Tücken der Mundart

Zum Bericht "Die bedrohten Wörter Österreichs" im Bayernteil:

In Österreich sind also Wörter vom Aussterben bedroht, wobei sich die schönen Austriazismen Paradeiser (Tomaten), Fisolen (Bohnen), Ribisel (Johannisbeeren) und andere noch halten können. In unserem bairischen Dialekt verschwinden ebenfalls immer wieder Wörter in der Versenkung. Zum Beispiel würden die meisten jungen Leute heute nur noch Bahnhof verstehen, wenn sie hören, was ein Wirt früher mal ausgerufen hat: "Statt mit'm Bschoaddiache kemans mit der Bettziach!"

Was in einer Wirtschaft nach einer Bauernhochzeit an Essen übrig bleibt, lassen sich manche Gäste in Alufolie einpacken und nehmen es mit nach Hause; sie haben ja auch das Mahlgeld bezahlt. Dieses Mitbringsel trug den Namen "Bschoad". Das Tuch, in das die Speisen eingewickelt wurden, war das Bschoaddiache, Bettziach das Betttuch.

Unsere "Renommier-Bayerin" Carolin Reiber ist in ihrer Zeitungskolumne vor einiger Zeit in die Bschoad-Falle gestolpert. Sie präsentierte ihren Lesern nämlich das Bschoaddiache als "Pschorr-Tücherl" - eine herrliche Wortneubildung. Die Brauerei wird sich gefreut haben...

Dr. Richard Kirchlechner

Rott

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