Tschüss, Servus oder Pfüat di?

Zum Bericht „Servus, Tschüss!“ im politischen Teil:

Die Passauer Rektorin spricht mir aus der Seele! Wie oft habe ich mich schon innerlich gekrümmt, wenn Leute – junge wie alte, Frauen wie Männer – ein achtloses „Hallo“ hinwarfen, wenn sie einen Laden betraten oder „Tschühüss!“ vor dem Hinausgehen riefen. Ich versteh's ja (gerade noch), wenn jemand nicht „Grüß Gott“ sagen möchte. Dann kann er ganz einfach einen „guten Tag“ oder „guten Abend“ wünschen. Und von „Servus“ einmal abgesehen, gibt es beim Abschied im schönen Bayernland noch Folgendes zur Auswahl: Auf Wiedersehen (oder Wiederschaun), Pfiats eich, Pfiatdi, Pfiat Eah- na, Ade, Adieu, bis bald, bis dann, bis die Tage, einen schönen Tag noch, mach's gut, machts es guad. Und damit ist mir sicherlich noch nicht alles eingefallen!

Margaret Minker-Scorzelli

Mühldorf

Die „Aktion Heimattreue“ der Passauer Schulrektorin ist nicht zu Ende gedacht. „Grüß Gott“ ist in den tonangebenden Schichten des preußischen Nordens stark im Kommen; da ist es nicht unwahrscheinlich, dass Münchner Gymnasiasten die traditionelle Begrüßungsformel, weil als chic empfunden, quasi re-importieren. Damit würde sich das Problem von selbst erledigen, einschließlich der noch gar nicht in den Blick genommenen „Moin-Moin-Welle“. Die Verteidigerin von Art und Sitte übersieht den deutli- chen Gottesbezug von „Tschüss“ (über „A-tschüss“ zu „A-Dieu“). Der Begriff ist damit sogar dem heimeligen, aber nur schwach transzendentalen „Pfüat-di“ überlegen, auf jeden Fall aber einem blasphemischen „Auf Wiedersehen“. Vielleicht ist es ja das unausgesprochene Ziel der Kampagne von Frau Seibert, auf direkt-demokratischem Wege das Rauchverbot in öffentlichen Räumen um ein Dialektgebot zu ergänzen. Schließlich ruft man auch Migranten zu: „Leanan'S erst amoi Deitsch!“

Ernst-Christian Pahl

Halstenbek/Holstein

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