Überholtes Frauenbild

Zum Leserbrief „Antwort in der Bibel“ von Thaddäus Weindl:

Mit Halbwissen sollte Herr Weindl besser nicht argumentieren, denn Jesus hat sich nie und auch nicht indirekt als Gott bezeichnet. Weiß Herr Weindl, dass sich zur Zeit von Jesus jeder Jude Sohn beziehungsweise Tochter Gottes nannte? Bei Matthäus 29 ist übrigens vom Kommen des „Menschensohnes“ die Rede und nicht vom „Gottessohn“. Wenn Herr Weindl Jesus mit den Worten „Selig, die nicht sehen und doch glauben“ zitiert, so hängt dieser Satz eindeutig damit zusammen, dass die Apostel den Berichten von Maria Magdalena und anderen, denen Jesus nach der Auferstehung begegnet war, nicht glaubten und nicht damit, dass Jesus einen Anspruch auf Göttlichkeit stellen wollte. Zur Zeit von Jesus war die Bibel, das sogenannte Alte Testament, den Juden Gesetz, worin unter anderem stand, dass die Frau dem Mann untertan sei. Siehe auch Sure 4/34 im Koran. Hätte Jesus damals offen die Gleichberechtigung von Mann und Frau gefordert, hätten seine Gegner wieder einen Grund gehabt, ihn zu bekämpfen. Hat Jesus aber nicht indirekt mehr Rechte, wenn nicht gar die Gleichberechtigung für Frauen eingefordert, wenn er sich bei der geplanten Steinigung einer Frau wegen Ehebruchs für die Frau einsetzte und klug erklärte: „Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein!“ Hatte Jesus nicht auch weibliche Jünger wie Maria Magdalena um sich geschart? Waren nicht Frauen die Ersten, denen Jesus nach der Auferstehung begegnete? Meiner Meinung nach, und das sage ich als Katholik, ist die Nichtzulassung von Frauen für das Priesteramt unzeitgemäß und nicht im Sinn von Jesus Christus. Außerdem verstößt dieses Verbot gegen unser Grundgesetz. Die Erklärung von „Kirchenfürsten“, dass uns Jesus dazu nicht den Auftrag gegeben hätte, kann ich aus oben genannten Gründen nicht nachvollziehen und ist für mich nur Feigheit vor längst überfälligen Reformen.

Anton Heise Unterwössen

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