Renten und Pensionen - was ist gerecht?

Immer mehr Senioren, immer weniger Geburten - wie soll unser Rentensystem das verkraften? Foto dpa
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Immer mehr Senioren, immer weniger Geburten - wie soll unser Rentensystem das verkraften? Foto dpa

Zur Rentendiskussion (Berichte im politischen Teil):

Die Ungerechtigkeit im Alterseinkünftegesetz wird (weil so versteckt) vermutlich gar nicht richtig wahrgenommen. Das wesentliche Kriterium in diesem seit 2005 wirksamen Gesetz ist, dass stufenweise auf die nachgelagerte Besteuerung der Renten umgestellt wird: 2005 beginnend mit 50 Prozent steuerpflichtem Anteil, bis 2040 die volle Besteuerung mit 100 Prozent wirksam wird. Im Gegenzug können die Rentenvorsorgebeiträge 2005 mit 60 Prozent, bis 2025 mit 100 Prozent abgesetzt werden. Für jetzige Rentner und Arbeitnehmer, die in den nächsten zehn Jahren in Rente gehen, ist dieser Modus akzeptabel. Für die Jahrgänge ab 1973 beinhaltet die Regelegung eine große Ungerechtigkeit, denn sie müssen jetzt ihre Rentenversicherungsbeiträge zum Teil versteuern, und wenn sie 2039 in den Ruhestand gehen, müssen sie 100 Prozent der Rentenbezüge versteuern, also vorgelagert und nachgelagert. Bei einem Jahreseinkommen von 50000 Euro sind 9800 Euro Rentenversicherungsbeitrag zu leisten. Davon sind zur Zeit 72 Prozent (7056 Euro) abzugsfähig. Das bedeutet, für 2744 Euro müssen zusätzlich Steuern bezahlt werden, was eine Steuerlast von rund 1000 Euro im Jahr ausmacht. Man hätte das Gesetz so machen können, dass man jedem Arbeitnehmer die Abzugsfähigkeit der Altersvorsorgebeiträge in der Höhe zugesteht, wie er sie beim voraussichtlichen Renteneintritt zu versteuern hat. Mit der daraus resultierenden Steuerersparnis wären Arbeitnehmer in der Lage, etwas für die private Altersvorsorge zu tun. Man kann nur hoffen, dass es über das Bundesverfassungsgericht zu einer gerechteren Regelung kommt.

Anton Maier

Prutting

Wachsende Altersarmut bedrückt uns in letzter Zeit besonders. Der Abbau der Rentenleistungen seit den 90er-Jahren und die prekäre Situation bei unterbezahlten Arbeitsverhältnissen haben besonders dazu beigetragen. Diese Entwicklung ist seit Jahren bekannt, und die regierende Politik schaut zu - im Glauben, man hätte das Absinken der Renten durch Einführung der Riesterrente im Griff. Vergessen hat man, dass die Bevölkerungsschichten, die zusätzliche Altersvorsorge benötigen, durch verfehlte Arbeitsmarkt- und Bildungspolitik nicht in der Lage sind, die Vorsorge zu finanzieren. Kein Wunder, denn die Damen und Herren der Politik sind nicht betroffen. Aber sie entscheiden über die gesetzliche Rente. Das muss sofort beendet werden. Man hat aber den Eindruck, dass das Ganze politisch gewollt ist. Die Einzahler in die gesetzliche Rentenversicherung benötigen dringend ein Instrumentarium, das ihre Interessen vertritt. Der Beamtenbund nimmt diese Vertretung bei den Beamten schon seit Jahren wahr. Dieses Instrumentarium ist die erfolgte Neugründung einer Rentnergewerkschaft, die die Interessen der jetzigen und kommenden Rentner vertreten wird. Die Situation kann nur durch einen sofortigen Stopp der durch den Riesterfaktor gesenkten Rente auf 41 Prozent verbessert werden. Man muss auch mal den Mut aufbringen, eine falsche Entscheidung zu revidieren. Das wird eine Summe von mindestens 50 Milliarden Euro erfordern. Aber die auf uns zukommenden Pensionen werden das Vielfache kosten. Darüber wird nicht geredet.

Gerd Borchers

Kolbermoor

Schon vor Jahrzehnten habe ich auf die Ungerechtigkeit hingewiesen: Der eine arbeitet und zahlt das ganze Leben für seine Rente. Wenn er ins Altersheim muss, reicht sie meist nicht aus. Seine Ersparnisse werden aufgebraucht. Zuletzt wird er Hartz-IV-Empfänger mit Taschengeld. Der andere hat nie etwas für die Altersversorgung getan, sich auf der ganzen Welt herumgetrieben und gesonnt. In seinen alten Tagen kehrt er zurück und liegt vielleicht sogar im gleichen Zimmer neben dem, der jahrelang eingezahlt hat. Am Ende bekommen beide das gleiche Taschengeld. Deshalb habe ich mich schon an Norbert Blüm gewandt und vorgeschlagen, dass man dem, der sozialversicherungspflichtig gearbeitet hat, wenigstens einen Bruchteil seiner erarbeiteten Rente belässt. Über den Prozent- oder Promillebetrag müsste man sich einigen können. Damit derjenige, der gearbeitet hat, sich nicht zuletzt wie der Dumme vorkommt.

Alois Fuchs

Rosenheim

Die Altersarmut ist beendet, wenn die Renten nach den Richtlinien der beamtenrechtlichen Ruhestandsberechnung gezahlt werden. Die Renten würden so um das Drei- bis Vierfache steigen. Denn die Durchschnittspension liegt laut Versorgungsbericht der Bundesregierung bei 2500 Euro brutto; der durchschnittliche Rentenzahlbetrag lag 2009 nach der Statistik der deutschen Rentenversicherung bei 721 Euro. Die Pensionäre hätten übrigens auch dann noch erhebliche Vorteile gegenüber Rentnern.

Franz Hochfilzer

Edling

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