Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


OVB-Leserforum

„Ein Schlächter und Kindesmörder“ - Der Ukraine-Krieg und die Reaktionen des Westens erschüttern viele Leser

Ein Demonstrant von Greenpeace hält an der Autobahn ein Schild mit der ukrainischen Flagge, auf die eine Friedenstaube gemalt ist, und fordert eine Tempobegrenzung auf 100 km/h.
+
Ein Demonstrant von Greenpeace hält an der Autobahn ein Schild mit der ukrainischen Flagge, auf die eine Friedenstaube gemalt ist, und fordert eine Tempobegrenzung auf 100 km/h.

Die Berichte und die Bilder aus der Ukraine erschüttern auch die Leser aus der Region. Aber auch die Reaktionen des Westens und Deutschlands auf den Krieg geben Anlass zu Diskussionen.

Wolfgang Traidl (Bruckmühl): Russland wurde nicht von der NATO eingekreist (wie sollte man das auch bei der Größe des Landes). Sondern die ehemaligen Sowjetstaaten haben sehr wohl erkannt, welches Vorgehen von Russland droht. An Beispielen hat es nicht gemangelt. An der Ukraine wurde das jetzt exemplarisch durchgeführt. Dass Russlands Machthaber keine Moral haben, wird sehr deutlich beim Vorgehen gegen Andersdenkende (auch in Deutschland oder Großbritannien) mit Mordanschlägen oder Verurteilungen wegen angeblicher Vergehen bewiesen. Das Ausschalten der freien Meinungsäußerung gehört ebenfalls dazu, genauso wie bodenlose Lügen und Unwahrheiten.

Wir sind keine Steigbügelhalter der USA und ihrer Verbündeten. Durch die Partnerschaft mit ihnen konnten wir seit über 70 Jahren in Frieden leben – davon haben auch die Kritiker profitiert, die jetzt Putin die Stange halten. Und damit hier kein falsches Bild entsteht: Mir tun die Menschen in Russland leid, die von einem skrupellosen Machthaber per medialer Gehirnwäsche verhöhnt werden – leider funktioniert das sogar bei etlichen Menschen außerhalb Russlands. Und: Nicht Herr Deutschländer versteigt sich mit seinen Äußerungen, sondern jener unglückliche Mitmensch, dessen ungeheuerliche Ansichten einen freien Bürger unserer Gesellschaft zum Fremdschämen bringen.

Erwin Rupprecht (Bad Endorf): Kein Land in Europa leistet sich wie Deutschland den Luxus, auf ein Tempolimit auf Autobahnen zu verzichten. Und das, obwohl wir so abhängig sind. 50 Prozent unseres Gases und 30 Prozent des Öls kommen aus Russland. Trotz gewichtiger Gründe dafür (Reduzierung der Treibhausgasemissionen und der Verkehrsopfer) wurde ein Tempolimit bisher von den politischen Entscheidungsträgern immer abgelehnt.

Doch jetzt haben wir eine ganz neue dramatische Situation: Wir müssen mit massiven Engpässen rechnen. Aber viel schlimmer ist, dass wir mit unseren Zahlungen an Russland weiter das Töten in der Ukraine finanzieren. Und: Wer jetzt weiter fossile Energien fürs Schnellfahren verpulvert, weil er sich das noch leisten kann, fördert indirekt den Krieg und nimmt letztlich von unseren Reserven und der Allgemeinheit weg.

