Ratingagenturen nicht an allem schuld

Dunkle Wolken ziehen über der Akropolis auf. Foto dpa
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Dunkle Wolken ziehen über der Akropolis auf. Foto dpa

Zur Finanzkrise (Berichte im politischen Teil, Kommentare von Georg Anastasiadis):

Nun soll für Griechenland ein weiteres Hilfspaket in Höhe von mehr als 130 Milliarden Euro geschnürt werden, obwohl seine Regierung noch nicht einmal die Voraussetzungen für das vorhergehende erfüllt hat. Dreist und ungeniert drängen Mario Draghi, Mario Monti, Olli Rehn, Jean-Claude-Junker, IWF-Chefin Madame Lagarde darauf, den deutschen Anteil im Rettungsfonds von 211 auf 422 Milliarden zu verdoppeln. Den Bankenrettungsfonds SoFFin hat die Bundesrepublik bereits erhöht. Notfalls gewährt er Garantien bis zu 400 Milliarden und Kredite bis zu 80 Milliarden Euro. Obwohl absolut unvernünftig und zudem vertragswidrig, kauft die EZB kontinuierlich wertlose Staatsanleihen auf. Im Gegenzug hat sie 500 Milliarden Euro neues Geld gedruckt. Das Ende dieser unsoliden EU-Politik ist nicht absehbar. Den Mammutanteil für alle Folgekosten und -risiken trägt als Zahltrottel Europas der deutsche Steuerzahler. Nachdem in dieser Schicksalsfrage Deutschlands und der EU alle bisherigen Mittel versagt haben, sollte sich die Kanzlerin endlich für den richtigen Weg aus der Krise entscheiden. Der Regierung von Griechenland ist die längst fällige Rote Karte zu zeigen. Wird dieses Exempel statuiert, bringt man gleichzeitig die anderen Schuldensünder zur Räson. Sollte es allerdings der "EU-Mafia" gelingen, unserer Mutti in den Arm zu fallen, dann kann wenigstens uns Bayern der große und starke Landesvater Horst Seehofer helfen. Sein Veto gegen eine weitere Erhöhung der Rettungsmaßnahmen hat er ohnehin öffentlich eingelegt. Auch den schuldenfreien Haushalt hat er propagiert. Als letztes Mittel kann er nun das im Freistaat verbriefte Optionsrecht wahrnehmen und, sofern die Bevölkerung zustimmt, aus dem Deutschland- und Europaverbund austreten. Aufgrund dieses diplomatischen Schachzugs könnte er als Retter in allerhöchster Not in die Geschichtsbücher eingehen.

Günter Pechlaner

Babensham

Wenn jemand einen Kredit braucht, geht er zur Bank. Dort wird er natürlich gefragt, wofür er das Geld benötigt und ob er es zurückzahlen und verzinsen kann. Das ist ganz normal und wird von allen Kreditnehmern akzeptiert. Nur die Griechen haben das scheinbar noch nicht verstanden. Sie sind zu "stolz", auf die Fragen der Geldgeber Antworten zu geben oder sich gar kontrollieren zu lassen. Die griechischen Medien schäumen vor Wut und übertreffen sich gegenseitig mit antideutschen Kommentaren. Der Finanzminister sieht die "nationale Würde" beschädigt. Eine Ministerin sprach gar von "krankhaften Fantasien" der EU-Länder. Es wird höchste Zeit, dass unsere griechischen Freunde von ihrem hohen Ross herabsteigen, sonst könnten sie "abgeworfen" werden. Wenn Griechenland zugesagte Reformen nicht einhält, muss man es eben dazu zwingen, indem man (zumindest vorüberghend) den Geldhahn zudreht. Ich wundere mich, dass es deren Stolz zulässt, bei privaten Gläubigern noch zusätzlich um 100 Milliarden Euro Schuldenerlass zu betteln. Jetzt scheint mir der Gipfel erreicht zu sein. Wer seine Finanzen nicht in Ordnung bringt, spielt mit der Pleite und deren verheerenden Folgen. Im Wirtschaftsleben wird ihm ein Insolvenzverwalter an die Seite gestellt. Für Griechenland wäre dies ein mit Kompetenzen ausgestatteter "EU-Kontrolleur", kein Vormund, sondern ein kritischer Freund und Helfer. Leidtragende werden wir dennoch sein, aber statt wie bisher weiterzuwurschteln, wäre mir, wenn Griechenland nicht einsichtig wird, ein Ende mit Schrecken als Warnung auch für andere Europartner lieber.

