Ein Pflichtbon und die Folgen

Seit diesem Jahr sind Geschäfte dazu verpflichtet, ihren Kunden Kassenbons auszudrucken.Damit soll verhindert werden, dass Geld am Fiskus vorbeigeschleust wird. dpa
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Seit diesem Jahr sind Geschäfte dazu verpflichtet, ihren Kunden Kassenbons auszudrucken.Damit soll verhindert werden, dass Geld am Fiskus vorbeigeschleust wird. dpa

Zur Berichterstattung über die Kassenbonpflicht (Wirtschaftsteil):

Die Einzelhändler, die ihre Betriebe ehrlich führen und korrekt gegenüber dem Finanzamt ihre Erlöse versteuern, haben Nachteile gegenüber den „schwarzen Schafen“, die ihre Bareinnahmen nur unvollständig erklären. Möglich ist das mit manipulierten Kassen. Es entgehen dem Staat laut Schätzung des Bundesrechnungshofes etwa jährlich zehn Milliarden an Steuereinnahmen. Wer will, kann so problemlos Umsätze gegenüber dem Finanzamt verkürzen.

Eine konsequente Verfolgung von Steuerhinterziehung stellt Chancengleichheit für die steuerehrlichen Unternehmer her, die der Großteil sind. Die Forderung des Bundeswirtschaftsministers, die Bonpflicht zu kassieren, zeigt auch ein Unverständnis bei der Technik. Moderne Registrierkassen mit ihren sicheren Speicherelementen können einiges, aber sie können nicht zaubern. Es reicht schon minimaler Aufwand, um eine bon-freie Lösung zu überlisten. Eine Kasse kann nur erfassen, was tatsächlich eingetippt wurde. Tippt der Bediener ins Leere oder wurden ein paar Einstellungen an der Kasse vorgenommen, dann fällt das dem Kunden nicht auf. Die Ausgabe von Kassenbelegen ist damit Voraussetzung dafür, dass die Finanzverwaltung schnell und einfach prüfen kann, ob die Umsätze vollständig erfasst wurden.

Wenn die Kunden Bons mitnehmen, wird es für den unehrlichen Händler riskant diesen Umsatz verschwinden zu lassen. Der Betrug würde bei einer Steuerprüfung auffliegen. Gleichzeitig kann das Finanzamt schneller bei Unternehmen prüfen und muss weniger lange in die Betriebsabläufe eingreifen. Auch der Zentralverband des deutschen Handwerks hat das neue Gesetz mit dem Ziel der Fairness im Markt begrüßt, nicht zuletzt, weil dadurch die bargeldintensive Branche vom Generalverdacht befreit wird.

Franz Schiller

Polling-Oberflossing

Da ist der Politik wieder was Tolles eingefallen. Es wird davon ausgegangen, dass ohne Kassenbon jeder den deutschen Staat betrügt. Ich war bei einem Bäcker: Man kann nur den Kopf darüber schütteln, wenn die Verkäuferin für ein, zwei oder mehr Semmeln und Brezn einen Kassenbon ausdruckt. Ebenso wie ich haben Kunden vor mir ihren Bon liegenlassen. Also kommt täglich ein Berg von Zetteln zustande. Die kleinen Betriebe werden mit Mehrarbeit belastet und nebenbei bekommen große Betriebe Subventionen vom Staat, um nicht zu schließen und werden dann doch geschlossen oder an ausländische Investoren verscherbelt. Traurig.

Ingeborg Dworaczek

Rosenheim

Wird in Kleinbetrieben grundsätzlich das Steuergesetz gebrochen? Ähnlich wie den Bauern ein Umwelt- und Tierwohlbewusstsein abgesprochen wird, unterstellt unser Finanzministerium Inhabern von Kleinbetrieben (Einzelhandel und Handwerk) kollektive Steuerhinterziehung. Ohne Respekt vor dem übermäßigen Arbeitseinsatz und persönlichem finanziellen Risiko kleiner Einzelhandelsbetriebe, die alleingestellt und ohne Hilfe der öffentlichen Hand zurechtkommen müssen, wird per übereiltem Gesetz der Einsatz von Kassensystemen verordnet, die oft finanziell schmerzhaft zu Buche schlagen und in der technischen Ausstattung überproportioniert sind. Man hat den Eindruck, dass die Steuerausfälle in Milliardenhöhe durch international agierende und nicht zahlungsfreudige Unternehmen, allen voran die IT-Branche, auf Gedeih und Verderb von den vermeintlich nicht wehrhaften Bürgern erpresst werden sollen.

Schließlich hat unser überproportional aufgestelltes Parlament seinen Preis, die Ausgaben für Wahlgeschenke müssen finanziert werden, ebenso viele soziale Aufgaben. Die Welt befindet sich im Umbruch, der auch wild mit Geld gestoppt werden soll.

Und dem Klima tut es sicher gut, dass für jede Semmel, jede Kopie für 20 Cent, jede Zeitung für einen Euro ein Kassenbon ausgedruckt werden muss. Der Kunde lässt ihn liegen, der Bon muss entsorgt werden, so wird die Papier- und Entsorgungsindustrie unterstützt. Oder? In den Medien hört man die politischen Parteien, auch die unseres Finanzministers, über achtsamen Umgang mit Ressourcen hinsichtlich auf das Klima schwafeln. Unsere Stadt Wasserburg hat auf Antrag der SPD den Klimanotstand ausgerufen, ihr Parteimitglied und Bundesfinanzminister Olaf Scholz macht sie unglaubwürdig. Wer kommt da nicht ins Grübeln?

Markus Pöhmerer

Wasserburg

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