Selbst 35 Millionen Downloads der Corona-App würden nichts bringen

Zum Bericht „Corona-App in der Kritik“ (Politik):

Der Autor dieses Artikels schreibt, „bereits“ 17,5 Millionen Einwohner Deutschlands hätten die Corona-Warn-App heruntergeladen. Zur Erinnerung: Am ersten Tag der Freischaltung der App hatten dies acht Millionen Menschen getan, nach zwei Wochen waren es 14 Millionen, nach weiteren zwei Monaten 17,8 Millionen. Diese zögerliche Entwicklung macht wenig Hoffnung auf eine ausreichend weite Verbreitung der Corona-Warn-App. Dann zitiert der Autor ein Mitglied des Sachverständigenrats für Verbraucherfragen (Herrn Wagner): „Damit die (...) App etwas bringt, sollte sich die Zahl der Downloads verdoppeln“. Warum 35 Millionen Downloads auch nichts bringen, möchte ich kurz darlegen: Wenn 17 Millionen Menschen die App heruntergeladen haben, sind das ein Fünftel der Bevölkerung; also trägt jeder Fünfte die App auf seinem Smartphone he rum. Damit die App funktioniert, muss dieser Fünfte einen anderen App-Besitzer treffen.

Die Wahrscheinlichkeit dafür beträgt ein Fünftel von einem Fünftel, also ein Fünfundzwanzigstel oder 4 Prozent. Die Verdoppelung der App-Träger auf 35 Millionen oder 40 Prozent der Bevölkerung erhöht die Wahrscheinlichkeit auf ein Treffen zweier App-Träger auf 16 Prozent. Selbst wenn alle 58 Millionen Smartphonebesitzer (68 Prozent der Bevölkerung) die App geladen hätten, läge die Warscheinlichkeit eines Treffens erst bei 46,5 Prozent. Ein 100-prozentiger Download und gleichzeitig eine pausenlose Nutzung des Smartphones durch alle Besitzer ist aber unrealistisch: Mal hat einer sein Handy zu Hause vergessen oder er schaltet es ab oder er misstraut der neuen Technik grundsätzlich. Unter der sehr optimistischen Annahme von 45 Millionen Teilnehmern ergäbe sich die Wahrscheinlichkeit eines Treffens von nur 53 Prozent.

Dr. Manfred Beushausen

Stephanskirchen

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