Staat versagte bei Wirecard

Nach der Insolvenz der Firma Wirecard stehen vor allem die Mitarbeiter und Anleger im Regen.
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Nach der Insolvenz der Firma Wirecard stehen vor allem die Mitarbeiter und Anleger im Regen.

Zum Bericht „Wirecard: Mutter aller Bilanzskandale

(Wirtschaftsteil) und zu „Warum keine Aufklärung?“(Leserbrief von Reinhard Graser):

Man kann Leserbriefschreiber Reinhard Graser nur Recht geben, dass er in seinem Beitrag zum Untersuchungsausschuss nur mit dem Kopf schütteln kann. Jeder andere Bürger würde zur Rechenschaft gezogen, nur Herr Scheuer und die Verantwortlichen vom Wirecard-Skandal nicht, obwohl es sich um so viele Gelder handelt. Ich bin eine Rentnerin, die über 50 Arbeitsjahre geleistet hat und immer noch gezwungen ist, zu arbeiten mit 1000 Euro Rente und 600 Euro Miete. Solche Geldsummen, die hier verschwendet werden, kann sich ein normaler Rentner nicht vorstellen. Was ist eigentlich mit Familienministerin Giffeys Verzicht auf das Führen ihres Doktortitels? Entweder sie hat ihren Doktortitel oder nicht. Was haben wir für eine Regierung? Wen soll man im nächsten Jahr wählen?

Anita Koppenhagen

Wasserburg

Es ist kaum zu glauben mit welcher Naivität, Gutgläubigkeit, Profilneurose und Inkompetenz Politiker als Lobbyisten sowie Wirtschaftsprüfer, Finanzbeamte, Prüfer der Bafin beim DAX-Unternehmen Wirecard aufgetreten sind. Durch Luftbuchungen und Bilanzfälschung von korrupten und kriminellen Vorständen entwickelte sich bei Wirecard ein finales Bilanzdefizit von 23 Milliarden Euro. Die Geprellten und Leidtragenden sind die Aktionäre, Steuerzahler, Banken und letztlich auch nicht verantwortliche Mitarbeiter. Damit verbunden ist ein grenzenloser Vertrauensverlust. Der weltweite Spott über den Finanzplatz Deutschland war nicht zu überhören. Bei deutschen Bürgern, Handwerksbetrieben, Ladengeschäften, kleinen Finanzdienstleistern und gemeinnützigen Vereinen, funktioniert das staatlich organisierte zeitnahe Überprüfungssystem perfekt. Wirecard konnte jedoch über Jahre hinweg „rote Ampeln“ überfahren und sein Betrugsnetz ausbauen. Andererseits verliert eine Altenpflegerin ihre berufliche Existenz, weil sie für den Abfall vorgesehene Maultaschen (Wert 0,00 Euro) mit nach Hause nahm. Das Arbeitsgericht Radolfzell war der Auffassung, dass hier ein schwerwiegender Vertrauensverlust vorliegt. Anstelle von einer Talkshow zur anderen zu laufen, sollten sich Politiker jeder Couleur, Richter und Staatsanwälte die Zeit nehmen und das Gedicht „Für meine Söhne“ von Theodor Storm (1854) lesen, da geht es auch über die Begrifflichkeit „goldene Rücksichtslosigkeiten“. Vielleicht geht unseren Volksvertretern und der Judikative ein „Licht auf“, dass ihr Überwachungssystem und Urteilsmaß einen falschen Fokus hat.

Maximilian Prugger

Kolbermoor

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