Natürlich gibt es auch andere Möglichkeiten wie den Ausbau der erneuerbaren Energien oder die energetische Sanierung alter Häuser. Aber das geht nicht von heute auf morgen, und nicht jeder kann das bezahlen. Bleibt der Verzicht auf eine warme Wohnung. Aber das ist ein elementares Bedürfnis, im Gegensatz zur Raserei. Vielfach heißt es, ein Tempolimit bringe zu wenig. Das mag vielleicht bei 130 km/h gelten, wirksamer wären aber 100 km/h. Der Luftwiderstand steigt im Quadrat mit der Geschwindigkeit. Also bei 150 statt 100 km/h auf mehr als das Doppelte. Und: Dass das geht, sieht man auf der Autobahn Kufstein-Brenner. Die FDP sollte nicht starr auf Einhaltung des Koalitionsvertrages bestehen, sondern wenigstens einem zeitlich befristeten Tempolimit zustimmen, solange andere in der Ukraine sterben. Ein Tempolimit hätte diese zwei Vorteile: Es wäre sofort umsetzbar und wirksam.

Harald Kaiser (Raubling): Der Unterschied in der Einstufung, was ein völkerrechtswidriger Angriffskrieg ist und was nicht, ist schon sehr merkwürdig. Nur wenige würden wohl im Moment dieses Attribut auf den Ukraine-Krieg nicht anwenden. So weit, so gut. Dazu nur eine sicherlich sehr dumme Frage: Was waren denn dann die von unseren guten Freunden, den Amerikanern, angezettelten Kriege in Vietnam, Kuwait und im Irak? Sie wurden definitiv unter Vorspiegelung falscher Tatsachen (de facto also Lügen) begonnen und geführt und haben Hunderttausenden von Menschen das Leben gekostet.

In Vietnam werden aufgrund des Einsatzes von Chemikalien immer noch missgebildete Kinder geboren. Kein deutscher Politiker und auch die Medien haben meines Wissens nach je die dafür verantwortlichen amerikanischen Präsidenten und Verteidigungsminister Kriegsverbrecher genannt.

Wer ein Z (von den Russen zur Kennzeichnung Ihrer Panzer verwendet) auf sein Auto malt, kann neuerdings strafrechtlich belangt werden, wegen Beifalls für einen Angriffskrieg. Ich trage aus so einem ähnlichen Grund schon lange keinen Anzug mehr, vor allem auch keine Krawatte. Das ist nämlich die Arbeitsbekleidung von den weitaus meisten Verbrechern auf dieser Welt. Eben diverser Politiker, aber halt nicht nur von Putin.

Hans Ahne (Bernau): Wenn Herr Kronthaler Äußerungen anprangert, die einer seriösen Zeitung unwürdig sind, dann sollte er über seinen Leserbrief nachdenken. Wenn über Gräueltaten in der Ukraine berichtet wird, dann sind das keine Lügen, sondern Tatsachen. Augenzeugen und Betroffene berichten, dass auf Busse voller unbewaffneter Flüchtlinge geschossen wird und Krankenhäuser angegriffen werden.

Wer so etwas befiehlt, ist nun mal kein Kriegsheld, sondern ein Schlächter und Kindesmörder. Herr Kronthaler moniert die wachsende Präsenz der Amerikaner in Europa. Damit wird Russland nicht eingekreist, sondern die Sicherheit Europas garantiert. Der bewaffnete Überfall auf die Ukraine rechtfertigt diese Maßnahme doch eindeutig. Herr Kronthaler sollte sein Domizil in Russland aufschlagen und gemeinsam mit Gerhard Schröder Putins Stiefel putzen.

„Seine neoimperialistischen Wahnideen“

Ulrich Kretzschmar (Prien): Wir haben eben erst seit einem Jahr einen halbverrückten US-Präsidenten überstanden, der mit seiner größenwahnsinnigen Propagandaparole „Make America great again“ alle Welt vor den Kopf stieß. Und nun haben wir einen russischen Präsidenten von ähnlichem Kaliber, der sich aber nicht wie sein US-Kollege auf sein Maulheldendasein beschränkt, sondern quasi sein politisches Credo „Make Russia great again“ eins zu eins in die Tat umzusetzen versucht.

