Sparsamkeit als Untugend

An diesem runden Tisch in Brüssel wurde beim EU-Sondergipfel über die Milliarden-Beträge für das Konjunktur- und Investitionsprogramm zur Bewältigung der Corona-Wirtschaftskrise verhandelt. Unten rechts: Bundeskanzlerin Angela Merkel.
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An diesem runden Tisch in Brüssel wurde beim EU-Sondergipfel über die Milliarden-Beträge für das Konjunktur- und Investitionsprogramm zur Bewältigung der Corona-Wirtschaftskrise verhandelt. Unten rechts: Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Zur Berichterstattung über den Corona-Aufbaufonds der Europäischen Union (Politikteil)

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Interessant ist der Teil „Pressestimmen“. Die hier ausgewählten Stimmen sagen alles zu Gegenwart, Zukunft und, wenn man so will, auch Vergangenheit. Es ist die Vergangenheit. Genauer die Vorbereitung der gemeinsamen Währung. Völlig wertfrei erinnere ich an die Unterschiede der Steuersysteme und der Steuerpraktiken in den südlichen Ländern im Vergleich zu den Nordländern. Bevor die Droge „Euro“ auf die Reise geschickt wurde, hätten diese Systeme in einem ersten Schritt vor 1999 harmonisiert gehört. Alle Teilnehmer der späteren gemeinsamen Währung konnten bis dahin ihre Währung flowten und so auf Kursnachteile oder auch Vorteile reagieren. Darauf waren alle eingerichtet.

Die nördlichen Länder hatten da kaum systemische Probleme, sich auf den Euro vorzubereiten. Im Süden sah das anders aus. Leider wurde der erste wichtige Schritt wegen unterschiedlichster Interessen nie getan. So stolperten wir, hauptsächlich wegen der südlich geübten Steuermoral, in die Gegenwart. Auch das meine ich wertfrei. Die Folgerungen der „La Republica“ (Rom) und der „El Mundo“ (Spanien) belegen das deutlich. Da wir Euroländer alle im selben Boot sitzen, gilt es den ersten Schritt nachzuvollziehen, um so das schlingernde Boot zu stabilisieren. Schwierig ja, unmöglich nein – hoffentlich.

Klaus Bleyl

Bad Feilnbach

Für die Verwendung der Gelder gibt es schwammige Vorgaben wie sinnvolle Projekte, Digitalisierung, Green Deal und anderes. Die Milliarden von Euro werden versickern. Sinnvoll wäre ein gemeinsames Projekt, zum Beispiel eine Magnetbahn, welche die EU-Metropolen verbindet. Alle EU-Staaten könnten mitarbeiten, entsprechend ihrem industriellen Können wie Tunnelbau, Betonfertigteile, Elektrik, Elektronik, Fahrzeugbau, Faserverbundtechnik. Die historische Entwicklung: 1970 Versuchsstrecke von 500 Metern in Ottobrunn, Firma MBB; 1985 Transrapid Versuchsstrecke im Emsland. Da elektrisch betrieben, sollte die Magnetbahn auch die Green Deal Kriterien erfüllen und noch ein paar Milliarden zusätzlich bekommen. Die Magnetbahn steht beispielhaft für viele technische Entwicklungen, deren Ursprung in Deutschland war und jetzt in China, der neuen Ersten Welt, verwirklicht werden. Gleiten wir hinab mit CO2-freien Fahrrädern in eine sich aus Erster und Dritter Welt neu bildende Zweite Welt.

Udo Proske

Rosenheim

Ich komme aus der Fassungslosigkeit gar nicht mehr heraus: Ich bin fassungslos über die Höhe des Betrags und dass der Großteil verschenkt werden soll. Ich bin fassungslos über die Leichtfertigkeit der Weggabe des Geldes durch unsere Politiker; bin fassungslos über die Verschwendung von Steuergeldern, die unser Land gerade selber dringend nötig hätte; bin fassungslos darüber, dass Geld ohne nennenswerte Bedingungen verschenkt wird an Staaten, die noch nie ordentlich wirtschaften konnten und nun weiterhin kaum Druck haben, das endlich zu ändern; bin fassungslos, dass Italien als Bittsteller die Bedingungen stellt und empört ist, wenn von Kontrolle der Verwendung des Geldes gesprochen wird; bin fassungslos über die Begeisterung der Journalisten über den Deal, obwohl auch diese Steuerzahler sind; bin fassungslos über die Leidensfähigkeit und Gleichgültigkeit der deutschen Bürger; bin fassungslos über den desolaten moralischen Zustand der EU. Was mich aber am meisten empört, ist die Tatsache, dass Sparsamkeit zur Untugend geworden ist und damit der Wertekanon vieler Bürger erschüttert wird. Da werden die solide wirtschaftenden Geberländer angefeindet, weil sie mit ihren Geldern im Sinne der eigenen Bevölkerung sparsam umgehen und diese nicht einfach rausrücken wollen. Diese Haltung vermisse ich bei unseren Politikern mehr denn je.

Anni Geuge

Waldkraiburg

Ich habe ein sieben Monate altes Enkelkind. Wenn dieses Enkelkind 39 Jahre alt ist und die Hälfte seines Lebens hinter sich haben dürfte, erst dann wird es die Schulden getilgt haben, die beim EU-Gipfel von Bundeskanzlerin Merkel & Co. beschlossen wurden.

Natürlich dürfen keine weiteren Pandemien und Finanzkrisen dazwischenkommen, die weitere Verschuldungen und Zahlungen an die EU notwendig machen. Der Meineid von Frau Merkel „Schaden vom Deutschen Volk abzuwenden“ kann leider nicht strafrechtlich verfolgt werden. Was ich allen Politikern wünsche, die hinter diesen EU-Beschlüssen und dieser Ausbeutung der hier lebenden und arbeitenden Bevölkerung stehen, darf ich nicht sagen. Dies würde strafrechtlich verfolgt werden.

Franz Xaver Reichenberger

Mühldorf

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