Rassismus relativiert

Zu „Einseitige Berichterstattung“ (Leserbrief):

Ein anscheinend verwirrter Obstbespucker in Freiburg, eine Schlägerei in Konstanz wegen eines ab gefahrenen Außenspiegels und ein pöbelnder Betrunkener im Zug in Freilassing.

Man fragt sich nach der Verbindung zwischen den vom Leserbriefschreiber Mania so empört ins Feld geführten Vorgängen. Endlich die Erleuchtung: Herrn Mania fehlt der Hinweis auf die Nationalität der Täter... Sie werde absichtlich verschwiegen. Lieber Herr Mania, auch wenn Sie es vielleicht nicht wahrhaben wollen: Es gibt neben einigen Migranten auch viele „Bio-Deutsche“, die nicht Herr ihrer Sinne sind, sich betrinken oder prügeln und damit polizeilich auffällig werden. Und es ist in vielen Fällen richtig, die Nationalität von der Straftat zu trennen – insbesondere, wenn die Straftat nichts mit der Herkunft zu tun hat. Sie meinen, die Berichterstattung – die übrigens relativ oft direkt von den Polizeibehörden kommt und von Redaktionen nur übernommen wird – zeuge von einem „linken Rassismus“ der Journalisten, der sich gegen die Deutschen richte.

Meinen Sie alle Deutschen oder nur die mit weißer Haut? Ein Blick ins Internet zeigt, dass unter diesem Begriff rassistische Tendenzen – also die Diskriminierung von Menschen anderer Hautfarbe oder Herkunft – innerhalb linker Parteien verstanden werden. Das Weglassen der Nationalität in der Berichterstattung als „linken“ Rassismus, der sich gegen die Deutschen richte zu bezeichnen, ist nur in wenigen üblen Schriften der Rechtsaußen-Szene zu finden. Es ist der untaugliche Versuch, den Rassismus, den wir leider bei manchem finden, zu relativieren.

Angelika Graf

Rosenheim

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