TUI: Nichts gelernt

Zur Berichterstattung über die Corona-Hilfen für den Reiseveranstalter TUI (Wirtschaft):

TUI erhält Corona-Gelder in Höhe von 2,8 Milliarden Euro. Dabei ist TUI nicht system-relevant. Und die größten Aktien-Anteile an TUI besitzen drei ausländische Milliardäre. Auch wird so der Markt verzerrt auf Kosten der kleineren Reisebüros. Warum macht das die Bundesregierung? Eine Insolvenz von TUI könnte noch teurer werden. Warum? Entgegen der Vorgaben der EU-Richtlinie für Pauschalreisen hat die Bundesregierung den Reise-Konzernen ein Lobby-Geschenk gemacht: Sie müssen eine Insolvenz-Versicherung nur bis zu 110 Millionen Euro abschließen. Die Insolvenz von TUI würde jedoch mehrere Milliarden Euro ausmachen.

Da die Bundesregierung die EU-Richtlinie nicht einhält, könnte es aufgrund von Schadensersatzprozessen noch teurer werden. Im September war die Insolvenz von Thomas-Cook. Hier reichte schon die Versicherungssumme von 110 Millionen Euro bei Weitem nicht aus. Die Bundesregierung bezahlt eine dreistellige Millionensumme, um Schadens-Ersatz-Klagen zu vermeiden. Anstatt wenigstens aus diesem Fehler zu lernen und das Pauschalreisenrecht zu reformieren, hat sie einfach nichts getan. Dabei zeigen schon die jahrelangen Erfahrungen mit der Lobby-Politik bei den Reedereien, dass diese der Gesellschaft nur schadet.

Wann endlich wird das mit der Lobby-Politik besser? Und wann endlich hören unsere Alt-Politiker auf, sich für die Bevorzugung bestimmter Firmen einzusetzen? Sie könnten sich doch darum kümmern, dass in den Behörden die Digitalisierung endlich vollzogen wird. Dann könnte Schule auch während Pandemie-Zeiten stattfinden und Test-Debakel könnten verhindert werden.

Jürgen Böhm

Kolbermoor

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