„Stillhalteprämie“ für Waldbesitzer

Zum Leserbrief „Waldhektarprämie! Wer muss das bezahlen?“:

Stillhalteprämie wäre treffender. Stillhalteprämie dafür, dass unsere Waldbewirtschafter den wohl „nachhaltigsten“ Rohstoff, den unsere Gesellschaft wie selbstverständlich seit Generationen in rauen Massen nutzt, bereitstellt. Stillhalteprämie dafür, dass unsere Forstwirte laut berufsgenossenschaftlicher Statistiken eine der gefährlichsten Arbeiten verrichten. Stillhalteprämie dafür, dass unsere Waldbesitzer durch die nachhaltige Bewirtschaftung die vielschichtigen sozialen Funktionen des Waldes seit Generationen aufrechterhalten.

Stillhalteprämie dafür, dass die Waldbesitzer die Millionenschäden in den Waldverjüngungen, verursacht durch einen völlig überzogenen Wildbestand, erdulden. Stillhalteprämie dafür, dass sie in den letzten 30 Jahren einen fast kontinuierlichen Holzpreisverfall von 240 D-Mark/m³ (120 Euro) 1989 auf rund 60 Euro/m³ heute (bei vergleichbarer Qualität) hinnehmen müssen. Gleichzeitig konnten die drei, vier maßgebenden Konzerne der „Holzmafia“ im Schnittholzbereich über lange Zeiträume hinweg Preissteigerungen von mehreren hundert Prozent am boomenden Markt durchdrücken. Ich nenne so etwas breit angelegten offenen Betrug. Stillhalteprämie dafür, dass die Waldbesitzer mit den wirtschaftlichen Folgen des gesellschaftlich verursachten Klimawandels de facto alleingelassen werden. Und dafür, dass sie weiterhin stoisch eine Aufgabe, die ohne generationenübergreifendes, nachhaltiges Denken gar nicht existent wäre, fortsetzen.

Dass unsere Waldbesitzer all dies seit dreißig Jahren praktisch unentgeltlich leisten, werte ich als Folge bewusst gestalteter Rahmenbedingungen durch die von uns gewählten Ausführungsgehilfen der Industrie, welche sich als Regierungen tarnen. Wohlgemerkt, die Stillhalteprämie beträgt je Quadratmeter 1,0 bis 1,2 Cent. Den zur Verfügung gestellte Betrag müssen sich Privatwald und Kommunalwald teilen.

Josef Schußmüller

Au am Inn

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