Die A94 sorgt für Gesprächsstoff

Um den Ausbau der A94hatte es jahrelang erbitterte Streitereien gegeben. dpa
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Um den Ausbau der A94hatte es jahrelang erbitterte Streitereien gegeben. dpa

Zur Berichterstattung über die Eröffnung des Streckenabschnitts der A94 zwischen Pastetten und Heldenstein sowie zum Artikel „Landrat rastet bei Eröffnung aus“ (Regionalteil):

Die Bemerkungen gegenüber den Demonstranten sind beschämend und unwürdig für einen Landrat. Der letzte Satz des Zitats lautet: „Einige pseudoelitäre großstädtische Zirkel inklusive einer gewissen Medienlandschaft hätten uns diese Anbindung gerne vorenthalten“. Dieser Satz ist doch sehr merkwürdig und ich frage mich, was ist mit den Zirkeln und der Medienlandschaft gemeint. Irgendwelche dunklen Mächte? Solche Sprüche sollte man unterlassen und sich verständlicher ausdrücken.

Peter Eschenfelder

Waldkraiburg

Also, ich bin von Landrat Schneider „beeindruckt“: Ein Mann in einer solchen Position, Vertreter eines Landkreises und dann solche Beleidigungen gegenüber jungen Leuten. Sicherlich, dieser Job ist nicht einfach. Jedem „Wesen“ kann man es nicht recht machen. Landrat Schneider ist auch nur ein Mensch. Aber: Man sollte jedem Menschen seine Meinung und seine Haltung zu bestimmten Dingen zugestehen. Kraftausdrücke, wie die von Herrn Schneider, sind eine Katastrophe für die Politik und nicht akzeptabel. Bestimmte Dinge kann man sich denken, aber sein Mundwerk sollte man als Politiker schon unter Kontrolle haben, denn unterschiedliche Meinungen beleben die Demokratie und fördern Diskussionen.

Herr Landrat Schneider, was nun? Was haben wir als Kinder gelernt? Richtig, eine Entschuldigung ist fällig. Im Übrigen bin ich sehr froh, dass es nun eine Autobahn nach München gibt.

Doris Anglsperger

Mühldorf

Man sollte doch bitte endlich den irreführenden Begriff „Isental-Autobahn“ fallen lassen. Denn: Zu einem guten Teil verläuft die Trasse südlich der Isen. Ich habe eine Autobahnkarte aus dem Jahr 1976 mit einer Trassenplanung über Zangberg und Ampfing, da hätte es die Isen wirklich schwer getroffen.

Ein Großteil des Schwerlastverkehrs aus Ostbayern ist bei Heldenstein von der B 12 abgebogen und über Schwindegg, Schwindkirchen und Dorfen zum Flughafen weitergefahren.

Bereits bald nach Eröffnung des Flughafens hatten wir in Schwindegg „Hohenlindener Verhältnisse“ und mussten noch viele Jahre auf die Umgehungsstraße warten. Man wusste schon lange, wohin der neue Flughafen kommt, und die Dorfe ner Stadtväter hätten sich schon Anfang der 70er- Jahre um eine Ortsumgehung oder Verlegung der B 15 kümmern müssen. Jetzt ist es zu spät, rechts und links ist alles zugebaut.

Man hofft wohl darauf, dass die B 15 neu durch das FFH-Gebiet bei Wörth/Walkersaich verläuft. Ob man da nicht die Rechnung ohne den Wirt gemacht hat?

Was den Bahnausbau betrifft, so wird sich dieser wie gehabt auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschieben. Die Forderung Dorfens, die Bahntrasse auf den Hang nördlich der Stadt zu verlegen, halte ich für interessant. Das alte Bahnhofsgelände könnte man mit Wohnhäusern zubauen. Parkplätze bräuchte man auch keine mehr, denn umweltbewusste Bahnpendler gehen bestimmt gern die paar Kilometer zu Fuß oder strampeln mit dem Radl den Berg hinauf. Man will ja schließlich keine „unberührte Natur“ opfern für Parkplätze, oder?

