Schlittenberg: Kontrolle ohne Fingerspitzengefühl

Zur Berichterstattung über Platzverweise am Schlittenberg (Bayern-/Lokalteil):

Man möchte die Maßnahmen der Regierung gerne verstehen. Die Abstandspflicht wird am besten verstanden, weil sie keiner Hilfsmittel bedarf und bereits viele Jahre bei Grippewellen praktiziert wird. Nun wird sie aber von der Polizei anscheinend sehr eng ausgelegt. Anders kann man es sich nicht erklären, wenn Menschen von Rodelhängen „entfernt“ werden. Angenommen, ein schöner klassischer Rodelhang misst 60 mal 200 Meter. Das ergibt eine Fläche von 12 000 Quadratmeter, die sich die Rodler aufteilen können. Ein abstandsbewusster Mensch beansprucht einen Kreis mit einem Durchmesser von eineinhalb Metern, was einer Kreisfläche von 7,1 Quadratmetern entspricht, in der sich kein anderer aufhalten darf. Rechnerisch können sich auf einer solchen Fläche damit rund 1500 Menschen gefahrlos aufhalten. Natürlich lassen sich kurze Begegnungen nicht vollständig vermeiden, aber dafür findet das alles im Freien statt. Und ein Après-Rodeln gibt es in diesen Tagen eh nicht. Auch dort, wo Gruppen zu beobachten sind, muss es nicht immer ein Verstoß sein. In den Weihnachtsferien, vielleicht verbunden mit Urlaub oder Betriebsferien, kann es sich auch um eine Familie handeln. Gruppen benötigen rechnerisch sogar weniger Abstand als Einzelpersonen. Das ist also alles nicht so einfach zu beurteilen. Bilder in den Medien können kaum etwas beweisen, sondern wegen des Teleobjektiveffekts eher täuschen. Viele Menschen sind nach Monaten des Lockdowns müde bis zermürbt. Sie könnten sich schikaniert fühlen, wenn Verordnungen allzu re striktiv ausgelegt werden. So lange man nicht das Fahren in U/S-Bahn und Bussen einschränkt oder verbietet, versteht man das nicht.

Norbert Vogel

Schechen

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