Sozialisation statt Strafe

Zum Bericht „Feuerwehr und Polizei in den Hinterhalt gelockt und mit Steinen beworfen“ (Politikteil):

Wir Deutsche sind für Extreme. In den 30er- und 40er- Jahren wich man noch ehrfurchtsvoll den Polizisten auf dem Gehsteig aus. Gefängnis- und Zuchthausstrafen für grobe Missetaten waren der Normalfall. Meine Mutter konnte noch unbehelligt die letzte Straßenbahn in München nehmen. Jeder Mann wäre ihr zu Hilfe geeilt, jeder Richter hätte den Attackierer ins Gefängnis gebracht.

Heutzutage werden unsere Polizisten und Feuerwehrleute bespuckt, getreten, wenn sie schon am Boden liegen, und aus dem Hinterhalt mit Steinen beworfen, so wie in Dietzenbach in Hessen. Jetzt ertönt wieder der Ruf nach Bestrafung mit der ganzen Härte des Gesetzes. Ja, es soll statt Geldstrafen Gefängnisstrafen geben. Ist im Gefängnis schon einmal etwas besser geworden? Und bei guter Führung werden die Steinewerfer frühzeitig entlassen. Warum wurde die Bundeswehr abgeschafft? Wir fielen während unserer Grundausbildung um 20 Uhr ins Bett, so hart war der Dienst.

In Mittenwald gab es die Tragtierkompanie, die zur Hälfte aus Freiwilligen und zur anderen Hälfte aus „Gefängnisanwärtern“ bestand, die hier noch eine Chance bekommen sollten. Bedingt durch den anstrengenden Stalldienst, die vielen Manöver, die Belieferung von Berghütten und Hochgebirgszug, mussten alle anpacken; oft unter schwierigen und gefahrvollen Bedingungen und Situationen. So entstand eine vertrauensvolle Kameradschaft. Ich war Zugführer und gewählter Vertrauensmann und konnte miterleben, dass die meisten sich ihre Bewährung voll und ganz verdienten.

Und da wundern sich unsere etablierten Parteien, wenn aus Protest verstärkt AfD gewählt wird, niemand mehr zur freiwilligen Feuerwehr gehen will und immer mehr Polizisten den Dienst quittieren ?

Hermann Bredenkamp

Schönberg

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