Tempolimit: Symbolpolitik oder Beitrag zur Verkehrssicherheit?

Ein Tempolimitim Land der Autobahnen?dpa
+
Ein Tempolimitim Land der Autobahnen?dpa

Zu den Berichten „Durchlaviert?: ADAC in Tempolimit-Debatte“ und zu „CSU-Kampagne gegen Tempolimit auf Autobahnen“ (Politikteil) sowie zu Leserbriefen:

Es war sicherlich keine gute Idee von CSU-Generalsekretär Markus Blume, gerade in Zeiten, in denen auch im Freistaat wichtige Entscheidungen anstehen, die Kampagne „Tempolimit? – Nein danke!“ zu initiieren und nicht notwendige Emotionen zu wecken. Sicher: In Bayern werden schnelle Autos der Premiumklasse gebaut, aber die Vernunft sagt natürlich, dass bei zunehmendem Massenverkehr auch auf Deutschlands Autobahnen ein adäquates Tempolimit unumgänglich sein wird. Gerade die Protagonisten in Wirtschaft und Politik, die gebetsmühlenartig fordern „Freie Fahrt für freie Bürger“, vergessen, dass der Staat auch eine Fürsorgepflicht für seine autofahrenden Bürger hat – und dass zurzeit das CSU-geführte Bundesverkehrsministerium oft in der Kritik steht. Ausnahmsweise sollten wir uns das Verhalten auf US-amerikanischen Interstates und Highways zum Vorbild nehmen.

Jürgen Engelhardt

Stephanskirchen

Mir scheint, die Meinungshoheit wird allmählich von Leuten übernommen, die keine 20 000 Kilometer im Jahr hinter dem Steuer sitzen, wie sicher auch die Mehrzahl der sogenannten Verkehrsexperten, die jedes Jahr in Goslar das gleiche Mantra von sich geben und auch noch 80 km/h auf der Landstraße fordern, obwohl die Mehrzahl kaum schneller ist. Wenigstens räumt der Leserbriefschreiber vom 1. Februar ehrlich ein, dass ein Tempolimit für das Klima unbedeutend ist, meint aber, es sei ein starkes Symbol. Symbolpolitik ist billig, ändert nichts und trifft meist nur die Kleinen. Wer täglich auf der Autobahn ist, weiß, dass die meisten ohnehin nicht schneller als 130 fahren. Der Durchschnitt soll bei 117 km/h liegen. Raser, die rechts und links auf allen Spuren überholen, erlebe ich vielleicht einen im Jahr. Die Probleme liegen hier beim Lkw-Verkehr und den rechthaberischen Linksfahrern, die anderen ihr Tempo aufzwingen wollen. Wie der Warentransport auf der Straße und öffentliche Verkehrsmittel zeigen, ist das Verkehrsproblem komplexer und für Politiker schwerer zu lösen als mit Tempo 130 ein Symbol zu setzen. Danken muss man den Anwohnern der neuen Autobahn bei Isen, die mit ihrem Protest auf einen weiteren Punkt hinweisen, dass Kompromisse zwischen Verkehrsfluss und Belastung der Straßenanrainer – egal wo – gefunden werden müssen. Daran wurde bisher zu wenig gedacht, auch in der Entwicklung von Straßenbelägen und Reifen. Hier kommt der ADAC ins Spiel, der sich wohl seit seinen Skandalen nicht mehr traut, Stellung zu beziehen. Früher gab es vom ADAC wache Kritik für Entwicklungen und Zitronen für kritikwürdige Autos.

Eduard Rowedder

Eggstätt

Kommentare