Zu dem Zweck trampelt er gnadenlos alles nieder, was ihn daran hindern könnte, seine neoimperialistischen Wahnideen zu verwirklichen: die europäische Friedensordnung, das internationale Völkerrecht der Vereinten Nationen, das Verbot von Angriffskriegen, den Schutz der Zivilbevölkerung bei Kampfhandlungen, die allgemein menschlichen Werte der Moral, Freundschaft, Toleranz, Fairness, Anständigkeit, Wahrhaftigkeit, Glaubwürdigkeit und so weiter. Die Filmmonster King Kong oder Godzilla sind dagegen nur ein schwacher Abglanz.

Putins Russland setzt am laufenden Band schamlose Propagandalügen in die Welt, dass sich die Balken biegen. Wenn ich diesem skrupellosen, hasserfüllten „Kriegsverbrecher“ (Joe Biden) und Massenmörder à la Hitler etwas ins Stammbuch schreiben könnte, dann wäre es der folgende Textausschnitt aus George Washingtons Abschiedsbotschaft als erster US-Präsident von 1796: „Beobachtet guten Glauben und Gerechtigkeit gegen alle Nationen, pflegt Frieden und Harmonie mit allen. Religion und Moral schreiben dieses Verhalten vor; und kann es sein, dass eine gute Politik dies nicht ebenfalls vorschreibt? (...) Den Satz, dass Anständigkeit immer die beste Politik ist, halte ich für nicht weniger anwendbar auf öffentliche als auf private Verhältnisse.“

„Ein peinliches Desaster“

Adelbert Schömer (Rosenheim): Si vis pacem, para bellum (Willst Du Frieden, bereite Dich auf den Krieg vor). Diese Weisheit der alten Römer ist heute noch so aktuell wie damals. Für unsere Vorfahren war Vorsorge eine Selbstverständlichkeit, und vor jedem Winter waren Scheuer und Keller gut gefüllt. Heute haben wir uns im Glauben an den ewigen Frieden und den jederzeitigen Zugriff auf den nächsten Supermarkt ein solches Denken abgewöhnt. Dabei sollte uns eine Analyse der momentanen geopolitischen Lage klarmachen, dass jederzeit eine Kriegs- oder Umweltkatastrophe eintreten kann.

Dies gilt insbesondere auch für den Schutz vor nuklearen Bedrohungen. Der erste bundesweite Sirenentest 2020 war ein peinliches Desaster. Zum einen wurde deutlich, dass es vielerorts gar keine Sirenen mehr gibt, zum anderen kam die Meldung der Warn-Apps NINA und Katwarn erst mit einer guten halben Stunde Verspätung auf den Smartphones an. Sofern man Empfang hatte.

Die Bundeswehr wurde systematisch kastriert: In Friedenszeiten verfügte die Bundeswehr in den 80ern über 500.000 Soldaten. Im Krieg wären es durch die Einberufung von Reservisten rund 1,3 Millionen Soldaten gewesen. Heute sind es 183.758 (1/2022) aktive Soldaten und 29.000 Reservisten. Das Material der Bundeswehr ist vielfach alter Schrott, und allein für die Auffüllung der Munitionsdepots fehlen 20 Milliarden Euro.

Unsere Energieversorgung wurde zum großen Teilen von den Russen abhängig gemacht. Gasvorräte in den Großgasspeichern sollten voll aufgefüllt sein, derweilen sind sie fast leer. Habeck und Baerbock sind durch die „normative Kraft des Faktischen“ (Kant) endlich auch in der Wirklichkeit angekommen. Ergo: Unsere Energie- und Sicherheitslage ist als ernst und sogar als kritisch zu bezeichnen.