Roswitha Schmid

Schwindegg

Am 30. September haben die Verkehrsminister Andreas Scheuer und Hans Reichhart die A94 durch das Isental eingeweiht und sich selbst für dieses Ergebnis groß gefeiert. Für die Aktionsgemeinschaft gegen die Isental-Autobahn und den Bund Naturschutz geht damit ein langer und kampfreicher Weg zu Ende. Seit den 70er-Jahren haben wir uns dafür eingesetzt, dass statt einer neuen Trasse die Bundesstraße B 12 zu einer vierspurigen Straße ausgebaut wird, auf der die Menschen sicher und bequem nach München und zurück fahren können.

Wir haben erlebt, wie Politiker mit vorgefasster Sturheit ein Projekt durchboxen, wie die öffentliche Meinung mit falschen Aussagen verfälscht wird und wie die Anliegen der betroffenen Anwohner kleingeredet und ignoriert werden. Wir haben Anfeindungen und Beschimpfungen vor allem von den Leuten aus den Regionen erlebt, die froh waren, dass sie die Autobahn nicht vor der Haustüre haben. Wir erleben gerade schlechte Gewinner, die selbst friedliche Proteste „menschverachtend“ nennen.

Es ist leicht, für etwas zu sein, das woanders gebaut wird. Aber es wird einem sehr schwer gemacht zu verteidigen, was man selbst Heimat nennt. Wir sagen klar: Es ist das Recht aller, deren nächste Umgebung durch Verkehrsprojekte bedroht ist, sich zu wehren. Wir haben im Laufe der Jahre vernünftige und richtige Argumente auf den Tisch gelegt und wir werden langfristig in vielen dieser Punkte recht behalten.

Wir appellieren nun an die „Gewinner“ dieser Auseinandersetzung, endlich gute Gewinner zu sein. Es wäre nun Zeit für ein wenig Anstand, für eine gemäßigte Wortwahl und für etwas Verständnis für die Anwohner, die den Lärm jetzt tagtäglich ertragen.

Rita Rott

Dorfen

Normalerweise äußere ich mich zu solchen Themen nicht, weil es dem Ganzen meist zu viel Aufmerksamkeit gibt. Aber in dem Fall muss ich mich doch sehr wundern, was hier für eine reißerische Berichterstattung stattfindet – aus meiner Sicht völlig überzogen und einseitig. Ich bin zufälligerweise unmittelbar neben dem Landrat gestanden und habe alles von Anfang an mitbekommen.

Zum einen waren das meiner Einschätzung nach keine wahren Demonstranten, sondern bezahlte oder zumindest hingeschickte Leute. Die haben gelacht, waren gut gelaunt und völlig entspannt, nach dem Motto: Heute machen wir mal ein bisschen Party. Wenn es ein Herzensanliegen gewesen wäre, mit ernsthaftem Hintergrund, hätten die Betreffenden ein völlig anderes Auftreten gehabt. Das konnte jeder sehen, der vorne dabei war. Sie waren auch sofort wieder weg, als die Presse ihre Bilder hatte. Insofern bleibe ich bei meinem Verdacht, dass es sich hier um Leute handelte, die mit dem Thema emotional überhaupt nichts zu tun hatten.

Ich bin kein Anwalt für Landrat Schneider, aber meine Einschätzung ist, dass er auch intuitiv gemerkt hat, dass da jemand das Ganze als Spaßeinlage sieht, was einfach der Situation nicht angemessen war.

Ich habe die Entwicklung der letzten 30 Jahre sozusagen live miterlebt und ich verstehe viele Einwände wirklich. Als Demokrat respektiere ich die Ängste und Aufregungen der Anwohner und Umweltschützer. Aber das waren keine Menschen, die sich ernsthaft mit dem Thema beschäftigt haben, das war reine Show und Herr Schneider hat sich halt provozieren lassen, was natürlich sehr schade ist. Der Bericht darüber war meiner Meinung nach völlig überflüssig.

Peter Rieder

Waldkraiburg

So erfreulich es sein mag, dass sich mit der Eröffnung der A 94 das Unfallrisiko verglichen mit der B 12 verringert, so wenig nachvollziehbar ist das unangemessene Verhalten, so wenig nachvollziehbar ist die geradezu rüpelhafte Sprache von Politikern wie Herrn Schneider.

Dass diese Trasse von der bayerischen Staatsregierung und der sie tragenden Partei gegen Argumente aus der Bevölkerung durchgesetzt wurde, ist ja wohl unbestritten.

Dr. Michael Heidegger

Mühldorf

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