Ein sehenswerter Film

Zum Leserbrief von Hans Schnitzlbaumer „Röhl-Film: Verdrehung der Wahrheit“:

Der Leserbrief ist ein gutes Beispiel unserer momentanen Gesellschaft. „Ich gebe meine Meinung kund zu einer Sache, die ich nur durch die Aussage von anderen Menschen kenne“.

Herr Schnitzlbaumer hat den Film offensichtlich nicht gesehen. Er schließt sich der Meinung von Georg Gänswein an, die aufgrund dessen Position im bestehenden System des Vatikans nur negativ sein kann.

Ich habe mir den Film gestern angesehen. Die Stellungnahmen der befragten Interviewpartner sind meiner Auffassung nach sehr sachlich, natürlich durch das persönliche Leben des Einzelnen geprägt. Kein einziger dieser Gesprächspartner hat auf den Papst verbal eingeschlagen, wie Herr Schnitzlbaumer pauschal behauptet.

Die einzelnen Aussagen sind sogar wohlwollend, zeigen aber auch menschliche Schwächen auf, von denen auch ein Papst nicht verschont bleibt.

Der Film zeigt aber auch Versäumnisse von Papst Benedikt auf, die jemand, der diesen als genial, liebevoll und begnadet ansieht, offensichtlich nicht wahrhaben will. Der Wunsch und der Wille von Papst Benedikt, die Kirche in ihrer Tradition zu erhalten, sind legitim. Das entbindet ihn aber nicht von der Pflicht, all die auch in diesem System enthaltenen Missstände nicht nur wahrzunehmen, sondern auch zu anzugehen und zu beseitigen. Das hat er nicht getan.

Unsere Welt ist aber nicht nur schwarz oder weiß, es gibt nicht nur die Guten oder Bösen, auch wenn das bequem ist. Ich kann nur eine Meinung haben, wenn ich bereit bin, auch unbequeme Ansichten wahrzunehmen und mich dann entscheiden. Deshalb ist dieser Film sehenswert.

Margarete Greger

Bad Aibling

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