Umstrittener Brenner-Zulauf – Proteste

Zum Bericht „Ein lautstarkes Veto“ (Regionalteil):

Alle, die meinen, dass ein Ausbau der Bestandsstrecke ausreicht, kennen vermutlich nicht die Bedürfnisse, Sorgen und Nöte der Bahnpendler. Ein Ausbau der Strecke (wie von den Bürgerinitiativen gefordert) dürfte fünf bis zehn Jahre für eine Dauerbaustelle auf den Strecken Kufstein - Rosenheim und Rosenheim - München sorgen. Entsprechend gäbe es in dieser Zeit regelmäßig Streckensperrungen und Eingleisigkeit. Jeder Pendler, der weiß, wie stark die Auswirkungen bereits jetzt sind bei Baustellen (Oberleitung beispielsweise), kann sich ausmalen, was das für die Pendler bedeuten würde. Und alle, die meinen, dass sie das nicht betrifft, weil sie dann eben mit dem Auto fahren würden, übersehen wohl, dass man in München demnächst nicht mehr einfach mit dem Auto in die Innenstadt fahren und kostenlos am Firmenparkplatz parken können wird, sondern eher am Stadtrand und dann in den ÖPNV umsteigen muss. Darüber hinaus denke ich, dass es in 15 Jahren in der Gesamtbevölkerung einen Konsens darüber geben wird, dass (als Grundlage einer echten Verkehrswende) auf den Hauptbahnstrecken (von und nach Rosenheim) von 6 bis 22 Uhr mindestens jede Viertelstunde ein Personenzug fährt, wodurch alleine schon mehr als 50 Züge pro Strecke und Tag dazukommen werden. Damit würde auch eine ausgebaute Bestandsstrecke schnell an ihre Grenzen kommen.

Matthias Dangl

Riedering

Herzlichen Dank an die Initiative „Wasen nicht verbrennern“, die uns hoffentlich bald ihre Ideen für eine „zielgerichtete Aktion“ preisgibt. Müssen wir bis nach der Kommunalwahl warten oder hilft einfach nur beten, vielleicht zum heiligen St. Florian ?

Gerhard Schlarb

Kolbermoor

Am Wochenende fanden in Rosenheim wieder erhebliche Proteste gegen den Bau einer neuen Trasse als Nordzulauf für den Brennerbasistunnel statt. Mit von der Partie waren zahlreiche Bauern mit ihren stinkenden und lärmenden Traktoren. Gegen was protestiert man eigentlich? Die Trasse steht doch noch überhaupt nicht fest. Hauptsache man protestiert mal. Es wird an allen Ecken und Enden gegen Allerlei protestiert. Dabei wird auf der anderen Seite gejammert, dass unser Land langsam den Anschluss zu verlieren droht. Ja was denn nun? Hier protestiert man gegen eine geplante Eisenbahntrasse, die jene 1852 begonnene und mittlerweile in die Jahre gekommene Trasse entlasten soll. Hier will man eine vernünftige Lösung schaffen und dabei die zeitgemäßen Möglichkeiten ausschöpfen, zu Gunsten der Umwelt und der Bürger. Damit die wieder mehr auf die Bahn zurückgreifen, indem sie mit dieser in den Süden fahren und nicht mit dem Flieger dorthin reisen. Warum wurde diese mittlerweile nahezu 170 Jahre alte Strecke überhaupt gebaut? Diese Frage ist so aktuell wie damals. Mit ihr wurde der gesamte süddeutsche Raum mit den Häfen in Norditalien verbunden. Mit ihr wurde unsere Region an den Tourismus angeschlossen, der diese Gegend überhaupt erst zu dem gemacht hat, was sie heute ist. Durch sie wurde der hiesige Wirtschaftsstandort, die Industrie und der Handel mit anderen Schwerpunkten verknüpft und somit für Arbeitsplätze gesorgt. Das sind Gründe, die für sich sprechen. Ich hoffe auf die Politik, dass die eine vernünftige und sachliche Entscheidung pro Bahn trifft und nicht nach der Lautstärke und dem Gestank urteilt.

Johann Wildfeuer

Rosenheim

15. Februar, halb elf in Rosenheim. Einzelne Demonstranten machen sich auf den Weg zum Max-Josefs-Platz. Auch Familien mit Kindern sind dabei; die kleinen halten ihre Schilder stolz hoch. Vor fast einem Jahr, als die Fridays for Future Demonstrationen langsam in die Gänge gekommen sind, wurden auch von den OVB-Heimatzeitungen viele Leserbriefe veröffentlicht, die die beteiligten Schüler kritisierten; hier war von Demonstrationen, die „dem Reifegrad nicht entsprechen“, die Rede. Wieso wird dieses Thema denn nicht bei Kommentaren zu den Brenner-Nordzulauf-Protesten thematisiert? Wird hier tatsächlich davon ausgegangen, dass kleine Kinder die wirtschaftlichen und ökologischen Aspekte, die den Brenner-Nordzulauf betreffen, tatsächlich besser begreifen würden als das Thema Klimaschutz? Oder geht es hier eher darum, dass politisches Engagement anscheinend nur in Ordnung ist, wenn es mit der Meinung der Generation der Eltern übereinstimmt? Ist es überhaupt ethisch vertretbar, Kindern, die noch nicht mal im Grundschulalter sind, eine bestimmte Meinung zu einem Thema, welches sie noch nicht komplett verstehen können, aufzuzwängen und diese zu Demonstrationen zu verleiten? Kleine Kinder für ihre bunten Schilder loben und gleichzeitig bei Protesten, die von Schülern und nicht von ihren Eltern organisiert werden, von unzureichendem Reifegrad zu sprechen? Veronika Jendrezevska

Rosenheim

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