Vom Sinn und Unsinn der E-Mobilität

Ein Parkplatz mit einer Ladesäule für Elektroautos ist grün markiert. dpa
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Ein Parkplatz mit einer Ladesäule für Elektroautos ist grün markiert. dpa

Zum Bericht „E-Autos sind noch nicht CO2-sauber“ (Politiktteil):

Professor Hans-Werner Sinn unterstellt grundlos, dass E-Autos mit Atomstrom und Strom aus fossilen Brennstoffen geladen werden und versucht mit dieser Unterstellung, Dieselautos schön zu rechnen. Das mag als Argument für die Stammtische reichen. Aber selbst dort weiß man, dass man seit Jahren Stromversorger wählen kann (und soll!), die Strom aus Wind-, Wasser- und Bioenergie anbieten. Ebenso scheint Professor Sinn unbekannt zu sein, dass abertausende Leute ihren Strom, beispielsweise für E-Autos, aus eigenen Fotovoltaikanlagen erzeugen. Professor Sinn wirft den E-Auto-Herstellern und -Nutzern vor, sich die Zahlen schön zu rechnen. Ihm fällt scheinbar nicht auf, dass er gerade mit dem von ihm (und der Verbrenner auto-Lobby) gerne unterstellten Energie-Mix genau diesen Fehler unabsichtlich (oder absichtlich?) selbst macht. Nähme man diese Argumentation ernst, müsste man also mit der Einführung der Elektromobilität weiter warten, bis die letzten Kohlekraftwerke vom Netz gehen. Leider hat diese Beharrer-Mentalität einiger hochgestellter Regierungsberater bereits enorme Rückstände der deutschen Autohersteller verursacht. Immerhin hat Professor Sinn nun erkannt, dass E-Autos keinen Auspuff haben und der Start-/Stopp-Automatik im Stop&Go-Verkehr überlegen sind. Vermutlich ist Professor Sinn nie mit dem Fahrrad in Städten unterwegs. Sonst würde auch er in den Genuss dieser Start-/Stopp-Technik kommen, wenn die „modernen“ Diesel-Verbrenner jedes Mal eine Startwolke hinlegen. Jeder Radfahrer kann belegen, dass jedes Dieselauto – auch die modernsten unmani pulierten – stinken. Diesel-Schönrederei mag noch einige Gutachtenaufträge und lukrative Vorträge einbringen. Der Gesamtentwicklung von Umwelt und Technik schadet sie enorm.

Josef Wildburger

Stephanskirchen

Als Ingenieur musste ich schon sehr schmunzeln, als ich las, dass „der Ökonom Hans-Werner Sinn erklärt, wie Elektromobilität der Zukunft aussehen muss“. In seinen Vorträgen und auch in diesem Interview bezieht er sich auf die „Denkfabrik Joanneum“, die für den ADAC eine Studie gemacht habe. Wenn er in der Zusammenfassung dieser Studie den letzten Punkt gelesen hätte, würden seine Vorhersagen des CO2-Ausstoßes der verschiedenen Antriebsarten für die nächsten Jahrzehnte nicht so linear verlaufen. Wörtlich steht dort als letzter Satz: „...weil zum Beispiel ein Batteriefahrzeug mit derselben Menge an erneuerbaren Energien eine größere Reichweite als ein Brennstoffzellenfahrzeug oder ein E-Fuel-Verbrennerfahrzeug erzielen kann.“ Wenn man in dieser Studie den Vergleich der (dort angewendeten) Lebenszyklusanalyse mit der Betrachtung Well-to-Wheel sucht, ist das vergebens. Was man stattdessen an mehreren Stellen findet, sind Hinweise auf den Einfluss der Auftraggeber dieser Studie (ITF, TCS, FIA), die allesamt Benzin im Blut haben. Ein Schelm wer denkt, das Joanneum könnte eventuell ein williges Werkzeug gewesen sein! Bei Abschätzungen, die vor einem Jahr in einem Handelsblatt angegeben wurden, liest man, dass nur für Her- und Bereitstellung von Dieselkraftstoff bereits halb so viel elektrische Energie benötigt wird, wie ein Elektroauto bei der Fahrt überhaupt verbraucht. Schade, dass sich die deutschen Automanager offenbar zu lange von Ökonomen leiten ließen – bis Herbert Diess (VW) kam.

Prof. Dr.-Ing.

Bernhard Liesenkötter

Rosenheim

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