Wie man sich bettet, so liegt man

Zu "Unter Rüpeln" ("Im Blickpunkt"):

Mein erster Gedanke beim Lesen: "Zeit wird's, dass dieses Thema mal aufs Tapet kommt." Später kam eine gewisse Distanz auf. Primo: Sein Buch ist aus Wut entstanden, immer ein schlechter Ratgeber. Secundo: Antwort auf die Frage nach den Ursachen: "Uns geht's zu gut." Woher will er wissen, wem es gut geht und wem nicht? Tertio: Die Szene im Zug kann man auch ohne diesen Proletenstil beschreiben, reine Effekthascherei. Dieses Buch wird nichts ändern. Eher im Gegenteil. Was bleibt, ist ein inneres Grummeln über schlechtes Benehmen anderer Leute, Betonung auf anderer. Meines Erachtens ursächlich dafür: Die haben es nicht anders gelernt. Altersgruppe: Hauptsächlich die 25- bis 45- Jährigen. Wer ist dafür verantwortlich? Deren Elterngeneration, also wir, die wir uns darüber aufregen. Die Jugendlichen sind besser als man uns glauben machen will. Vielleicht sollte man noch folgende Regeln beherzigen: Beim Betreten eines Geschäftes erst die Personen raus lassen, die raus wollen. Als Fußgänger "Rechts vor Links" beachten und die rechte Gehwegseite benutzen. Nicht zu dritt oder viert nebeneinander die ganze Breite beanspruchen. Telefonat ist Privat! Andere Leute nicht einfach duzen. Es gilt die Regel: Der Ältere bietet dem Jüngeren das "Du" an, die Dame dem Herrn und der Vorgesetzte dem Untergebenen. Womit ich wieder bei den Ursachen bin, bei der systematischen Erziehung zu Respektlosigkeit. Ein Verdienst der 68er. Im Übrigen gilt immer noch Bert Brechts "Wie man sich bettet, so liegt man" und "Wer sich mit Hunden schlafen legt, der wacht mit Flöhen auf."

Roman Kraft

Neumarkt-St.Veit

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