Aufnahme in die rechtsextreme, national gesinnte „Thule-Gesellschaft“, aus der zahlreiche spätere „Nazi-Größen“ hervorgingen, aufgrund seiner jüdischen Abstammung abgelehnt wurde. Die Motive des Leserbriefschreibers zu seinen Thesen erschließen sich mir nicht.

Gert Hilger

Waldkraiburg

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