Studie ist keine Überraschung

Zum Artikel „Grüne fordern Schulfach Digitalkunde“ (Bayernteil):

Der Artikel stellt – leider - die Ausmaße der Problematik nicht richtig dar. Wer sich die ICILS-Studie zu Gemüte führt, stellt schnell fest, wie erschreckend die Studie für die deutschen Schulen ist.

Zwar mag es richtig sein, dass 23 Prozent der Lehrer sagen, dass sie regelmäßig digitale Medien in den Unterricht mit einbeziehen, was schon erschreckend wenig ist. Doch unter den Schülern sind es gerade einmal vier Prozent in Deutschland. Die Studie überrascht mich als Schüler nicht.

Dies liegt sicherlich auch an der mangelnden Ausstattung unserer Schulen: Denn wenn eine Schule mit über 1000 Schülerinnen und Schülern sich zwei Computerräume teilen müssen, wo noch dazu zwei Schüler sich einen Computer teilen müssen, dann ist das „Digitalkonzept“ doch schon zum Scheitern verurteilt. Programme sind veraltet und stürzen ab. Browser wie Chrome oder Firefox sind nicht installiert, es wird als der standardmäßige Windows-Explorer verwendet. Hier muss eindeutig nachgebessert und investiert werden.

Ob man wirklich Informatik mit Digitalkunde ersetzen müsste, wie es die Grünen fordern, wage ich zu bezweifeln. An Informatik als Schulfach selbst ist erstmal nichts auszusetzen. Denn jeder Mensch, der mit offenen Augen durchs Leben geht, weiß, dass Informationstechnologie der Grundpfeiler des 21. Jahrhunderts ist. Umso wichtiger ist es dementsprechend auch, jungen Menschen angemessene Kenntnisse in der Informatik zu vermitteln. Damit wir mehr mit IT anfangen können, als bloß Buchstaben und Zahlen in Word oder Excel einzugeben oder gar Kommentare oder Bildchen auf sozialen Netzwerken zu posten.

Leider wurde mit der Wiedereinführung des G9s in Bayern die Chance verpasst, das Potenzial der Informatik und der Digitalisierung zu erkennen. Im neuen Lehrplan ist keine wesentliche Änderung im Informatik-Unterricht festzustellen. Wir brauchen endlich ein neues Digitalkonzept, kompetentere Informatiklehrer und keine endlosen Forderungen.

Alwin Wagner

Tuntenhausen

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