Für realistischen Natur- und Artenschutz

Zum Bericht „Der Wolf ist in der Region“ (Regionalteil):

Am Wolf scheiden sich die Geister: Auf der einen Seite stehen einige idealistisch gesinnte Naturschutzbesessene, die die Prinzipien des Artenschutzes immer und überall verwirklicht sehen wollen, gleichgültig, welche Nachteile damit für Landwirtschaft, Bevölkerung und Fremdenverkehr verbunden sind. Auf der anderen Seite stehen die Realisten, die erkannt haben, dass unsere intensiv genutzte bäuerliche Kultur- und Fremdenverkehrslandschaft kein Lebensraum für den Wolf und andere „Große Beutegreifer“ mehr sein kann. Manche Nostalgiker wünschen sich eine Naturlandschaft zurück, in der Wölfe, Bären und Wildschweine hausen, in der Biber ungestört ihre Dämme bauen und Fischotter die Gewässer befischen können. Diese Zeiten sind aber unwiederbringlich vorbei! Das kann man bedauern, aber nicht mehr rückgängig machen. Dabei ist der Schutz einer ökologisch intakten Landschaft überlebenswichtig, um auch den Lebensraum des Menschen zu erhalten. Dabei geht es um die Erhaltung eines gesunden Bodens, um Bienen und nützliche Insekten, um gesunden Wald, Hecken, Feldgehölze, unversiegelte Flächen, Verminderung des Flächenverbrauchs, Verringerung der Schadstoffbelastung, Schutz des Grundwassers – das müssten die Anliegen des Naturschutzes sein, zumal Wolf und Bär weltweit nicht vom Aussterben bedroht sind.

Der Fehler liegt wohl da rin, dass die Natur- und Artenschutzvorschriften undifferenziert für ganz Europa gelten. So ist es beispielsweise ein Unding, dass für das menschenarme Nordschweden und das Alpenvorland der gleiche Schutzstatus gilt! Auch die Hoffnung, dass bayerische Naturschutzbehörden die europäischen Vorschriften mit Augenmaß anwenden, scheint zu trügen. Sonst würden sie nicht – völlig unrealistisch – vorschlagen, Almen durch Herdenschutzhunde oder Schutzzäune vor dem Wolf zu schützen.

Lothar Schultz-Pernice

Rosenheim

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