Der Stadtplatz – ein Gedicht

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Veit aussehen?“ (Lokalteil):

Das Neumarkt-St.Veiter Stadtplatz-Drama – ein Gedicht: Man heißt mich schön, nennt mich Juwel, manch’ einem bin ich des Ortes Seel’, schenk viel Freud’ an jedem Tag, mich auch der Fremde gerne mag.

Nun soll ich werden, schnell modern, das ist der Wunsch meines Herrn. Soll bekommen, ein neu’ Gesicht, versteh’ wer mag – ich nicht! Mag sein, ich hab schon Falten, im Lauf der Zeit manch’ Blessur erhalten. Hab’ manch Stolper stell’ – ist nicht fein, Barrierefreiheit sollt’ schon sein. Aber die Parkplätz’ sind doch gut durchdacht, mit dem Auto mich befahren – eine Pracht! Muss ich wirklich werden schick und fein? Tatsächlich, wie die ander’n sein? Durchfahrten stören jetzt, manch Baum wird unnötig ersetzt. Große Granitplatten jetzt Einzug halten, auch den Kirchplatz steril gestalten. Großstadtspezialisten sollen’s richten, Farbe auf dem Gehweg vernichten. Grau und kantig ist jetzt gefragt, genug Farb’ angeblich von den Häusern ragt. Wo bleibt Vernunft, wo die Geduld, wem ist der Wahn jetzt huld? Wer stur sich Neugestaltung gönnt, gern allzu schnell Kritik verhöhnt. Andere Meinungen nicht gefragt, der Stadtrat hat schon längst getagt.

Wo Bürgerbeteiligung nur Information, ist Mitbestimmung schlichtweg nur ein Hohn. Denn eh’ die Bürger durften fragen, zum Schein auch konnten mit beraten, fiel das Fallbeil längst über mich herab, ich dieses Spiel verloren hab’. Und irgendwann Einsicht kommt, denen, vielleicht jetzt Blinden, sich dann um eine Antwort winden – mein Charme, mein Glanz sind längst dahin, weil ich zur Norm geworden bin.

Roland Schmid

Neumarkt-St. Veit

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