„So geht eben Westliche-Werte-Herrschaft“

Franz Garnreiter (Rosenheim): Sehr viel ist derzeit die Rede von den „westlichen Werten“ – edle Ziele, nach denen wir streben, im Gegensatz zu den bösen Autokratien. Aber woraus bestehen diese westlichen Werte konkret? Halten wir uns an die bewährte Regel, dass wir ihre Verkünder nicht an ihren Reden, sondern an ihren Taten messen. Dann sehen wir, eine kleine Auswahl: Krieg ist ein ganz wichtiger Wert (nicht nur bei den Autokraten). Und zwar solche Kriege, bei denen die Begründung vollkommen erfunden und erlogen ist (Irak, Massenvernichtungswaffen); oder wenn er mit einer haltlosen Dämonisierung des Gegners begründet wird (Serbien), also so wie der Ukraine-Krieg. Oder wenn es darum geht, einen unliebsamen Herrscher wegzubomben (Regime Change Libyen) und so weiter. Oder Hunger: Die Westliche-Werte-Vertreter sind reich, und sie haben den Großteil der Welt unter voller Kontrolle (inklusive Ausbeutung). Aber es ist ihnen tatsächlich egal, dass viele hundert Millionen Menschen andauernde bittere Not leiden und zig Millionen jährlich schlicht verhungern (darunter viele Kinder).

So geht eben Westliche-Werte-Herrschaft. Anders in den Autokratien wie China: Dort wurde die bittere Armut von über 90 Prozent der Bevölkerung in 30 Jahren auf geringfügige Reste reduziert. Böse Autokraten. Oder Flüchtlinge, die vor den Werten Krieg und Hunger fliehen. Meistens sind es die falschen Flüchtlinge. Daher ist es egal, wenn sie zu Tausenden im Mittelmeer absaufen. Wurschtigkeit gegenüber ersaufenden Flüchtlingen: offensichtlich ein wichtiger und konstituierender Teil der westlichen Werte. Gegen so viel mörderische Selbstgefälligkeit, Arroganz und Überheblichkeit muss ich die Bibel zitieren: „Was siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken im eigenen Auge siehst du nicht.“

Josef Fenninger senior (Weibhausen): Bedauerlicherweise ist nicht in Kürze mit einer diplomatischen Lösung des schmutzigen Angriffskrieges von Putin auf die Ukraine zu rechnen. Nach den täglichen Berichterstattungen kommt Kriegstreiber Putin mit seiner Invasion nicht so rasch voran, wie er sich das vorgestellt hat. Sodass auf beiden Seiten mit vielen Opfern zu rechnen ist und die Familien mit Kindern die Leidtragenden sind.

Ich möchte hier kein Feindbild von der russischen Bevölkerung entwerfen. Vor ein paar Jahren war ich in Russland und war immer begeistert, wenn ich mich nicht mehr zurecht fand, wie behilflich/freundlich die Leute waren. Und jetzt hetzt Putin mit seinen Genossen die Menschen auf, dass sie für seine Machtgier aufeinander schießen.

Was mich besonders getroffen hat: dass Putin und seine Genossen die Toten nicht zählen, sondern nach Gewicht einordnen und zuletzt „70 Tonnen Leichen“ zurück ins Landesinnere verfrachtet haben. Es ist schockierend, wenn eine solche politische Einstellung, wo das Menschenleben keinen Wert mehr hat und nach Gewicht beseitigt wird, bei uns noch Anhänger findet, die sagen, Putin hat mit seinem mörderischen Überfall auf die Ukraine recht.

Ich sehe jene Staatsmänner, die ihr Können im friedlichen Nebeneinander einsetzen, am richtigen Posten. Solche, die nur mit Hetzpropaganda regieren können, sind fehl am Platz und sollten so schnell wie möglich von ihren Posten entfernt werden.

Wie sagt Vitali Klitschko, der Boxer, jetzt Bürgermeister von Kiew. Er sei in seiner Jugend mit der politischen Propaganda aufgewachsen. Erst die vielen Reisen in den Westen durch seinen Boxsport haben ihm die Augen geöffnet.

Es gibt genug Not und Elend durch Naturkatastrophen und Hungersnöte auf der Welt, dort könnte man die Kriegsmilliarden besser einsetzen.

Kommentare