Rückwärts gewandt

Zum Bericht "Dahoam in bella Italia" (Blickpunkte):

Schuhplattler und Trachtlergruppen zum nachträglichen Papstgeburtstag in der päpstlichen Sommerresidenz machen wohl auch deutlich, dass unsere römisch fixierte klerikale Männerkirche zunehmend Trachtenvereinselemente annimmt und im 19. Jahrhundert stehen geblieben ist. Wenn dann noch der Papst als Stellvertreter Christi auf Erden abgehoben auf einem erhöhten Papstthron herunterblickt, muss man sich fragen, ob das Kirche im Sinne Jesu Christi ist.

Wer offiziell in seine Fußstapfen tritt, muss Abstand nehmen von erlesenen Schuhen, Kleidern, Titeln und Palästen, die eher an fürstliche Monarchen erinnern als an den kommunikativen Wanderprediger Jesu. Für nicht wenige engagierte Theologen/innen und Jesusnachfolger/innen in christlichen Basisgemeinden ist die zunehmend vergreisende Altherrenmannschaft im Vatikan ein Ärgernis, wo zahlreiche Dogmen und kirchenrechtliche Bestimmungen offensichtlicher wichtiger sind als die Weisungen Jesu in den Evangelien.

Wenn angeblich hochgebildete Theologen, wie auch der Papst und sein neu bestellter Glaubenwächter Bischof Müller aus Regensburg, solche Diskrepanzen nicht mehr sehen wollen und daraus keine Konsequenzen ziehen, wird deutlich, dass sie sich eher an lieb gewordenen Traditionen orientieren als am heilenden und Strukturen aufbrechenden Jesus. Offensichtlich scheint man diesen unangenehmen Befreier in einer Würdenträgerkirche lieber in goldenen Gefäßen auszusetzen als seine Ideen im konkreten Leben ein- und umzusetzen.

Simon Kirschner

Bad Endorf

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