Tempolimit längst überfällig

Zur Berichterstattung zum Thema Tempolimit (Titelseite, Regional- und Bayernteil):

Ließe die Bundesregierung Vernunft walten und einfach nur die Fakten sprechen, wäre ein Tempolimit längst beschlossene Sache. Da aber der Druck der Autoindustrie ganz erheblich ist und die Angst vor den Wählern, möglicherweise deren Stimmen zu verlieren, die Haltung der Regierung bestimmt, geht seit Jahrzehnten nichts weiter.

Jeder weiß, dass bei einem Tempolimit der Spritverbrauch und damit der Kohlendioxidausstoß sofort sinken würden. Können wir es uns angesichts der Klimakatastrophe leisten, eine so schnelle und überaus wirksame Maßnahme links liegen zu lassen? Der Ausstoß würde immerhin um drei Millionen Tonnen pro Jahr gemindert.

Und natürlich würde in unserer lärmgeplagten Gesellschaft auch die Geräuschkulisse für die Menschen entlang der Autobahnen deutlich sinken. Rücksicht und Verständnis sollten doch prägende Werte unserer Gesellschaft sein.

Und dann die 400 Toten jährlich auf den Autobahnen, von denen 44 Prozent sogenannte „Geschwindigkeitstote“ sind. Nicht nur die Unfallgefahr wird bei einer Tempodrosselung geringer, sondern auch die Verletzungen bei Unfällen fallen weniger schwer aus. Muss man sich nicht fragen, wa rum Deutschland die einzige Industrienation ohne eine Tempobremse ist? 70 Prozent der Autobahnen sind bei uns zum unbegrenzten Rasen freigegeben. Überall in Europa fand man offenbar triftige Gründe, ein Tempolimit zu verordnen. Wissen nur wir in Deutschland es besser? Wer 100 Kilometer mit einer Geschwindigkeit von 130 Stundenkilometern fährt statt mit 180, kommt nur 13 Minuten später an. Dafür ist er deutlich entspannter und aggressionsfreier. Das sind doch Gemütszustände, nach denen wir alle streben.

Andreas Salomon

Rosenheim

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