Arnold Mayer

Rosenheim

Durch Aufkommen und Einsatz von Großcomputern und deren weltweiter Vernetzung wurde es möglich, dass in Sekundenschnelle international operierende Zocker ("Heuschrecken"), Spekulanten und Hedgefonds "vagabundierende" Milliardensummen rund um den Globus transferieren, um selbst bei minimalen Währungsschwankungen und Zinsunterschieden einen möglichst maximalen Profit zu erzielen. Dabei handelt es sich fast ausnahmslos um "virtuelle Spekulationsgelder", die zu Lasten der Realwirtschaft gehen und Volkswirtschaften - wie gehabt - in gewaltige "Schieflage" bringen können. Die derzeit diskutierte Finanztransaktionssteuer, nicht zu verwechseln mit der Finanzmarktsteuer, basiert mit einigen Modifikationen auf den grundsätzlichen Überlegungen der in den 90er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts und Anfang dieses Jahrhunderts entwickelten Finanzmodelle von Ökonomen wie James Tobin, Paul Bernd Spahn und anderen. Drei Faktoren gehen in die Modellrechnung ein: die Höhe des zu transferierenden Kapitals, die Häufigkeit der ausgeführten Finanztransaktion und der jeweilige Steuersatz (Transaktionssteuer) auf das transferierte Kapital. Auf Finanztransaktionen gibt es bisher seltsamerweise noch keine Steuer. Der Prozentsatz der Transaktionssteuer (etwa 0,1 bis 0,5 Prozent) kann variabel gehandhabt werden, sollte aber wenigstens in der Eurozone einheitlich sein und möglichst von der EZB vorgegeben werden.

Jürgen Engelhardt

Stephanskirchen

Bonitätsprüfer, heute "Ratingagenturen" genannt, sind nicht dafür da, jedermanns Liebling zu sein. Sie sollen fachkundig, unbestechlich und streng sein. Ansonsten wäre ihre Arbeit nichts wert, wodurch sie Ruf und Geschäft verlören. Vergeben sie die beste Note, freut sich der Geprüfte und wirbt damit. Auch die verschuldeten Euro-Staaten haben das getan und die Prüfer damit anerkannt. Aber kaum hat ihnen nur ein einziger die Bestnote entzogen, reagiert man in höchstem Maße ungehalten und unterstellt unlautere Motive. Als Überbringer schlechter Botschaften sind die Agenturen nicht wohlgelitten. Immerhin ereilt sie nicht das Schicksal der Antike, in der Überbringer schlechter Nachrichten geköpft wurden.

Erich Lienhart

Bühl

Ich lese seit Jahren mit großer Aufmerksamkeit die Kommentare von Herrn Anastasiadis im OVB. Seine Sachkenntnis und sein Mut, unangenehme Dinge beim Namen zu nennen sowie seine Objektivität sind klasse! Besonders hervorheben möchte ich dies im Zusammenhang mit der Griechenland-Krise. Insbesondere deshalb, weil er doch griechische Wurzeln hat. Übrigens - ich bin ein ganz großer Verehrer der griechischen Antike. Und dies ganz ungetrübt von der derzeitigen miserablen und selbst verschuldeten Lage in Griechenland.

Hermann Ruf

Bruckmühl

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